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Klimatherapie

22.11.2005

Dass ein nach ökologischen Gesichtspunkten gebautes Haus praxistauglich ist und hohen Komfort bietet, wurde bereits im Rahmen vieler Programme und Aktivitäten wie etwa dem Programm „Haus der Zukunft“ des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), den mehr als 1.500 errichteten Wohneinheiten in Passivhausqualität und nicht zuletzt mit den klima:aktiv Musterhäusern bewiesen.
Nun wurde der nächste Schritt getan: Die breite Einführung ökologischer Niedrigstenergie- und Passivhäuser auf dem Markt. Dazu tragen entsprechend gestaltete Wohnbauförderungen der österreichischen Bundesländer, qualifizierte Unternehmen und natürlich KäuferInnen und MieterInnen, die auf Qualität und Umweltschutz achten, bei.
Wenn auch regional unterschiedlich, so kann in den vergangenen Jahren eine deutlich steigende Nachfrage nach energieeffizienten und ökologisch optimierten Wohnungen und Eigenheimen verzeichnet werden. Die Aufgabe des Programms „klima:aktiv Haus“ besteht darin, diesen Trend weiter zu verstärken und die Wettbewerbsfähigkeit von klima:aktiven Wohnungen und Häusern zu erhöhen.
Um zu zeigen, dass sowohl Fertighäuser als auch Ziegelmassivhäuser klima:aktiv gebaut werden können, gab Umweltminister Josef Pröll im Oktober 2004 im Rahmen der Klimaschutzinitiative klima:aktiv den Startschuss für zwei Musterhäuser, eines in Tulln, das andere in Wien 22. Beteiligten sich zu Beginn rund 45 innovative Unternehmen an dieser Initiative, so haben letztendlich 80 Firmen zum erfolgreichen Abschluss des Projektes beigetragen.
Dr. Wolfgang Reithofer, Vorsitzender der Wienerberger AG, wies im Zuge der Musterhaus-Präsentation, mehrmals auf die Relevanz von sozialen und ökologischen Engagement in einer Zeit von zunehmend alles überschattenden wirtschaftlichen Interessen hin.
Die Vorzüge in volkswirtschaftlicher Hinsicht liegen in einer deutlich verbesserten Ökobilanz. klima:aktive Häuser und Wohnungen haben nicht nur einen geringen Energiebedarf im Betrieb, sondern auch während der Errichtung des Gebäudes, bei der Baustoffproduktion oder beim Transport der Materialien zur Baustelle. Darüber hinaus wird auf die Umweltqualität und die Recycelbarkeit der Materialen geachtet. Gesundheitsschäden durch schlechte Raumluft und eine ökologisch und finanziell aufwändige Entsorgung des Gebäudes am Ende der Lebensdauer gehören damit der Vergangenheit an.
Auch Umweltminister Josef Pröll blickte zuversichtlich in die Zukunft: „Erklärtes Ziel ist es, immer mehr klima:aktiv-Häuser zu bauen. So wird deutlich, was gemeinsam zu vernünftigen Konditionen möglich ist. Wer nach diesen Standards baut, gewinnt Lebensqualität, spart Energiekosten und schont das Klima.“ Die Punktebewertung (festgelegt und erarbeitet aus den Erfahrungen, die bei der Errichtung der klima:aktiv-Musterhäuser gemacht wurden, den Förderrichtlinien „Ökologischer Wohnbau“ in Vorarlberg, dem IBO Ökopass, dem TotalQuality Management und den Ökopass Kriterien für Einfamilienhäuser des Ökobauclusters NÖ,. im Auftrag des Lebensministeriums vom Institut für Baubiologie (IBO) und dem Energieinstitut Vorarlberg in Abstimmung mit der Industrie und den Bundesländern) erlaubt eine rasche Einschätzung der Qualitäten des Bauwerkes und stellt eine kompakte Beurteilungsmöglichkeit dar. Schwerpunkt der Kriterien ist die Energieeffizienz im Betrieb des Gebäudes.
Ein klima:aktiv-Haus spart gegenüber einem Haus in Standardausführung (Grenzwert nach Bauordnung) zwischen ca. 40 Prozent und 90 Prozent der Heizwärme und der CO2-Belastung ein. Gleichzeitig verringern sich im selben Maße die Heizkosten.
Zu den einzelnen Kriterien werden derzeit noch detaillierte Beschreibungen abgestimmt und im Herbst 2005 zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Version des Kriterienkatalogs kann ab sofort beim Management des Programms „klima:aktiv Haus“ angefordert werden. Damit ist die Basis für klima:aktives Bauen gelegt und innovative Unternehmen der Baubranche können ab sofort klima:aktiv-Häuser realisieren. Zur Durchführung des Programms hat sich das „Netzwerk für klima:aktiven Neubau“ gebildet. Dieses besteht aus acht Partnern mit Standorten in sechs Bundesländern und weiteren regionalen Büros. Geleitet wird das Netzwerk von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) und dem Energieinstitut Vorarlberg (EIV). Unterstützt wird es von Partnerorganisationen wie der Arbeitsgemeinschaft für Erneuerbare Energie GmbH (AEE) mit Sitz in Gleisdorf, Steiermark sowie vier regionalen AEE-Büros in Kärnten/Salzburg, Vorarlberg, Wien/Niederösterreich und Tirol, dem Ökobau Cluster Niederösterreich (ÖBC) mit Sitz in St. Pölten, Niederösterreich, dem Österreichischen Ökologie-Institut (ÖÖI) mit Bürostandorten in Wien, Salzburg und Bregenz, dem Österreichischen Institut für Baubiologie- und ökologie (IBO) mit Sitz in Wien, der Donau Universität Krems mit Sitz in Krems, Niederösterreich und der Fachhochschule Kufstein Tirol Bildungs GmbH, mit Sitz in Kufstein, Tirol.
Das „Netzwerk für klima:aktiven Neubau“ bemüht sich darüber hinaus aktiv um die Einbindung weiterer Partner aus Verwaltung und Wirtschaft, denn die engagierten Ziele des Programms sind nur dann erreichbar, wenn sich alle relevanten Gruppen aktiv daran beteiligen.

Fertighaus auf Passivhausstandard
Das klima:aktiv Musterhaus von Hartl selbst ist ein Fertighaus auf Passivhausstandard und wird mit einem Pelletsprimärofen im Wohnzimmer und einer Komfort-Lüftungsanlage geheizt. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt durch Sonnenkollektoren, die Heizungs- und Solarpumpe arbeitet Energie sparend. Die Energiekennzahl des Musterhauses liegt bei 10 kWh/m2 (nach OIB) im Jahr und erfüllt somit den strengen Passivhausstandard.
Zur Regenwassernutzung dient eine hauseigene Zisterne, die Armaturen werden im Wassersparmodus geliefert. Die versiegelten Flächen, von denen das Regenwasser ungenützt abfließt, sind auf maximal fünf Quadratmeter begrenzt. Die Baustoffe wurden sorgfältig ausgewählt – als Dämmung wurde Zellulose und Schafwolle eingesetzt. Außerdem wurden ausschließlich PVC-freie Produkte für die Böden, Fenster und Türen verwendet. Mit diesem Modell wurde ein Haus mit minimalem Energieverbrauch und mit maximalem Wohnkomfort auf den Markt gebracht.
Gesundheit ist bekanntlich auch das höchste Gut und daher auch das wichtigste Anliegen der Menschen unserer Tage. Mit einem „Hartl Haus klima:aktiv“ wollen wir diesem Anliegen zukünftig in optimaler Weise Rechnung tragen.

Eckdaten:
• Heizwärmebedarf: 10 kWh/m2a (nach OIB), 15 kWh/m2a (nach PHPP)
• Nutzfläche: 245,96 m2 (inkl. Keller) – 3 Geschoße
• Heizung: Komfortlüftung mit Wärmepumpe, Pelletsprimärofen im Wohnzimmer und Wandheizung
• Punkte gem. Ökopass: 930
• U-Werte: Außenwand = 0,12 W/m2K, Dach = 0,10 W/m2K, Fenster = 0,7 W/m2K

Strenge Kriterien
Gemeinsam mit dem Massiv Wert Haus-Partner Aust, einem niederösterreichischen Baumeister, hat Wienerberger in Tulln ein Ziegel-Massivhaus errichtet, das den strengen klima:aktiv-Kriterien entspricht. Beim Musterhaus in Tulln wurden sowohl die Außen als auch die Innenwände mit massiven, gut Wärme speichernden Porotherm 20 bis 40 Planziegel errichtet. Zusätzlich wurde über den Wohnräumen eine Ziegeldecke eingesetzt.
Diese Kombination liefert ausreichende Speichermasse, um im Sommer einer Überhitzung entgegenzuwirken und im Winter die solaren Gewinne für ein angenehmes Raumklima zu nutzen. Das zeigt sich auch in der Energiekennzahl des MassivWertHauses, die mit nur 13 kWh/m2a sehr niedrig ist. Für die Bewohner in zweifacher Hinsicht von Vorteil: einerseits äußerst geringe Heizkosten und andererseits das Erreichen der höchsten Förderstufe der NÖ Wohnbauförderrichtlinien. Die geringe Restenergie wird mit einem CO2-neutralen automatischen Pellets-Kaminofen erzeugt.

TEXT: MARTIN PECHAL

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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