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Steht uns das Wasser bald bis zum Hals?

09.05.2012

Der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser stand im Mittelpunkt der Experten-Gesprächsrunde im Welios. Die Einladung dazu ging von der IG Ressource Wasser aus.

Unter dem Motto „Steht uns das Wasser bald bis zum Hals?“ diskutierten und informierten über die Zukunft des Wassers Kurt Schütter und Thomas Fleischanderl, beide IG Ressource Wasser, DI Gernot Brandweiner, VÖB, DI Markus Kumpfmüller, Landschaftsplaner, DI Karl Grimm, Landschaftsarchitekt, Thomas Muggenhumer von Muggenhumer Energiesysteme (Installateur-Marketingpreisträger 2011) und Mag. Alexander Tauchmann, Geotechnik.

Die IG Ressource Wasser hat es sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit, der Meinungsbildner und Interessierten im Umgang mit der Ressource Wasser zu schärfen und den Kreislauf des Wassers nach dem Vorbild der Natur zu nützen, zu schützen und zu fördern.

Anlässlich des Internationalen Tag des Wassers zum Thema Wasser- und Nahrungssicherheit „Water & Food Security“, machte die IG Ressource Wasser gezielt darauf aufmerksam, welche Auswirkungen zu erwarten seien, wenn im Umgang mit der Ressource Wasser und der Nutzung von Regenwasser nicht bald ein Umdenken beginne. DI Gernot Brandweiner: „Wir müssen dieses Problem sehr komplex sehen und uns fragen, welche Möglichkeiten es für die Zukunft gibt, Versickerung verstärkt zu ermöglichen. Hierfür müssen wir davon abgehen, Flächen zunehmend zu versiegeln, um Regenwasser wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurückführen zu können. Auch gibt es noch einen gewissen Bedarf an Forschung, um für alle Bereiche adäquate Lösungen zu finden!“


Augenmerk Versicherung

Kennen Sie das Szenario? Im Sommer stöhnen Mensch und Umwelt unter der lang anhaltenden Trockenheit, Regen wäre wünschenswert. Und dann, plötzlich, setzt er ein, der langersehnte Niederschlag. Die Böden sind trocken, und die vielen versiegelten Flächen werden mehr und mehr zum großen Problem für Niederschlagswasser – es kann nicht versickern, muss über die Kanalisation abgeleitet werden. Sobald kein Regenwasser, Schnee oder Hagel mehr in den Boden eindringen kann, fließen große Wassermassen mehr oder weniger vollständig oberirdisch ab. Aktive Regenwassernutzung im öffentlichen wie im privaten Bereich trägt wesentlich dazu bei, Wasserabflüsse aus Siedlungsgebieten nachhaltig zu reduzieren. Die Nutzung von Regenwasser wird in den natürlichen Kreislauf von Verdunstung, Regen und Versickerung integriert. „Die naturnahe Oberflächenentwässerung verbindet verschiedene wasserwirtschaftliche Zielsetzungen. Neben der Überflutungssicherheit geht es hier auch um die Verbesserung des Wasserhaushalts und um die Sicherung der Qualität von Grund- und Oberflächengewässern“, so Kurt Schütter, Mitglied der IG Resssource Wasser.

„Gerade in Siedlungsgebieten spielen Versiegelungen eine große Rolle. Bei Starkregenereignissen kann das Wasser nicht schnell genug und auch nicht ausreichend in die vorhandenen Grünflächen eindringen. Das führt zu Wasser in den Kellern. Es gibt erhebliches Potenzial, um diese Probleme ehestmöglich in den Griff zu bekommen“, erklärt Thomas Muggenhumer im Gespräch. Landschaftsarchitekt DI Karl Grimm: „Regenwassermanagement ist mehr als bloß Versickerung, es ist die Ausarbeitung eines individuellen Maßnahmenbündels für einen bestimmten Ort. Regenwassermanagement kombiniert Retention und Verdunstung mit Versickerung und Ableitung. Sickerfähige Oberflächen wie Schotterrasen oder Dränbeläge als Alternativen zu versiegelten Flächen verringern den Oberflächenabfluss schon am Ort des Entstehens. Gründächer fördern Wasserrückhalt und Verdunstung noch vor der Ableitung des Niederschlagswassers.“


Erholung für Mensch, Natur und Börserl

„Aber nicht nur im Siedlungsbereich ist integratives und intelligentes Regenwassermanagement ein Thema. Wir müssen den Fokus weiter fassen. Regenwassermanagement ist ein wichtiges Teilthema im Kontext mit der Nachhaltigkeit. – Enormes Verbesserungspotenzial gibt es vor allem im Bereich der landwirtschaftlichen Nutzung von Böden. Auf Äckern ist die Wasseraufnahme schwer gestört, die Böden sind kaum wasserdurchlässig. Auch in diesem Bereich müsste eine ausreichende Retention beziehungsweise Versickerung sichergestellt werden“, bringt es der Landschaftsplaner Markus Kumpfmüller auf den Punkt.

Im Sinne des „Dreisäuenmodells“ der nachhaltigen Entwicklung – Ökologie, Ökomomie und Soziales – ergeben sich bei der Versickerung von Regenwasser folgende positive Effekte: Ökologisch gesehen, wird mit der naturnahen Versickerung von Niederschlagswasser – Wechsel von einer möglichst schnellen und vollständigen Beseitigung von Niederschlagswasser zu einer dezentralen, nachhaltigen und multifunktionalen Bewirtschaftung von Niederschlagswasser – die Umwelt entlastet und die Gefahr von Grundwasserverunreinigungen gebannt. Ökonomisch gesehen, spart eine intelligente Versickerung die Gebühren für zusätzliche Regenwasserkanäle ein. Sozial gesehen, verringern oder vermindern ausgearbeitete Maßnahmenbündel Hochwasserkatastrophen, wie wir sie Jahr für Jahr entlang der Donau erleben.


Was ist zu tun?

Der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser erfordert neben der Erhaltung und Schaffung von guter Wasserqualität einen ebenso bewussten wie nachhaltigen Umgang mit Niederschlagswasser. Das Ziel muss sein, die Flächenversiegelung auf ein Mindestmaß zu beschränken, die Regenwassernutzung und Regenwasserversickerung zu forcieren, um die oberflächig abfließenden Wassermengen zu reduzieren und den vorhandenen Grundwasserhaushalt so gering wie nur möglich zu beeinträchtigen. Nachträgliche Lösungen gehören zügig in Gesetzen verankert und umgesetzt. Hierfür müssen alle in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich an einem Strang ziehen: politische Gremien, Verwaltung, Unternehmen und private Haushalte.

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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