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Studie widerlegt Gerüchte

08.08.2014

Mitte Juni wurde die weltweit umfangreichste ­Studie auf dem Gebiet der Bewohnergesundheit in neuen, energieeffizienten Wohnbauten präsentiert. Das Ergebnis: Wohnraumlüftungsanlagen sorgen nachweislich für bessere Raumluftqualität als herkömmliche Fensterlüftung. 

Energieeffizientes Bauen gehört mittlerweile zum Standard. Die Raumluft spielt dabei eine entscheidende Rolle. Daher wurden im Rahmen der Studie sowohl objektive Parameter der Raumluftqualität als auch die Sicht der Bewohner ermittelt, um eine wissenschaftlich fundierte Aussage zur Wohngesundheit geben zu können.

Die weltweit umfangreichste Erhebung zu diesem Thema wurde aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und dauerte mehr als drei Jahre, bei der mehr als 120 neue energieeffiziente Wohngebäude auf chemisch-physikalische Parameter untersucht sowie mehr als 285 Erwachsene und Kinder befragt worden sind. Neben der Erhebung der subjektiven Einschätzung der Luft, des Gesundheitszustands sowie des Wohlbefindens der Bewohner wurden im Bereich der wichtigsten Raumluftparameter (CO2, VOC, Formaldehyd, Luftfeuchte, Raumtemperatur etc.) mehr als 3.000 einzelne Messungen durchgeführt. Durch die Einteilung in zwei Untersuchungsgruppen – eine Testgruppe mit Wohnraumlüftungsanlagen und eine Kontrollgruppe mit ausschließlicher Fensterlüftung – sollte ein direkter Vergleich ermöglicht werden. Das erste Mal wurde drei Monate nach Einzug der Bewohner gemessen und befragt, eine Wiederholung fand 15 Monate nach Einzug statt.

Lüftungsanlagen punkten
„Die Ergebnisse aus der Raumluftuntersuchung waren eindeutig: Wohnobjekte mit Wohnraumlüftungsanlagen erzielten bei sämtlichen Parametern für gesunde Raumluft im Mittel bessere Werte als rein über die Fenster belüftete Objekte und wiesen somit eine deutlich höhere Raumluftqualität auf“, so DI Peter Tappler, Studienleiter des Österreichischen Instituts für Baubiologie und Bauökologie (IBO). Mit 1.340 ppm lag der durchschnittliche CO2-Wert in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlage innerhalb des Mindesthygienestandards von 1.400 ppm; bei reiner Fensterlüftung war die mittlere CO2-Konzentration mit 1.920 ppm auffällig erhöht. Bei Schadstoffen aus der Gruppe der VOC (flüchtige organische Verbindungen) verhielt es sich ähnlich: So wiesen weniger als ein Prozent der Wohnobjekte mit Wohnraumlüftungsanlagen, aber jedes zehnte herkömmlich über Fensterlüftung belüftete Objekt zum zweiten Messzeitpunkt erhöhte Konzentrationen auf. 

Lediglich im Bereich der Luftfeuchte im Winter zeigte sich bei Lüftungsanlagen Optimierungsbedarf.Trockene Augen wurden häufiger als Kritikpunkt in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen angegeben, was nicht verwundert, da die im Rahmen der Studie geprüften Anlagen noch nicht mit moderner Feuchterückgewinnung und Bedarfsregelung ausgestattet waren.

Mess- und spürbar
In den Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen waren 87 Prozent der Teilnehmer sehr zufrieden mit der Wohnsituation. Sie nahmen die Luftqualität deutlich positiver wahr als die Bewohner in Objekten mit reiner Fensterlüftung. „Auch aus medizinischer Sicht werden Lüftungsanlagen befürwortet. Die Ergebnisse machen ersichtlich, dass Wohnraumlüftungsanlagen die Gesundheit und das Wohlbefinden – entgegen gängiger Meinungen – positiv beeinflussen. Raumluftqualität und klimatische Zufriedenheit werden messbar gesteigert“, sagt dazu Assoz.-Prof. DI Dr. med. Hans-Peter Hutter, medizinischer Leiter der Studie. Hutter erklärt: „Anlass für diese umfangreiche Erhebung war die Frage, ob Lüftungsanlagen die Gesundheit der Bewohner beeinträchtigen. Obwohl die Luftfeuchte in den Wohnräumen noch zu gering ist, kann darauf ab sofort mit einem Nein geantwortet werden.“ In Sachen Luftfeuchte gilt es zu handeln. Lösungen wie hochqualitative Komfortlüftungsanlagen existieren bereits. „Die im Passivhaus verwirklichte Kombination aus energieeffizienter Bauweise und Komfortlüftung ist ideal, um zukunftsträchtig zu bauen. So optimiert man das Wohlbefinden und den Gesundheitszustand der Bewohner und sorgt nachhaltig für die Umwelt. Wichtig für Neubauten ist die Verwendung von hochqualitativen Komfortlüftungssystemen mit Bedarfsregelung und Feuchterückgewinnung, so kann die Luftfeuchtigkeit optimiert werden, Beschwerden wie trockene Augen sollten dann nicht mehr auftreten“, fasst Peter Tappler zusammen.

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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