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Ungewohnt und kompliziert

20.02.2010

Der hydraulische Abgleich ist nicht nur ein technischer Vorgang.
Immer mehr Hersteller entdecken die energetische Getriebeart auch als ­Marketinginstrument. Bislang fehlt dem Monsterbegriff allerdings noch ein eingängiger Name, der sich verkaufen lässt.

 

Jahrzehnte fristete der hydraulische Abgleich ein rein technisches Dasein. Ein Monsterbegriff, geeignet für Ingenieure und Technokraten, die sich über Druck- und Strömungsverluste oder effiziente Wasserverteilung Gedanken machen. Seit wenigen Jahren erst entdecken immer mehr Hersteller plötzlich die energetische Getriebeart in Rohrleitungen für ihr Marketing. Der hydraulische Abgleich ist lästig für den Handwerker – ungewohnt. Ein komplizierter Vorgang, bei dem zahlreiche Einstellungen am Verteiler vorgenommen werden. Für Kopfarbeiter eine Herausforderung, für körperlich Schaffende manchmal beängstigend. Wenn die KV-Werte nicht korrekt erfasst und eingegeben werden, stimmt das Strömungsverhalten im Verteilernetz nicht. Für die Wärmeabgabe steht zu viel oder zu wenig Wasserdruck bzw. Energie zu Verfügung. Nur wenn genau so viel Wasser durch das Rohrleitungssystem einer Heizung bis hin in die Heizkörper fließt, wie benötigt wird, ist die Anlage unter hydraulischen Aspekten korrekt eingestellt.

In Deutschland bemängeln Experten, dass höchstens 50 Prozent der dort tätigen Handwerker einen hydraulischen Abgleich vornehmen. In Österreich dürfte das kaum anders aussehen. Eine gigantische Ressourcen-Verschwendung und obendrein unnütze CO2-Belastung wegen überflüssigen Strombedarfs. Der private Haushalt zählt in den deutschsprachigen Ländern mit 30 Prozent Energiebedarf zu den größten Verbrauchern von Energie. Allen voran deren Millionen von Heizungsanlagen, die innerhalb dieser 30 Prozent rund drei Viertel an Energie für sich beanspruchen. Auch hier werden wohl die Parallelen zum österreichischen Markt deutlich vorhanden sein. Nun sind die Einsparpotenziale eines Wärmeerzeugers auch im Volksmund längst bekannt. Die gleichen Möglichkeiten bei ungeregelten Pumpen oder veralteten Rohrleitungssystemen mit engen Durchmessern kaum. Pumpen aber fressen erstens jede Menge Strom, zumindest die alten Modelle. Zweitens verschleißen Pumpen schneller, wenn sie stärker beansprucht werden. Genau diese Themen haben die Hersteller von Wärmeverteilern und Wärmeüberträgern gerade neu entdeckt.

 

Anstatt den Handwerker ständig zu belehren, hat die Industrie in vielen Fällen den hydraulischen Abgleich selbst in die Hand genommen. Das kann so aussehen wie beim dezentralen Wilo-Pumpensystem Geniax, wo die KV-Werte vor der Installation der Pumpe in eine Software eingegeben werden. Es kann sich aber auch um selbstlernende Systeme handeln wie die DEM-Technologie von Uponor. Im Grunde genommen aber passiert bei dieser Methode nichts anderes als eine Verlagerung eines technischen Arbeitsschrittes zurück ins Planungsbüro. Zudem locken beim Nachbarn in Deutschland zum Teil attraktive Förderprogramme für Sanierungen, wenn ein hydraulischer Abgleich durchgeführt wird. Verändern sich die Rahmenbedingungen, bekommen auch vertraute Begriffe eine neue Bedeutung. Für den hydraulischen Abgleich lässt sich mit Sicherheit eine passendere Bezeichnung finden, die sich auch für die Arbeit eines Marketingmanagers besser eignet. Nachfolgend stellen wir Ihnen einige typische Produkte vor, die in einem engen Zusammenhang mit dem hydraulischen Abgleich stehen.

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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