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Wasser für die Welt

29.04.2011

Vor etwa einem Monat am 22. März wurde der Weltwassertag gefeiert: Die gesamte Menschheit mit Trinkwasser zu versorgen wäre technisch machbar, so meint zumindest Univ.-Prof. Helmut Kroiss von der Technischen Universität Wien.

Österreich hat Glück, denn Trinkwasserprobleme sind hierzulande praktisch unbekannt. Regelmäßiger Regen, große Flüsse und relativ konstante Grundwasserspiegel versorgen uns mit einer größeren Menge Wasser, als wir benötigen. Ganz anders in zahlreichen Regionen der Welt – daran erinnerte auch heuer wieder der Weltwassertag. Wichtige Fragen über die Zukunft der weltweiten Wasserversorgung untersucht der Experte für Wasserwirtschaft an der Technischen Universität Wien Universitätsprofessor Helmut Kroiss.

 

Trinkwasser für alle

Der menschliche Bedarf an sauberem Wasser ist eigentlich gar nicht besonders hoch: Pro Jahr benötigt jeder von uns etwa einen Kubikmeter Wasser zum Trinken und 30 bis 50 Kubikmeter Wasser für Hygiene, das ebenfalls beinahe Trinkwasserqualität aufweisen sollte. „Die Trinkwasserversorgung ist ein technisch lösbares Problem“, zeigt sich Kroiss durchaus optimistisch. Selbst wenn die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten auf über neun Milliarden Menschen ansteigen sollte, wäre die globale Versorgung der Menschen mit sauberem, gesundheitlich unbedenklichem Wasser machbar. Ein großer Gerade in Küstengebieten, wo ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt, lässt sich durch Entsalzungsanlagen relativ einfach Trinkwasser aufbereiten.

 

Problembereich Landwirtschaft

Die Landwirtschaft stellt ein viel gewichtigeres Problem dar: „Um einen Menschen mit Nahrung zu versorgen, benötigt man 1000 bis 2000 Kubikmeter Wasser pro Jahr“, erklärt Kroiss – und diese Menge steht nicht überall zur Verfügung. Es gibt Staaten, die sich aufgrund mangelnden Wassers einfach nicht selbst mit Nahrung  versorgen können. Im Wüstenklima des Jemen etwa muss man mit zirka 200 Kubikmeter pro Person und Jahr auskommen. Eine autarke Versorgung der Bevölkerung mit Wasser und Nahrung ist in solchen Ländern einfach nicht möglich. In Südkorea – kaum größer als Österreich – leben 50 Millionen Menschen. Dort gibt es zwar ausreichend Wasser, aber zufolge des Monsunklimas extrem unregelmäßigen Niederschlag. Regenwasser muss daher in Talsperren gespeichert werden, um eine Wasserversorgung übers Jahr zu sichern, außerdem fehlen die Flächen für eine ausreichende Nahrungsproduktion.

Ein globaler Umstieg auf biologische Landwirtschaft, würde die erforderliche landwirtschaftliche Nutzfläche aber noch steigern, die Konkurrenz zwischen Natur- und Kulturflächen verschärfen und vor allem der Artenvielfalt schaden.

 

Wassertransport löst keine Probleme

Wird man in Zukunft also gewaltige Wassermengen mittels Wassertankschiffen und Wasserpipelines von feuchten in trockene Gebiete umverteilen müssen? Ein solches Szenario hält Kroiss für völlig unrealistisch: „Solche Wassertransporte wären sehr ineffizient“, meint er. „Anstatt tausend Kubikmeter Wasser für die Landwirtschaft zu transportieren, kann man auch eine Tonne Weizen transportieren – und Landwirtschaft in jenen Gegenden betreiben, die auf Grund der klimatischen Bedingungen dafür geeignet sind.“ Helmut Kroiss legt großen Wert darauf, zwischen Trinkwasserbedarf und landwirtschaftlichem Bedarf zu unterscheiden: „Trinkwasser wird eigentlich nicht verbraucht – es wird nur verunreinigt“, präzisiert er. Das so entstehende Abwasser wird nach Reinigung wieder den Gewässern zugeführt oder kann sogar als Trinkwasser wiederverwendet werden.

Wasser, das der Nahrungsproduktion in der Landwirtschaft dient, verdampft hingegen und kann damit in der Region nicht mehr genutzt werden. In Österreich fällt das gar nicht auf, aber etwa im Einzugsbereich des Aralseees oder des Kaspischen Meeres mit steigendem Wasserbedarf für die Bewässerung in der Landwirtschaft führt das zu dramatischen Folgen für das ökologische Gleichgewicht.

 

Optimistischer Blick nach vorn

Die Zukunft der globalen Wasserversorgung sieht Kroiss eher optimistisch: „Eine pessimistische Sicht hat ja wenig Sinn, wenn man nicht versucht, die Dinge zu ändern“, meint er. Freilich muss im Bereich der regionalen Wasserpolitik und der globalen Nahrungsversorgung noch vieles verändert werden. Doch wenn sich die Weltbevölkerung gegen Ende dieses Jahrhunderts stabilisiert, sollte es technisch und organisatorisch möglich sein, für eine flächendeckende Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser, für ausreichende Ernährung, und für gesunde, saubere Gewässer zu sorgen. Um diese Möglichkeiten aber auch auszuschöpfen, erfordert es globales Denken und eine allgemeine Bewusstseinsänderung– beides ist Aufgabe der Politik.

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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