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Wenn offene Rechnungen die Existenz bedrohen

27.09.2019

Der jährliche Austrian Business Check des KSV1870 zeigt auf, dass ein Fünftel der Rechnungen verspätet einbezahlt werden. Der Großteil davon (88 Prozent) beläuft sich auf Forderungen bis 50.000 Euro - für Kleinstunternehmer ist dies existenzbedrohend.

Die Zahlen wirken erschreckend: "Nach KSV1870 Hochrechnungen werden jährlich rund 1,9 Millionen Rechnungen in der Höhe von 1,35 Milliarden Euro selbst nach Zahlungserinnerung und Mahnungen nicht bezahlt“ erläutert Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH. Vorsicht ist auch geboten, da insbesondere ein um drei Prozent höherer Anteil als 2018 von einem rückläufigen Umsatz betroffen ist. Nicht verwunderlich ist es demnach, dass ein Viertel bei der Frage nach den größten Gefahren für ihren Geschäftsbetrieb Zahlungsausfälle nennt (27 %, AB-Check Frühjahr 2019). Vybiral sieht aber ein rasches Handlungspotenzial: „Es könnte so einfach sein: Würden Rechnungen nicht stark vorsätzlich liegen bleiben, müssten Unternehmen sich nicht so viele Sorgen um Zahlungsausfälle machen.“

Eines gleich vorweg: Private sind im Gegensatz zu Gewerblichen brave Zahler, 87 Prozent von ihnen begleichen ihre Rechnung innerhalb des Zahlungsfrist. Der durchschnittliche Zahlungsverzug liegt bei einem Tag.

Zahlungsverzug scheint zur Norm zu gehören

Von den Firmen begleichen 20 Prozent ihre Rechnungen verspätet, obwohl sich das Zahlungsziel sogar gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um einen Tag auf 24 Tage erhöht hat. Österreichische Unternehmen zahlen mit einem Zahlungsverzug von fünf Tagen offene Forderungen. Dennoch scheint ein Zahlungsverzug zur akzeptierten Norm geworden zu sein. Die Befragten geben an, dass die Zahlungsmoral ihrer Firmenkundschaft im Vergleich zu 2018 unverändert gut geblieben ist. Rund zwölf Prozent meinen sogar, dass sich diese verbessert hätte. Auf Bundesländerebene hat Vorarlberg seine Stellung als Musterschüler verloren, während sich das Burgenland stark verbessert hat. Der Großteil zahlt nach 30 Tagen.

Langsam aber doch ist eine Besserung der Zahlungsmoral bei der Öffentlichen Hand zu verzeichnen. So haben die Bundesbehörden ihren Zahlungsverzug auf sechs Tage (minus 1 Tag) verringert. Die Länder verbessern sich auf fünf Tage (minus 2 Tage). Hingegen liegen die Gemeinden mit ihrem Zahlungsziel (26 Tage) vorbildlich unter der gesetzlichen Vorgabe von 30 Tagen und weisen mit einem Zahlungsverzug von drei Tagen auch hier den niedrigsten Wert auf.

Autor/in:
Bettina Kreuter
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