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Zukunft Bauen 2012

09.05.2012

Expertenbefragung zu Gebäudekonzepten, Wohnraumlüftung, erneuerbare energien und anderen Zukunftsthemen.
 

Text Mag. Siegfried Wirth

Die Wohnraumlüftung hingegen polarisiert. Die Abneigung gegen Anlagen zur kontrollierte Wohnraumlüftung wird mit den unterschiedlichsten Argumenten begründet, etwa: Stoßlüftung reicht; Angst, die Fenster nicht mehr öffnen zu dürfen; Sorge wegen Keimen in der Anlage; zu teuer, rechnet sich nicht; Übertechnisierung. Ausreichende Lüftung wird immer wichtiger, weil in dichteren Gebäuden Dichtheit ein Muss ist, um die Heizenergie möglichst gering zu halten, was Kosten spart und das Klima schont. Dabei wird die Frischluftzufuhr umso wichtiger, je dichter die Gebäude sind. Ausreichendes Lüften ist ein wesentlicher Faktor für die Wohnqualität und die Gesundheit der Bewohner.

Eine zentrale Frage in der aktuellen Expertenbefragung lautet daher: Wie soll man lüften?

Die Ergebnisse weisen klar in Richtung Komfortlüftung, die „kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (WRL)" als technische Lösung für dichte Gebäude. Das Thema wurde mehrfach abgefragt, der Tenor ist einheitlich: Die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (WRL) bekommt als eine der zukünftigen Herausforderungen der Baubranche die Note 2,06 (was „wichtig" bedeutet); als Aspekt einer ökologischen Bauweise Note 1,83 (also noch „wichtiger"); und als beste Methode für den hygienisch nötigen Luftwechsel Note 1,70 (mit einer Marktstellung zwischen „Zunehmen" und „Dominieren").

Wie soll man lüften?

Für 86 Prozent der Befragten eignet sich die „Komfortlüftung" „vollständig" (Note 1 = grün) oder „größtenteils" (Note 2 = hellgrün), was die Durchschnittsnote 1,7 ergibt. Den gleichen Wert erreicht auch die „Wohnraumlüftung mit Wärme- und Feuchterückgewinnung". Dieses Ergebnis wird auch in der Grafik deutlich: Bei allen anderen Methoden überwiegt die Einschätzung, dass sie den Zweck „eher nicht" (Note 4 = orange) oder „gar nicht" (Note 5 = rot) erfüllen: Das meinen mehr als 40 Prozent zur „Automatischen Fensterlüftung", fast 46 Prozent zur „Fensterlüftung" und jeweils mehr als 50 Prozent zu anderen abgefragten Varianten.

 

Marktaussichten für Lüftungsanlagen

„Welche Lüftungsmethoden für Gebäude werden sich in den nächsten fünf Jahren im Markt durchsetzen?" An der Spitze liegt die „Komfortlüftung" mit 1,9. Für Letztere erwarten 37 Prozent ein „Dominieren", 45 Prozent ein „Zunehmen". Ähnlich gute Noten erreichen „Wohnraumlüftung mit Wärme- und Feuchterückgewinnung" mit 2,0 und die hier zusätzlich angebotene „Wohnraumlüftung mit Wärme- und Feuchterückgewinnung plus Kühlung" mit 2,2.

 

Branchenthema Lüftungsanlagen?

Wegen der Fragen zur Lüftung war diesmal auch die Installations- und Lüftungsbranche zur Expertenbefragung „Zukunft Bauen" eingeladen. Teilgenommen haben zehn Haustechnik-Hersteller, 15 Haustechnik-Planer, aber nur vier Installateure. Insidern zufolge sind die Installateursbetriebe gut ausgelastet, allerdings nicht mit Lüftungsanlagen. Dank Heizungs- und Sanitärgeschäft besteht noch wenig Interesse an diesem kommenden neuen Geschäftszweig. Dabei sind durch die Europäische Gebäuderichtlinie (EPBD) die Weichen gestellt: Ab 2020 wird es wohl keinen Neubau ohne Lüftung geben. Wer wird dann die Kompetenz haben, solche Anlagen zu planen, zu installieren und einzuregeln? Wann werden sich die Installateure fit machen? Wo werden sie das erforderliche Personal hernehmen? Die Zeit bis zum Inkrafttreten der strengen Energiesparbestimmungen scheint noch lang zu sein: Tatsächlich ist sie es nur, wenn sie gut genutzt wird.

 

„Erneuerbare Energie" und „Sanierung" für Baubranche am wichtigsten

Die Baubranche steht vor gewaltigen Aufgaben, soll sie doch einen wesentlichen Beitrag zur Energieeinsparung beim Bauen, Sanieren und Wohnen leisten. Die EU-Gebäuderichtlinie gibt die Richtung vor, die Umsetzung ist in Arbeit. Information, Services und Förderbestimmungen sollen zur Umstellung einer ganzen Branche beitragen. Die Expertenbefragung „Zukunft Bauen 2012" hat auch heuer wieder die Experten gefragt, wo sie die größten Herausforderungen sehen. Die 16 vorgegebenen „Fragen, vor denen die Baubranche steht", bekommen Durchschnittsnoten zwischen 1,6 und 2,6, somit werden alle für ziemlich wichtig gehalten. Bei insgesamt geringer Veränderung zum Vorjahr gibt es leichte Verschiebungen in der Reihenfolge.

 

Zukünftige Herausforderungen, gereiht nach Durchschnittsnoten

Als wichtigste Themen für das eigene Unternehmen in den nächsten fünf Jahren werden „Erneuerbare Energie", „Vermeidung sommerlicher Überhitzung" „Umfassende Sanierung von Gebäuden", „Energieausweis" und „Innenraumluftqualität" gesehen. In dieser Spitzengruppe gibt es zwei signifikante Veränderungen zum Vorjahr: „Erneuerbare Energie" setzt sich an die Spitze, „Umfassende Sanierung" rückt von Rang 7 auf Rang 3 vor. Auch „Barrierefreiheit" steigt signifikant um drei Ränge.

Unverändert hingegen ist die Einschätzung der „Europäischen Gebäuderichtlinie": Sie liegt mit der guten Note von 1,8 nur auf Rang 8. Dies ist interessant, weil offenbar die Umsetzung der Gebäuderichtlinie in österreichischem Recht noch nicht ausreichend klar ist. Weitgehend gleiche Ergebnisse wie im Vorjahr bestätigten nicht nur den methodischen Ansatz der Studie, sondern unterstreichen auch die Aufforderung zum Handeln. Das gilt etwa für Energieausweis und Gebäudezertifzierung.

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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