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Änderung bei Jahresabschluss von Kapitalgesellschaften

13.07.2017

Für alle Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften, deren Geschäftsjahr nach dem 31. Dezember 2015 beginnt, ist das Rechnungslegungs-Änderungsgesetz (RÄG) 2014 anzuwenden.

Neben einigen neuen Definitionen und neuen Bilanzierungsgrundsätzen sind auch die Grenzwerte der Größenklassen valorisiert und eine neue Größenklasse geschaffen worden: Für Kleinstkapitalgesellschaften („Micros“) gelten folgende Grenzen: 
·  bis 350.000 Euro Bilanzsumme,
·  bis 700.000 Euro Umsatzerlöse,
·  maximal zehn Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt.

Formelle Änderungen betreffen unter anderem:
·  den Ausweis des Eigenkapitals,
·  den Entfall (und die Umbuchung) der unversteuerten Rücklagen. Diesbezüglich ist sogar noch ein Eingriff ins Vorjahr nötig!
·  den Entfall des außerordentlichen Ergebnisses,
·  die Erweiterung der „Davon-Angaben“ in der Bilanz,
·  die Neudefinition (Erweiterung) der Umsatzerlöse.

In materieller Hinsicht sind insbesondere folgende Änderungen zu erwähnen:
·  Bilanzierung latenter Steuern
·  Zuschreibungspflicht (inkl. Nachholung unterlassener Zuschreibungen)
·  Bewertung von Vorräten (Herstellungskosten) und Firmenwert
·  Pflichtansatz Disagio
·  Abzinsung langfristiger Rückstellungen.

Schließlich sind der Anlagenspiegel und der Anhang (dieser kann bei Micros entfallen) neu zu konzipieren.

Obige Vorschriften sind Unternehmensrecht, aber auch steuerlich gibt es natürlich wieder viele Änderungen zu beachten. Völliges Neuland stellt dabei die sogenannte „Innenfinanzierung“ dar. Diese ist aus dem unternehmensrechtlichen Jahresabschluss abzuleiten und ist für die steuerrechtliche Beurteilung, ob eine Gewinnausschüttung steuerlich auch als solche oder als Einlagenrückzahlung (Beteiligungsveräußerung) anzusehen ist, relevant. Dabei kann (muss) u.U. weit in die Vergangenheit zurück geblickt werden. Näheres ist in einer eigenen Verordnung festgelegt.

Aus der Praxis: Montagefahrzeuge und Sachbezug

Laut Lohnsteuerrichtlinien ist kein Sachbezugswert anzusetzen, „wenn es sich um Spezialfahrzeuge handelt, die aufgrund ihrer Ausstattung eine andere private Nutzung praktisch ausschließen (u. a. Montagefahrzeug mit eingebauter Werkbank)“.  Trotzdem kommt es immer wieder zu Diskussionen mit den Prüfern, z. B. wo denn das Fahrtenbuch sei und ob nicht doch ein Sachbezug hinzuzurechnen wäre. 

Unser Tipp (der solche Diskussionen schon erfolgreich beendet hat): Ein Foto des mit Material und Werkzeugen vollgestopften Montagefahrzeugs anfertigen und zu den Lohnunterlagen geben.

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