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Anhaltender Trend zu Glas im Innenbereich

05.06.2012

Glas verdrängt bei der Gestaltung von Innenräumen zusehends klassische Interieur-Materialien wie Holz und Stein. Möglich wurde dieser Trend durch neue Technologien und die Kreativität der Glasveredler bei der Produktentwicklung und -vermarktung.

In der Fassade hat sich Glas längst als das bestimmende Material durchgesetzt. Zu leistungsstarken Funktionsgläsern veredelt, übernimmt der transparente Werkstoff in der Gebäudehülle vielfältige Funktionen. Er bietet Wärme-, Sonnen- und Schallschutz, lenkt gezielt Licht in den Raum und ermöglicht durch seine einzigartige Transparenz eine leichte, offene Architektur.

Zudem punktet Glas auch hier mit seiner nahezu unbegrenzten Gestaltungsvielfalt. Glas kann transparent, transluzent oder blickdicht sein, durch Farbe und individuelle Designs architektonische Akzente setzen und zudem höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen. Kein anderes Fassadenmaterial bietet eine ähnliche Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten.

Gezielt Interesse geweckt. Während die Vorteile von Glas in der Fassade bereits seit Jahrzehnten geschätzt werden, setzte der Glas-Trend bei der Innenraumgestaltung erst in den letzten zehn Jahren ein. Maßgeblich für die außerordentlich positive Entwicklung des Materials im Bereich des Interieurs sind im Wesentlichen zwei Rahmenbedingungen: Zum einen wurden in der jüngsten Vergangenheit eine Reihe neuer Veredelungstechnologien entwickelt, die die Herstellung gänzlich neuer Glasprodukte möglich machen. Zum anderen haben Glasindustrie und mittelständische Glasveredler auf Basis der neuen Techniken zahlreiche kreative Glasideen entwickelt und mit engagierten Marketingmaßnahmen das Interesse auf die innovativen Glasprodukte gelenkt.

Attraktives Geschäftsfeld. Industrielle Glashersteller, mittelständische Veredelungsbetriebe und die handwerklichen Glasverarbeiter engagieren sich in vielfältiger Weise, um Architekten und Bauherren die einzigartigen Möglichkeiten der Innenraumgestaltung mit Glas näherzubringen. Die Schweizer Glas Trösch Gruppe beispielsweise betreibt Interieur-Kompetenzzentren mit exklusiven Showrooms, in denen die gesamte Bandbreite der Innenraumgestaltung mit Glas-Elementen vermittelt wird. Zudem führt die in Ulm ansässige Glas Trösch Beratungs-GmbH regelmäßig Designer-Werktage durch, bei denen innovative Glas-Ideen im Mittelpunkt stehen. Auch der international agierende Glasveredeler Interpane hat eine breite Produktpalette für die Innenraumgestaltung im Programm. Kunden, die das Thema in ihren hauseigenen Ausstellungen präsentieren möchten, stellt das Unternehmen repräsentative Ausstellungsexponate zur Verfügung, die die Anwendungsmöglichkeiten und Effekte der verschiedenen Veredelungstechnologien erlebbar machen.

Auch das Internet wird intensiv genutzt. Stellvertretend für die Aktivitäten vieler anderer Unternehmen sei hier die ClimaplusSecurit-Gruppe genannt, in der sich über 70 mittelständische Verarbeiter von Saint-Gobain Glass-Produkten zusammengeschlossen haben. Die Partnerunternehmen zeigen auf einer eigens eingerichteten Internet-Domain, was Glas kann und präsentieren die gesamte Vielfalt der Glasprodukte für den Innenraum. Forciert wird die positive Entwicklung auch durch die ungezählten glasverarbeitenden Handwerksbetriebe, die im Internet und in ihren hauseigenen Ausstellungen Endkunden auf die Möglichkeiten der Innenraumgestaltung mit Glas aufmerksam machen.

Unterstützt werden die vielfältigen Aktivitäten der Glasbranche von den Zulieferern. Beschlaghersteller, Folienlieferanten und eine Vielzahl weiterer Anbieter von Verarbeitungstechnologien forcieren durch immer neue, speziell für Glasanwendungen im Innenraum entwickelte Produkte und entsprechende Werbemaßnahmen ebenfalls den Trend zum Glas. Diese intensive und breit angelegte Besetzung des Themas trägt längst Früchte. Immer öfter setzen Architekten und Bauherren bei der Gestaltung moderner Innenräume auf Glasprodukte – in Geschäftsgebäuden wie im Privat-bereich.

Erfolgsbaustein innovative Techno-logie. Ohne die von den Glasmaschinenbauern entwickelten neuen Produktionstechnologien hätte Glas wohl kaum seinen heutigen Stellenwert in der Innenarchitektur erreicht. Insbesondere der Digitaldruck hat den Glasveredelern völlig neue Möglichkeiten der Glasgestaltung eröffnet. Das Druckverfahren ermöglicht nahezu grenzenlose Glasdesigns: Von der einfachen grafischen Struktur bis zur großformatigen, vollflächigen Bilddarstellung in höchster Qualität ist alles möglich. Dabei reicht eine digitale Vorlage aus, um ein gewünschtes Motiv schnell und unkompliziert auf die Glasfläche zu drucken. Mehr Individualität ist kaum möglich.

Auch neue Laminierungstechnologien haben zu der Erfolgsstory beigetragen. Von hauchdünnen Einlagen aus edlem Stein über Holzfurniere, Stoff- und Metallgewebe bis hin zu organischen Zwischenlagen reicht hier die Bandbreite der Materialien, die zwischen zwei Glasscheiben eingeschlossen werden können. Auch bei dieser Technologie wird der Digitaldruck eingesetzt. PVB-Folien lassen sich wie Glas mit individuellen Motiven bedrucken und anschließend einlaminieren. Die Verbundglas-Technologie eignet sich besonders für die Herstellung von Glasprodukten, bei denen individuelles Design und erhöhte Sicherheitsanforderungen in Einklang gebracht werden müssen. Das Glaslaminat schützt die Zwischenlagen dauerhaft und gewährleistet neben der brillanten Optik auch die notwendige Bruchsicherheit. Auch bei Mehrfachlaminaten, beispielsweise für Fußböden oder Treppenstufen, sind individuelle Designs realisierbar. Im Trend liegen hier derzeit neben farblichen Akzenten insbesondere Lichteffekte, die durch den Einsatz von LED-Leuchtmitteln erzeugt werden.

Hochinteressant für die Hersteller von individuellen Design-Verbundgläsern sind neue Laminierverfahren, bei denen für den Laminierprozess kein Autoklav mehr notwendig ist. Die kompakten Anlagen sind relativ kostengünstig und eröffnen auch handwerklichen Glasverarbeitern beste Chancen, im lukrativen Designglas-Markt aktiv zu werden. Gerade auf den Sprung in die industrielle Flachglasveredelung ist die Lasertechnik. Sie ermöglicht nicht nur die individuelle Oberflächenbearbeitung von Glas, sondern auch das Einbringen von dreidimensionalen Innen­gravuren.

Die Glasoberflächen bleiben dabei völlig unversehrt. Neben den in der Glasveredlung noch recht jungen Technologien bieten auch die klassischen Veredelungsverfahren wie Siebdruck, Sandstrahlen und Ätzung nach wie vor vielfältige Möglichkeiten, um aus einfachem Flachglas anspruchsvolle Designgläser herzustellen.

Nichts scheint unmöglich. Die Summe der zur Verfügung stehenden Technologien bildet die Basis für die große Gestaltungsvielfalt. Für jeden auch noch so ausgefallenen Kundenwunsch gibt es das passende Glasprodukt, exakt nach den individuellen Vorgaben und auf Maß gefertigt. Der Kreativität von Designern, Architekten und Bauherrn sind bei der Gestaltung von Glasprodukten nahezu keine Grenzen gesetzt. Gleiches gilt hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten.

Decken, Fußböden, Raumteiler, Türen, Wandverkleidungen, Treppen, Brüstungen und Möbel aus Glas lassen sich individuell auf Raumkonzepte abstimmen. Auch in Bad und Küche sind die Einsatzmöglichkeiten von Glasprodukten weitreichend. Duschkabinen, Waschtische und -becken sowie Heizungen aus veredeltem Glas stehen hier ebenso für hochwertiges Ambiente wie gläserne Schranktüren, Küchenspiegel, -arbeitsplatten oder ganze Küchenfronten. Ideal für den Einsatz in Konferenzräumen eignen sich elektrisch schaltbare Verbundgläser mit integriertem Kristallfilm. Auf Knopfdruck verändert sich das transparente Glas zu einem transluzenten, blickdichten Sichtschutz.

Auch bei erhöhten Anforderungen an die Sicherheit muss nicht auf Glaslösungen verzichtet werden. Als Einscheibensicherheitsglas (ESG) oder Verbundsicherheitsglas (VSG) ausgeführt, bietet der Werkstoff eine hohe mechanische und thermische Belastbarkeit.

In allen Einsatzbereichen überzeugen die veredelten Glasprodukte nicht nur durch ihre ansprechende Optik, sondern auch durch ihre hohe Funktionalität. Nicht zuletzt ist die leichte Pflege ist ein weiterer Grund dafür, dass Glas bei der Innenraumgestaltung immer häufiger den Vorzug vor alternativen Materialien erhält.

Autor/in:
Redaktion Glas
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