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Der fliegende Teppich

01.07.2013

Das Louvre Museum in Paris hat mit einem spektakulären Anbauneuen Raum für die Präsentation islamischer Kunst geschaffen. Elegant und scheinbar schwebend überdacht die Konstruktion aus Glas und Metall den Cour Visconti genannten Innenhof des Louvre.

Der Pariser Louvre ist eines der größten und bekanntesten Museen der Welt. Untergebracht im historischen Stadtschloss am nördlichen Ufer der Seine beherbergt es auf rund 60.000 Quadratmetern Kunst-werke aus aller Welt – darunter auch die berühmte „Mona Lisa" von Leonardo da Vinci. Doch nicht nur die Gemälde und Kunstwerke, die hier zu sehen sind, locken jährlich Millionen von Besuchern an. Auch die modernen Er-weiterungsbauten des Museums sind eigene Attraktionen. 1989 sorgte eine Pyramide aus Glas, die im zentralen Innenhof des Gebäudes errichtet wurde, für erregte Diskussionen. Heute gilt die als Haupteingang zum Museum genutzte Pyramide als eines der Wahrzeichen der Stadt.

 

Zu ähnlicher Bekanntheit könnte auch der zweite moderne Anbau des Louvre gelangen. Entworfen wurde die Glas-Metall-Konstruktion von Architekt Rudy Ricciotti aus Marseille und dem Designer Mario Bellini aus Mailand. Einerseits ging es um die neue Präsentation der Abteilung für islamische Kunst – ein Vorhaben nicht nur aus künstlerischen Motiven, sondern auch mit politischen Ambitionen. Denn der Anstoß für den Neubau kam 2003 vom damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac, der die „leuchtende Seite des Islam" in die Öffentlichkeit bringen wollte. Zum anderen standen die Architekten vor der schwierigen Aufgabe, die neue, moderne Architektur in eine harmonische Beziehung mit dem denkmalgeschützten Altbau zu bringen.

Schwebendes Glasdach

Dem Team Ricciotti/Bellini ist beides meisterhaft gelungen. Wie ein fliegender Teppich aus Glas und Metall überspannt die sanft gewellte Konstruktion fast den gesamten Innenhof, hält aber einen Abstand von zweieinhalb bis vier Metern zum umgebenden Altbau. Das Glasdach ist beidseitig von einem Metallgeflecht aus Bronzedraht umgeben und „schwebt" in einer Höhe von sechs bis acht Metern über den Ausstellungsräumen. Der goldene Farbton des Teppichs harmoniert dabei mit den beigen Farbtönen der Sandsteinfassaden des Louvre.

Getragen wird die rund 1.700 Quadratmeter große Überdachung aus Glas von einer 1.200 Tonnen schweren Stahlkonstruktion. Ca. 8.000 Stahlrohre wurden wabenartig zusammengeschweißt. Sie bilden den Rahmen für die rund 2.000 Isolierglasscheiben, die von der Flachglaswerk Radeburg GmbH (D) alle einzeln angefertigt wurden. Dies war notwendig, weil alle Scheiben unterschiedlich groß sind: zwei Drittel der Scheiben wurden dreieckig mit Durchschnittsmaßen von ca. 120 x 120 x 170 Zentimetern ausgeführt, zu einem Drittel wurden wirtschaftlichere Viereckscheiben mit einer durchschnittlichen Kantenlänge von ca. 120 Zentimetern eingefügt. Als Glas wurde teilvorgespanntes Sonnen-schutzisolierglas mit „Sunex"-Beschichtung und CEKAL-Kennzeichnung in der Ausführung als Verbund-Sicherheitsglas aus dem Hause Saint-Gobain verbaut. Der Abstandhalter im Scheibenzwischenraum ist aus farbigem Edelstahl, als Randverbund wurde graue Butylschnur gewählt.

 

Eingerahmt wird das Glasdach durch ein doppeltes Netz aus Bronzedraht. Von außen wirkt die Überdachung blickdicht, von innen jedoch können die Besucher durch die filigrane Netzstruktur hindurch schauen. Sogar aus der zweiten Ebene im Souterrain, die in einen geheimnisvollen Halbschatten getaucht ist, erlauben Öffnungen im Zwischenboden den Blick hinauf in den goldenen Himmel.

 

Die Netze dienen nicht nur als zusätzlicher Sonnenschutz für die Ausstellungsräume, in denen auch sehr licht-empfindliche kostbare Teppiche präsentiert werden. Durch den „Schleier" aus Bronze wird diffuses goldenes Licht erzeugt, das die Vision von Jacques Chirac, die „leuchtende Seite des Islam" zu zeigen, auf ebenso praktische wie poetische Art umsetzt.

Autor/in:
Redaktion Glas
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