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„Der Trend geht in Richtung Industrie 4.0”

30.06.2015

Welche Trends gibt es am internationalen Maschinensektor? Wohin führt die fortschreitende Automatisierung? Was passiert am österreichischen Markt? Wie weit ist die Dünnglas-technologie? Fragen, die kaum jemand besser beantworten könnte als Othmar Sailer, Geschäftsführer der Lisec Gruppe.

Mag. Othmar Sailer ist seit 2012 Geschäftsführer der Lisec Gruppe.

Herr Sailer, Sie sind seit Herbst 2012 CEO der Lisec Gruppe. Ende letzten Jahres haben Sie das neue Lisec-Führungsquartett präsentiert. Welche sind die vorrangigsten Ziele des Managements?
Mag Othmar Sailer: Unsere vorrangigen Ziele sind Wachstum und Technologieführerschaft. Wir haben eine ehrgeizige Wachstumsstrategie, „Lisec 2020“, vereinbart, die unter anderem eine wesentliche Ausweitung des Umsatzes bis 2020 vorsieht. Und dieses Ziel werden wir erreichen, indem wir das beste Produktportfolio in der Branche anbieten. Sogenannte „Global Competence Teams“, das sind interdisziplinär zusammengestellte Teams, erarbeiten seit Jänner Strategien für die jeweiligen Produktbereiche oder Marktsegmente.

Was ich dabei schon verraten kann, ist, dass wir sowohl organisch als auch anorganisch wachsen werden und aus heutiger Sicht eine Verdoppelung des Umsatzes durchaus
realistisch ist. Diese Wachstumsstrategie setzt auch voraus, dass wir die richtigen Leute an Bord haben. Momentan suchen wir etwa 40 Mitarbeiter – und
wir wollen nur die besten Köpfe. Gute Leute zu finden und zu binden ist eine echte Herausforderung!

Gab es 2014 wichtige Deals? Was erwarten Sie vom aktuellen Geschäftsjahr?
Mit dem Geschäftsjahr 2014 bin ich sehr zufrieden, denn wir haben profitabel gewirtschaftet. Die Messe glasstec in Düsseldorf hat wirklich viel Geschäft generiert, die dort präsentierten Lösungen und Produkte haben voll eingeschlagen. Wir konnten uns über viele Großaufträge freuen – unter anderem über einen mit Pressglas in Polen.

Auch 2015 wird ein gutes Jahr, die Produktion ist ausgelastet und die Bücher Q1 und Q2 2016 beginnen sich zu füllen. Lisec gehört zu den Weltmarktführern. Sie selbst waren auch Referent auf dem von uns veranstalteten ersten Kongress der Weltmarktführer aus Österreich im letzten Herbst. Wie sehen Sie die Positionierung von Lisec am internationalen Glas-Markt?
Unsere Mission und unsere Positionierung stecken im neuen Claim: „Lisec: best in glass processing“. Was wir in der glasverarbeitenden Industrie machen und anbieten, ist das Beste, was man in der Branche finden kann. Lisec taktet und gibt in der Industrie vor – dabei ist unsere Positionierung einzigartig: Wir sind der einzige Anlagenbauer der auch Software entwickelt und anbietet, selber wirtschaftlich Glas verarbeitet, das größte Servicenetzwerk in der Branche hat und bereits seit über 50 Jahre am Markt ist.

Letztes Jahr informierte Lisec, kräftig in die Erweiterung seines Kompetenzzentrums in Hausmening investieren zu wollen. Wie weit sind diese Maßnahmen fortgeschritten und was gibt es Neues am Standort?
Der Umzug der Teams und Anlagen ist vollzogen, sämtliche neue Anlagen sind installiert und Anfang Mai wurde die Produktion aufgenommen. Das „Glass Forum”, so haben wir das Kompetenzzentrum getauft, beherbergt die neueste Lisec-Technologie für jeden Schritt in der Glasverarbeitung, vom Glaszuschnitt über Isolierglasfertigung bis Vorspannen, und es ist zu einer richtigen Vorzeigeproduktion geworden. Die offizielle Eröffnung findet im Herbst statt. Neu sind die TPA, eine Anlage zum Applizieren thermoplastischer Abstandhalter, die „CleanSeal“, unsere neue Versiegelungsanlage die äußerst präzise dosiert, auch im Eckbereich, wodurch nachträgliches „Abtupfen” entfällt, und die innerbetriebliche Logistik.

Das sind große Investitionen. Welche Bedeutung hat der Standort Österreich für die Lisec Gruppe?
Hierauf kann ich eine eindeutige Antwort geben: Die Zentrale und die Hauptproduktion sind und bleiben in Österreich, wo die Hälfte der ca. 1.400 Mitarbeiter von Lisec beschäftigt ist. Unsere weltweiten Kunden legen Wert auf das Gütesiegel „Made in Austria“ – und darauf sind wir stolz. Lisec investiert kräftig an beiden Standorten – heuer ca. 3 Millionen Euro in Hausmening, in Seitenstetten werden wir die nächsten drei Jahre über 16 Millionen Euro investieren, unter anderem in ein neues Service-Gebäude und State of the Art-Infrastruktur für die Service-Abteilung sowie in neue Anlagen für die mechanische Bearbeitung.

Die eigene Flachglasverarbeitung ist ein integraler Bestandteil des Lisec-Geschäftsmodells. Erläutern Sie uns die Bedeutung dieses Bereichs für das Unternehmen und für Ihre Kunden?
Wir verarbeiten selber wirtschaftlich Glas – das heißt unter realen Markt- und Produktionsbedingungen. Die Glasverarbeitung wird als eigenes Unternehmen geführt. Einerseits verstehen wir so die Herausforderungen unserer Kunden (wir verstehen ihre Probleme, weil wir diese selbst haben), andererseits bietet uns diese Glasverarbeitung die Möglichkeit, Konzepte zu entwickeln und neue Ansätze auszuprobieren, wovon auch unsere Kunden profitieren. Das ist was wir unser Betreiber-Know-how nennen. In unserer Glasverarbeitung schulen wir sowohl eigene Mitar-beiter als auch Kunden.

Lisec steht für Innovationen – Sie investieren rund sieben Prozent des Umsatzes in Neu- und Weiterentwicklungen. In welchen Bereichen liegt derzeit der Fokus?
Wie vorher erwähnt streben wir danach, insgesamt das beste Produktportfolio in der Branche anzubieten – best in glass processing eben. Momentan fokussieren wir auf Logistiklösungen, und damit meine ich das Handling von Glasscheiben innerhalb der Produktion zwischen Anlagen und Stationen, und auf das Thema Vorspannen, einen Bereich mit einem sehr großen Potenzial.

Bleiben wir bei den Maschinentrends. Automatisierung ist und bleibt ein wichtiges Thema. Wohin führt sie und was bedeutet sie für den Glasverarbeiter?
Der Trend geht eindeutig in Richtung Industrie 4.0 und intelligente Systeme. Glasverarbeiter werden mit einem enormen Kostendruck konfrontiert. Unsere Software-Tools helfen dabei, Kapazität hochwirtschaftlich zu planen und Prozesse und Abläufe transparent zu machen: Leistungsdaten von Linien und einzelnen Anlagen werden gesammelt und zentral verwertet, mit dem Ziel, Optimierungspotenzial zu erheben. Denn bei den Glasverarbeitern ist jede Anlage von vitaler Bedeutung und es kann sich keiner Stillstände leisten.

Lisec hat in der Entwicklung von vorgespannten Dünngläsern wichtige Impulse gesetzt. Welche Bedeutung haben Dünngläser für Isolierglashersteller und den Glasmarkt, und wohin geht der Trend?
Dünnglas gewinnt eindeutig an Bedeutung: Dreifach-Isolierglas ist nahezu Standard, Vierfach-Isolierglas wird von immer mehr Herstellern angeboten – dabei kommen die Gewichtsvorteile von Dünnglas zum Tragen, die von großer Bedeutung für die Montage und die Lebensdauer der Beschläge sind. Wir beobachten die Entwicklung von Dünnglas sehr genau und treiben diese gezielt voran – nicht nur im Fensterbau, auch im Bereich Transport und beim sogenannten smart glass, zum Beispiel Displays für Bildschirme und Hand-Held-Devices, da wir hier gute Möglichkeiten sehen, Unternehmen mit unserer Vorspanntechnologie (Härten) zu unterstützen.


Von den Besten lernen
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Autor/in:
Birgit Tegtbauer
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