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DIE GLASER UND DAS FAHRRAD

20.04.2017

Ein eher lustig anmutendes Foto, von der Wiener Glaserei Sadovzky auf Facebook gepostet, zeigt die heutige Not der Kleinlieferungen im städtischen Bereich. Bei der herrschenden Parkplatzsituation scheint ja der hinter das Fahrrad dazugestrichelte Anhänger eine wirklich brauchbare Idee zu sein. Aber hoppla – sowas gab es doch schon! Elfriede Zahlner hat nachgeschlagen und fand eine ebensolche Skizze in einer Glaserzeitung, die bereits 68 Jahre alt ist. Und so kommt doch alles immer irgendwie wieder.

Fahrradanhänger für den Glastransport aus dem Jahr 1949.

Die Not der Kleinlieferungen hatte dazumal aber ganz andere Ursachen. In der folgenden Ausgabe einer Glaserzeitung ist eine weitere Skizze zu finden, unter dem Titel „Wir bauen uns einen Glastransportwagen“. Gustl Schieb meinte dazu, dass der gute alte Handwagen nicht mehr befriedigt. Zuwenig Glas kann aufgeladen werden, der liegende Transport führt leicht zu Brüchen. Glaskisten lassen sich darauf gar nicht transportieren. Damals arbeitete man sehr häufig aus der Kiste, direkt auf der Baustelle. Also zeichnete er einen Wagen wie heute mit seitlichem Reff. Er sollte zum händischen Ziehen als auch zum Anhängen an ein Motorrad und auch Auto geeignet sein. Weshalb er sich diesen Glaswagen ausgedacht hatte, begründete er folgendermaßen: „Ein Kollege hat ein Auto, der andere ein Motorrad und viele träumen von dem einen oder anderen und haben solche noch nicht.“

Praktischer Fahrradanhänger.

Der Fahrradanhänger war für Glaser, besonders in der Provinz, gedacht. Der Transport kleiner Mengen sei auf der Kraxe sehr einfach, meinte Gustl Schieb. Für größere Mengen zeichnete er einen Anhänger, der sich bisher in Stadt und Land bestens bewährt habe. Darauf sollte man sich eine normale 160er-Kiste fest aufbauen. Sinnvollerweise wies er noch darauf hin, dass die Fahrradübersetzung durch den Austausch eines Zahnkranzes geändert werden soll, damit nicht unnütz Kraft beim Treten vergeudet wird.

Persönliche Erinnerungen.

Ganz fürchterliche persönliche Erinnerungen wurden da wach. So stolz war ich auf mein Fahrrad, das ich zum 13. Geburtstag bekam (Bild rechts). Ohne Gangschaltung natürlich. Man beachte den Schutz über dem Hinterrad, damit sich die Kleiderröcke nicht zwischen den Speichen verfangen – und die Wilhelminenstraße ohne parkende Autos. 1960 war der Beginn meiner Glaserlehre. Als Neuling kann man halt noch nichts anderes als Radfahren. Also musste ich allerlei transportieren, eine Hand am Lenker, das Allerlei unter dem anderen Arm. Keine dritte Hand mehr, um den Zipfel des Arbeitsmantels vor dem Hochheben im Wind zu schützen. Jeanshose wurde mir verboten. Man bedenke, die Anfänge Elvis Presleys, Jeans und Petticoat – alles zu aufreizend. Die Lösung wäre die alte Kraxe, dachte ich. Als ich aber laufend angestarrt wurde und ich mich verlacht fühlte, begann der pubertäre Widerstand. Die Stiefmutter gab nach, ich „durfte“ ein Schlossergexxxxxx« wand anziehen. Niemand kann sich vorstellen wie ich mich geniert habe. Die Hose viel zu kurz, bei diesen dünnen, langen Beinen. Damals war es üblich, jungen Mädchen laut nachzupfeifen. Viele Männer arbeiteten auf den Gerüsten bei den zunehmenden Fassadenrenovierungen und bescherten mir stets hochrot angelaufene Wangen. Ein Horror, ein Spießrutenlauf. Die Lösung fand ich zum Glück selbst. Schneiderkurs in der Volkshochschule, hinter die Nähmaschine und nur mehr maßgeschneiderte Arbeitsgewänder. Und so machte ich mich dann jeden Freitag auf Tour, mit den Fixpunkten Firma Mitter in der Gebrüder-Lang-Gasse (gibt es heute noch) – Bilderrahmen abholen, über die Schulter gehängt, Firma Maly in der Gumpendorfer Straße – Diamanten zum Umfassen holen oder bringen, Firma Mayer-Resl in der Laudongasse – Spiegel vom Frischbelegen abholen (unter dem Arm). Das waren einige Kilometer und der Wiener Gürtel war damals schon stark befahren. Wie hat man doch den Führerschein herbeigesehnt!

Zukunft Lastenrad?

Heute sieht man im Straßenverkehr immer häufiger Lastenfahrräder. Das ehrgeizige Ziel der Wiener Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin von den Grünen ist, die Wiener Luft zu verbessern. Trotz Parkpickerlabgabe denkt sie an eine City-Maut. Lastenräder sollen im Gütertransport mehr als 20 Prozent LKW-Fahrten ersetzen, daher plant die Stadt großzügige Förderungen.

Große Vorteile produzieren aber meist neue Probleme, auch hier. Die herkömmlichen Radständer sind nicht zum Abstellen geeignet, die Radwege meist nicht breit genug, daher eine mögliche Behinderung des fließenden Verkehrs, meint die Opposition. Die Idee des Lastenrades könnte bestimmt auch für manche Glasereien von Nutzen sein. Vor der Benutzung im Straßenverkehr ist es jedoch empfehlenswert, sich bei den Autofahrerclubs über die Rechtslage zu informieren.

Autor/in:
Elfriede Zahlner
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