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Dresdner Keil

01.05.2012

Im Herbst 2011 wurde das nach einem Entwurf des Architekten Daniel Libeskind umgebaute und völlig neu gestaltete Militärhistorische Museum der Bundeswehr im deutschen Dresden eröffnet. Auf­fälligstes Merkmal ist die gläserne Spitze, die den Altbau zerteilt.

Bereits seit der Eröffnung erfreut sich das neue architektonische Highlight Dresdens großen Zuspruchs. Es sind zum einen sicher die heikel-populären Themen Krieg und Militär, die die Menschen locken – aber vor allem dürfte es die spektakuläre Architektur Daniel Libeskinds sein, dessen keilförmiger, asymmetrischer Neubau den massiven, klassisch gegliederten Altbau des Ensembles durchdringt. Eine transparente Fassade aus Metalllamellen überlagert dabei den historischen Baukörper. Der so genannte Keil stellt einen Einschnitt, eine Störung in das Gebäude dar und verändert nicht nur die äußere Gestalt, sondern auch das innere Raumgefüge grundlegend. Seine Räume folgen ihrer Funktion und stehen in klarem Kontrast zu dem starren, horizontal ausgerichteten Säulenraster des Altbaus. Immer wieder durchbricht der Neubau den Altbau und eröffnet dem Besucher durch seine gläserne, transparente Struktur auf allen Ebenen überraschende, räumliche Verschränkungen und Ausblicke.

So eröffnet der Neubau, dreißig Meter hoch und damit acht Meter mehr als die säulenverzierte Triumphbogenfront des Mittelflügels, aus der Spitze des Keils einen spektakulären und neuen Blick auf Dresden. Auch hier liegt Symbolik im Entwurf. Die Spitze des Keils verweist auf die Stelle an der in der Nacht vom 13. Februar 1945 die ersten Bomben der Alliierten Luftangriffe einschlugen. Der Besucher wird auf die schwierige Geschichte der Stadt verwiesen und sieht gleichzeitig mit neuer Perspektive auf ein sich stetig entwickelndes Dresden.

Für den Aufbau der gläsernen Spitze fertigte der ClimaplusSecurit-Partner Thiele Glas Werk GmbH Wermsdorf (D) rund 250 Quadratmeter Isolier-, Sonnenschutz- und Sicherheitsgläser, zum Großteil als Modellscheiben. Jede Scheibe hat unterschiedliche Maße, die größte weist Abmessungen von 4.445 x 1.134 Millimeter auf. Für die Fenster im bestehenden Altbau produzierte die Flachglaswerk Radeburg GmbH rund 790 Quadratmeter extra klares Glas „SGG Cool-Lite SKN 074” mit Alarmspinne und Sonnenschutzbeschichtung. Die Brandschutzanforderungen an einen Teil der historischen Fenster wurden mit Brandschutzisolierglas der Vetrotech Saint-Gobain erfüllt. Für dieses wurden die gleichen Sonnenschutzschichten und Basisgläser verwendet wie für die restlichen Gläser, so dass es keine optischen Unterschiede gibt.

Mit insgesamt 20.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist das MHM das größte Museum in Deutschland. Die Ausstellung agiert dabei äußerst geschickt mit unterschiedlichen Arten von Räumen. Die Farbgebung und die Gestaltung der Vitrinen unterscheidet sich in den historischen Hallen grundlegend von der im Neubau – dennoch zieht sich eine ähnliche Atmosphäre durch die gesamte Ausstellung. Inhaltlich gelingt der Spagat, das brisante Thema Krieg abzubilden und nirgendwo zu verniedlichen oder allzu sehr zu abstrahieren – und sich doch gleichzeitig von der aufdringlichen Symbolik der Architektur abzusetzen.

Autor/in:
Redaktion Glas
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