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Glas öffnet Blick auf Akropolis

03.09.2009

Als ein kulturpolitisches Jahrhundertereignis bezeichnet „Die Welt” die Eröffnung des New Acropolis Museum in Athen. Den ständigen visuellen Dialog mit dem antiken Parthenon löste Architeckt Bernard Tschumi mit seinem minimalistischen Ansatz durch Reduktion der verwendeten Materialien. Neben Marmor und Beton dominiert Glas mit mehr als 80 Prozent aller sichtbaren Innen- und Außenflächen des Gebäudes.

Das am 20. Juni 2009 eröffnete New Acropolis Museum in Athen zählt zweifellos zu einen der spektakulärsten Museumsbauten unserer Tage. Neben der Präsentation der Kunstschätze stand die Erhaltung der antiken Ausgrabungen in Makryianni und der Bezug zur antiken Akropolis im Brennpunkt der Herausforderungen an die Architekten.

Der im Frühjahr 2001 neuerlich ausgeschriebene Architekturwettbewerb wurde zugunsten des Entwurfs von Bernard Tschumi Architects, New York/Paris entschieden. Damit stand der seit 1974 geäußerten Vorstellungen des damaligen Premierministers, mit einem neuen Museum dem Parthenon Fries eine neue Heimat zu errichten, nichts mehr im Wege.

Den ständigen visuellen Dialog mit dem antiken Parthenon löste Bernard Tschumi mit seinem minimalistischen Ansatz durch Reduktion der verwendeten Materialien. Neben Marmor und Beton dominiert Glas mit mehr als 80 Prozent aller sichtbaren Innen- und Außenflächen des Gebäudes. Die Integration von 2.200 Quadratmeter archäologischer Ausgrabungsfläche in den Museumsbereich wurde ebenso mutig gelöst wie die Einbeziehung des natürlichen Lichts und der Ausblick auf die Akropolis. Dem Besucher öffnet sich gleichermaßen der Blick auf die Exponate sowie auf die Akropolis selbst.

Glas – wesentlicher Bestandteil des Designkonzepts. Die Sicherstellung höchster Qualität der Bauausführung war daher für das Generalunternehmen Aktor S.A. oberste Maxime bei der Erfüllung dieser komplexen Aufgabe. Aufgrund der hohen Anforderungen an die Glaskonstruktion beauftragte Aktor nach Sichtung des Weltmarkts Eckelt als Subunternehmen für die Konstruktion, Lieferung und Montage der Glasfassaden und Glaskonstruktionen.
Um sowohl die Transparenz als auch die leuchtenden und reflektierenden Eigenschaften des Glases zur Geltung zu bringen, wurde auf Pfosten und Riegel in der Fassade verzichtet, sondern mit Glas selbsttragend ausgeführt. Neben den Wind- und Sogbelastungen widerstehen die Glassysteme auch möglichen Erdbeben bis zu einer Stärke von 6,5 auf der Richter-Skala. Um den glastypischen grünlichen Farbeindruck zu vermeiden und Verfälschungen des natürlichen Tageslichtes zu minimieren, kam mit „Diamant” ein extraweißes Floatglas zum Einsatz.

Die Parthenon-Fassade. Glanzvoller Höhepunkt ist die Parthenon-Galerie. Im rundum verglasten Baukörper, in Größe und Ausrichtung genau dem historischen Vorbild nachempfunden, gibt dieser den beeindruckenden Blick auf die antike Akropolis frei, die sich über dem Museum erhebt. Erschlossen wird der Bereich über begehbare, großformatige gläserne Bodenplatten aus „Lite-Floor”, die Einblicke in schwindelerregender Tiefe liegenden Strukturen des alten Athens freilegen.

Die Parthenon-Fassade wurde als abgehängte, zweischaligen Glaskonstruktion ausgeführt. Die äußere „Vario” Glaswand besteht aus Sonnenschutzisolierglas, die zweite innere Glashülle aus „Stadip” Verbundsicherheitglas. Diese wird im Abstand von 70 Zentimeter durch Glasstabilisatoren distanziert und endet ca. 2,25 Meter über dem Fußboden.
Durch diese Konstruktion entsteht eine Kaminwirkung – kühle Luft strömt an der Unterkante der offenen Innenfassade ein und steigt durch die Sonnenerwärmung an der Außenverglasung nach oben. Im Deckenbereich wird die erwärmte Luft mechanisch abgeführt.

Durch die Verwendung von „Solar Control” Gläsern, einer zusätzlichen „Stadip Color” Farbfolie und einer „Litex” Bedruckung in sechs unterschiedlichen Designs erreicht das „Vario” Isolierglas einen Sonnenschutzeffekt, der selbst bei Außentemperaturen von über 40 Grad Celsius die Raumtemperatur an der Innenfassade mit ca. 23 Grad Celsius begrenzt. Sonnensegel im Fassadenzwischenraum beschatten die exponierten Fassadenbereiche.

Die Level-Fassade weist ein völliges anderes Konzept zur Vermeidung sommerlicher Überhitzung auf: Die vorspringenden Geschoßdecken der oberhalb angeordneten Etagen beschatten die Fassade bei einem hohen Sonneneinstrahlungswinkel. Bei tief stehender Sonne sorgen die nach außen angeordneten Glasstabilisatoren aus „Seralit Litex-H” (in Sonderfarben) für die erforderliche Abschattung.

Böden, Geländer, Treppen und Vitrinen aus Glas.
Im gesamten Museumsbereich, insbesondere aber über den archäologischen Ausgrabungsstätten in den unteren Etagen, schaffen begehbare Glasböden aus „Lite-Floor” großzügige Transparenz, die ein unmittelbares Erleben der Ausgrabungen ermöglicht.
Auch kleinere Sichtfenster mit Blick in Exponatbereiche vermitteln sichere und interessante Eindrücke. Die kostbaren Exponate in den Vitrinen kommen hinter entspiegeltem Sicherheitsglas in allen Details voll zur Geltung. Um den transparenten Charakter auch in den Ausstellungsräumen beizubehalten, wurden im Fußboden eingespannte Nurglas-Brüstungen montiert.

Insgesamt besteht das Gebäude aus drei Hauptgeschossen und zwei Zwischengeschossen mit 14.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, darunter die 39 mal 84 Meter große Parthenon Galerie. Mehr als 11.000 Quadratmeter Glasfläche wurden verbaut.

Mit einem Auftragswert von rund 8 Millionen Euro ist das Neue Akropolis Museum das bisher größte und aufsehenerregendste Projekt der Firmengeschichte von Eckelt Glas.

Autor/in:
Redaktion Glas
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