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 © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer © Martin Croce, Tina King, Heidi Pein, Michael Wegerer

Glasforschungsprojekt: Alte und neue Drucktechniken

11.08.2020

„Bei dem Vorhaben eine neue Werkstätte für Siebdruck in Wien zu eröffnen, habe ich nicht damit gerechnet, ein Projekt in dieser Größenordnung zu realisieren“, sagt Michael Wegerer zur Unternehmensgründung und zu seinem kürzlich abgeschlossenen Glasforschungsprojekt „Quint Print: Glas“. Bei einem Besuch in seinem Werkstatt-Atelier gewährt er Einblicke in die Welt der Farben, die bunte Schatten werfen, und alte und neue Drucktechniken. 

„Das Wesen eines Kunstschaffenden ist es, durch Ideen und das Erschaffen von Werken gedankliche Grenzen zu durchbrechen und neue Perspektiven zu eröffnen. Nicht mehr zeitgemäße Produktionsverfahren und das Fehlen von adäquaten Ersatzverfahren sind Hürden, insbesondere die geringe Anzahl an innovativen Werkstätten und technischem Know-how“, erklärt Michael Wegerer. Und ergänzt: „Das Handwerk, das mangels Effizienz von der Industrie ausgemustert wurde, wird für Kreativschaffende aus vielen Bereichen heute immer wichtiger, um eigene, zugeschnittene Lösungen zu finden und innovative Wege zu begehen“. Und er geht neue Wege.

Ausgezeichnetes Glasforschungsprojekt

Mit seinem kürzlich abgeschlossenen Projekt „Quint Print: Glas“ – von der Wirtschaftsagentur Wien gefördert und 2019 ausgezeichnet – zeigt Michael Wegerer innovative Methoden zur Herstellung von farbig bedruckten Gläsern für Architektur, Kunst und Design auf. Die Ergebnisse hat er auch in der im letzten Oktober erschienenen Publikation zusammengefasst, die einen Einblick in die verschiedenen Qualitäten und Einsatzmöglichkeiten von bedruckten Gläsern gibt. Bei deren Herstellung greift Michael Wegerer einerseits auf traditionelles Wissen wie Siebdruck, Hinterglasmalerei, Oberflächenbehandlung von Flachglas zurück. Und er lässt neue Techniken wie keramischen Digitaldruck, blei- und lithiumfreie Farben und Powder Print und die Weiterentwicklung von nachhaltigen, umweltfreundlichen sowie wasserbasierenden und ungiftigen Druckverfahren einfließen. Michael Wegerers Projekt – und sein Know-how – wurde durch viel zusammengetragenes Wissen und die Vernetzung unterschiedlicher Werkstätten in Kooperation mit forschenden Institutionen und der Industrie ergänzt.

WerkstattAtelier Quint Screen Print

Michael Wegerers neuer Schaffensraum ist sein WerkstattAtelier Quint Screen Print in Wien 23. „WerkstattAtelier“, weil Siebdruckwerkstatt und künstlerisches Atelier in einem Objekt. Hier werden von einem kleinen Team rund um den Künstler projektbezogene Auftragsarbeiten für Unternehmen der Kreativindustrie, Design- und Architekturbüros, Galerien und öffentliche Einrichtungen wie Fachschulen, Universitäten oder Museen, aber auch für Glaserbetriebe, gefertigt. Die Dienstleistungen beinhalten den gesamten Arbeitsprozess – Beratung, Konzeption und Umsetzung – sowie die technische und künstlerische Unterstützung. Etwaige technische Planung und Montage der Gläser übernimmt natürlich der Glasfachbetrieb.
Quint Screen Print bietet Dienstleistungen in drei Bereichen: Siebdruck auf Papier, Siebdruck auf Glas und Keramik sowie Siebdruck für experimentelle Projekte (Forschung/Innovation). Die Druckwerkstatt ist für wasserbasierten Siebdruck ausgerüstet und arbeitet mit unterschiedlichen Farbsystemen, die eine Vielzahl an Oberflächenqualitäten erzeugen, selbstverständlich unter Einhaltung der Umweltstandards.
 

 

Interview

Zusammenspiel von Design, Kunst und Technik

Sie sind Kunstschaffender und Handwerker. Eine gute Kombination. Wie kam es dazu?

Michael Wegerer: Für mich gehören beide Tätigkeiten zusammen, das hat mit meiner Ausbildung zu tun. Das Druckgrafikstudium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien hat den Schwerpunkt auf eine künstlerische Herangehensweise gelegt. Danach habe ich in London Fine Art Printmaking studiert. Dieses Zusammenspiel von Kunst, Design und Technik war für mich immer inspirierend. Ich bin Kunstschaffender auf der einen Seite, arbeite aber auch für Galerien, mache Restaurationen, fertige spezielle Drucke – auch mit selbstentwickelten Designs. Ich arbeite auch viel mit Glasereien zusammen, entweder als Auftraggeber oder als Dienstleister.

In Ihrem eineinhalbjährigen Forschungsprojekt haben Sie sich intensiv mit Drucktechniken auf Glas beschäftigt. Wie kam es dazu und was ist Ihr persönliches Resümee?

Das Glasforschungsprojekt hat sich langsam aus Kleinprojekten entwickelt, aus der Restaurierung alter Fenster. Daraus sind größere Projekte entstanden, wie die Restaurierung der Glasfenster in der Georgskirche in Wien. Gemeinsam mit der Wirtschaftsagentur Wien habe ich dann das Forschungsprojekt entwickelt, ich wollte innovative Techniken zum Bedrucken von Gläsern recherchieren und ausprobieren. Denn viele alte Techniken sind verloren gegangen. Im Rahmen des Forschungsprojekts habe ich zahlreiche Proben mit verschiedenen Pigmenten gemacht, ich war in England und Neuseeland, um mich mit Fachleuten auszutauschen, ich habe mit vielen Firmen gesprochen, die glasstec besucht und dort neue Kontakte geknüpft. Ich habe mir auch viele Glasdrucker angesehen und sie ausprobiert.
Im Lauf des Projekts habe ich über 400 Muster erstellt, mit Siebdruck, Digitaldruck, auch geätzte Gläser und Wärmeschutzgläser bedruckt. Mein Resümee? Rein technischer Druck wirkt oft sehr kühl. Bedrucktes Glas soll aber Stimmung im Raum machen. Bei handgefertigtem Druck spürt man das Handwerk, man sieht die Brillanz hochwertiger Farben, beim Angreifen spürt man die aufgebrachte Farbe auf dem Glas. Die Kombination von keramischem Siebdruck und keramischem Digitaldruck ist aber für viele Anwendungen interessant.

In Ihren Arbeiten spielen Sie mit der Leuchtkraft und der Transparenz der Farben. Ist das nur mit Siebdruck möglich?

Der keramische Siebdruck auf Glas bietet farblich sehr viele Möglichkeiten – Sonderfarben, Schmuckfarben und auch transparente Farben. Transluzente keramische Pigmente sind nur mit Siebdruck möglich. Der moderne Digitaldruck kann nicht transparent drucken. Dafür gibt es keinen Bedarf, sagt die Industrie. Und halbtransparente Hinterglasfarben wird es bald nicht mehr geben. Das ist sehr schade. Haben Sie schon einmal bemerkt, dass diese alten Farben auf Glas farbige Schatten werfen? Bei modernen, technischen Farben ist der Schatten Grau. Ich spiele viel mit transparentem und opakem Druck. Mein künstlerisches Know-how fließt sehr stark in die Druckprozesse ein was Farben und Materialität angeht. Ich möchte die Farbigkeit und Räumlichkeit spüren. Meine Drucke transportieren oder kommunizieren „Inhalte“.
 

 

Zur Person

Michael Wegerer
Michael Wegerer (geboren 1970 in Wiener Neustadt) arbeitet mit erweiterten Verfahren der Druckgrafik und Installationen. 2008 absolvierte er mit Auszeichnung das Studium der Bildenden und Medialen Kunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. 2009 folgten die Übersiedelung nach London und das Studium Fine Art Practice am Royal College of Art. Nach Abschluss seines Masterstudiums im Bereich Fine Art Printmaking in London hält er Vorträge und lehrt als Gastlektor, u. a. an verschiedenen internationalen Universitäten. Seit 2003 sind Wegerers Arbeiten in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen und Sammlungen vertreten. Im Rahmen von mehreren internationalen Arbeitsaufenthalten in Großbritannien, Irland, Australien, Schweden und China entwickelt er seit 2006 experimentelle und vielseitig einsetzbare Siebdrucktechniken. Wegerer lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich.
www.quintscreenprint.com, www.michaelwegerer.net

Michael Wegerers Buch zu seinem Forschungsprojekt "Quint Print: Glas" ist erhältlich unter [email protected].

Autor/in:
Birgit Tegtbauer
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