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Japaner in Murano

20.07.2015

Die vier Glaskünstler Kyōhei Fujita, Yoichi Ohira, Ritsue Mishima und Yasuhiko Tsuchida stehen mit ihren außerordentlichen in Murano geschaffenen Objekten im Zentrum einer Ausstellung im Glasmuseum Hentrich in Düsseldorf.

Die Begegnung japanischer Tradition in Verbindung mit dem Kunsthandwerk aus Murano ist ein spannendes Erlebnis. Aus der Sammlung Lutz Holz, Berlin, werden im Rahmen der Ausstellung Japaner in Murano im Glasmuseum Hentrich in Düsseldorf rund 40 Arbeiten gezeigt. Die meisten dieser Vasen, Schalen, Karaffen und Dosen sind in der Zeit von 1990 bis 2010 entstanden und umspannen ein Spektrum von den 1970er-Jahren bis heute. Die insgesamt etwa hundert Werke umfassende Glassammlung von Lutz Holz ist auf Arbeiten des 20. und 21. Jahrhunderts aus Murano spezialisiert.

Die Düsseldorfer Ausstellung beleuchtet ein Spezialthema innerhalb dieser Sammlung, das dem Sammler besonders am Herzen liegt: Die kraftvollen und frischen künstlerischen Visionen japanischer Künstler, die von venezianischen Glasmachermeistern mit ihren überragenden kunsthandwerklichen Fähigkeiten tatsächlich in greifbare Objekte umgesetzt werden können. Von den ausgestellten Künstlern war Yoichi Ohira (geb. 1946) der erste, der sich nach Venedig begab. Ohira hatte in Japan Design studiert und etwas Glasblasen erlernt, bevor er 1973 ein Kunststudium in Venedig begann. Ohiras Vasen wirken in ihrer klaren und vielseitigen Gestaltung dennoch durch und durch japanisch.

Der Glaskünstler Kyohei Fujita (1921–2004) war schon fest in Japan etabliert und hatte dort seine stilistische Entwicklung weitgehend abgeschlossen, bevor er Venedig 1977 das erste Mal besuchte und jährlich zurückkehrte, um hier Arbeiten zu schaffen, die sich von seinem japanischen Werk deutlich unterscheiden. 1973 stellte er zum ersten Mal eine seiner berühmten Glasdosen aus, mit denen er mit dazu beitrug, die jahrhundertealte „Rinpa“-Tradition japanischen Kunsthandwerks in die Moderne zu führen.

Erst nachdem Ritsue Mishima (geb. 1962) im Jahr 1989 nach Venedig zog und sich für Murano interessierte, begann sie 1996 mit Glas zu arbeiten. Sie widmet sich dem Thema „Vase“ und führt es skulptural an seine Grenzen. Entgegen der Vorlieben der Muraneser Glasmacher arbeitet sie nur mit farblosem Glas – das schließlich, wie sie sagt, alle Farben enthalte.
Yasuhiko Tsuchida (geb. 1969) ist seit 1992 in Venedig sesshaft und beschäftigt sich seit 1994 mit der glaskünstlerischen Szene. Sein Werk ist durchaus eigenständig – etwas origineller und weniger zeitlos als bei Ohira, aber doch bisweilen mit einer geradezu magischen Wirkung der in Farbe und Textur durchwirkten Glasoberflächen.

Autor/in:
Helga Högl
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