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Mit Schwung in die Verlängerung

19.04.2018

Die Arbeit der Architektengruppe Holzbauer, Marschalek, Ladstätter, Gantar ist seit den frühen 1970er-Jahren Grundlage des Generalplans für den Bau der Untergrundbahn und damit auch für die aktuelle Verlängerung der U1 bis nach Oberlaa. Wesentliches architektonisches Merkmal ist der Einsatz von gebogenem Glas in der Fassade.

Die neue Station Alaudagasse der U1 nach der Verlängerung nach Oberlaa. Gebogenes Glas ist ein wesentliches Gestaltungselement.
Auch die neue U1-Station Altes Landgut wurde nach den Plänen der Architektengruppe gebaut.

Eine eigene Architektengruppe, die seit Jahrzehnten für die bauliche Gestaltung der UBahn- Stationen zuständig ist – welche europäische Metropole außer Wien kann das schon für sich in Anspruch nehmen? In der Bundeshauptstadt ist die Arbeit der Architekten Holzbauer, Marschalek, Ladstätter, Gantar seit den frühen 1970er-Jahren Grundlage des Generalplans für den Bau der Untergrundbahn und damit auch für die aktuelle Verlängerung der U1 bis nach Oberlaa. Wesentliches und für die 1970er-Jahre visionäres architektonisches Merkmal ist der Einsatz von gebogenem Glas in der Fassade. Damit setzt sich auch heute noch die für Wien so typische Tradition fort, freistehende oberirdische U-Bahn-Stationen als bewusstes Gestaltungselement mit Wiedererkennungswert im Städtebau einzusetzen.

Die 1970 gegründete Architektengruppe U-Bahn entwickelte ein für alle Stationen geltendes Gestaltungskonzept, das im Prinzip bis heute gilt. So konnte ein einheitliches Bild aller Bauwerke erreicht werden, wobei das Konzept sich flexibel den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten sowie dem Stand der Technik und dem der Materialien anpassen lässt. Bis auf wenige Ausnahmen sind bis heute alle U-Bahn-Stationen nach den Plänen der Gruppe, deren zentrales Element ein eigenes Paneelsystem ist, gestaltet worden. Auch die fünf neuen Stationen der verlängerten Linie U1, die im September 2017 eröffnet wurden, folgen diesem Konzept.

Den Wiener Linien war es wichtig, für die Orientierung der Fahrgäste die einheitliche Gestaltung der Linie auch bei den neuen Stationen, von denen die beiden letzten oberirdisch angelegt sind, fortzuführen. Und so zeichnen sich alle neuen Haltestellen unter anderem durch die transparenten Stationseingänge mit ihrer typischen abgerundeten Form aus. Für die anspruchsvolle Fertigung eines Großteils der dafür benötigten gebogenen und planen Gläser waren zwei österreichische ClimaplusSecurit-Partner verantwortlich: der Glasbiege-Spezialist Wenna aus Linz produzierte die markanten Bogengläser und die Firma Glassolutions Steyr die planen Scheiben für die Fassadengestaltung. Die Gesamtabwicklung des Großprojektes erfolgte über Wenna Glas.

TRANSPARENZ GIBT SICHERHEIT

Transparenz ist ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Gestaltung der Haltestellen, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu erhöhen. Dafür sorgen in den Wiener U-Bahn-Stationen neben den gläsernen Stationseingängen verglaste und einsehbare Liftanlagen, helle Wandverkleidungen, gut einsehbare Gänge mit heller und gleichmäßiger Beleuchtung und nach oben offene Treppenhäuser. Die gläsernen Stationszugänge erinnern an die Form eines umgedrehten U mit planer Oberseite. Gebogene Gläser bilden dabei die Übergänge der Seitenwände zu den Decken.

Wenna fertigte für das Projekt zylindrisch gebogene Verbund-Sicherheitsgläser mit einer Dicke von 16 Millimeter aus TVG und ESG mit einem Teil- Siebdruck zum Vogelschutz (siehe Kasten). Für bestimmte Gebäudeteile wurden gebogene Gläser zudem vollflächig emailliert. Die Herausforderung bei der Fertigung der gebogenen Fassadengläser bestand insbesondere in der großen Passgenauigkeit und der hohen optischen Qualität der Bogengläser. Die planen Gläser produzierte Glassolutions Steyr als Verbund-Sicherheitsgläser in Dicken von 16, 20 und 24 Millimeter aus ESG-H und TVG mit Teil-Siebdruck und/oder Teil-Email.

Mit der Verlängerung der „roten Linie“ um fünf neue Stationen und 4,6 Kilometer ist die U1 jetzt Wiens längste U-Bahn. Mit ihrem den 1970er-Jahren entstammenden Design bieten die neuen Haltestellen einen hohen Wiedererkennungswert und vermitteln bei aller Funktionalität nicht zuletzt durch ihre Transparenz und die gebogenen Gläser kühle Leichtigkeit.

Autor:
PETRA JANSSEN

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