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Moderne Fassadengestaltung mit farbigem Glas

17.02.2012

Gebäude mit hohen Glasanteilen wirken oft durch ihre pure Materialität. Die Transparenz des Glases gibt ihnen etwas Leichtes oder Schwebendes. Eine neue Dimension bekommt Glas in Kombination mit Farbe. So geben farbige Gläser oder Glasflächen schlichten rechteckigen oder kubischen Gebäuden Struktur und gliedern sie – wie die folgenden Beispiele illustrieren.

Lange Jahre spielte Farbe bei Gewerbebauten nur eine untergeordnete Rolle. Puristische und transparente Stahl- und Glasfassaden dominierten das Bild. Farbiges Glas wurde nur vereinzelt verwendet, setzte damit aber starke Akzente. Durch neue Bearbeitungsmöglichkeiten kommt Glas als gestalterischem Element heute jedoch wieder eine größere Rolle zu. Glas kann bedruckt, emailliert, sandgestrahlt oder folienbeschichtet werden. Und all das ohne seine konstruktiven Eigenschaften zu verlieren. Das Verfahren, bei dem Folien im Scheibenzwischenraum eines Verbund-Sicherheitsglases Farbe in das Glas bringen, verbessert sogar leicht die thermischen Eigenschaften des Glases gegenüber Klarglas.

 

Farbige Kontraste 

Das auch bestehende, eher dezente Gebäude, durch farbige Erweiterungen spannungsreich inszeniert werden können, zeigt der Erweiterungsbau der Firma Glatt Ingenieurtechnik in Weimar, nach Plänen des Architekturbüros Junk & Reich. Städtebaulich ordnet sich der von der Straßenfront zurückgesetzte Neubau dem symmetrischen Bestandsgebäude unter. Das neue Gebäude nimmt die bestehende Gebäudehöhe auf und erstreckt sich über drei Geschosse und Untergeschoss. Als Übergang vom Bestandsgebäude zum Neubau fügt sich ein großzügiges Treppenhaus mit Aufzug als verbindendes Element ein. Der Neubau hat die Form eines ringförmigen Kopfbaus mit umlaufender Fassade, der einen neuen Abschluss des Verwaltungsgebäudes in zeitgemäßer Architektursprache bildet.

Gestalterisch ebenso klar und geradlinig, hebt sich der Neubau durch den Einsatz blauer Farbfolien vom zurückhaltenden Grau des bestehenden Gebäudes ab. Insgesamt drei verschiedene Blautöne sind abwechselnd in das feste Fassadenraster von 1,25 Meter eingelassen, die tiefblauen Fassadenelemente werden in der Nacht noch hinterleuchtet. Der Wechsel dreier verschiedener Blautöne verstärkt den Kontrast zum strengen Bestandsgebäude. Der spielerische Umgang mit der Fassadengestaltung spiegelt die Variabilität der inneren Raumnutzung vom Großraumbüro bis hin zum Einzelbüro nach außen. Die spannungsreichen Kontraste werden durch insgesamt 300 Quadratmeter Farbfolien von Vanceva ermöglicht.

Bei den Neubauten von Bürogebäude und Technikum kam zudem innovatives Klimadesign zum Einsatz. Heizung und Kühlung der Büroräume erfolgt über Bauteiltemperierung der Betondecken. Die Lüftung im Gebäude dient ausschließlich zur Sicherstellung des hygienischen Luftwechsels, sodass ein Öffnen der Fenster nicht erforderlich wird. In der Fassade wurden neben 150 Quadratmeter des Wärmedämmglases „SGG Climaplus Ultra N" auch 25 Quadratmeter des Sonnenschutzglases „SGG Climaplus Cool-Lite SKN 165" verbaut.

Laubfrosch im Park 

Die Farbgestaltung spielte bei den neuen Bürogebäuden für den TÜV Süd in München-Schwabing von Lanz Architekten + Generalplaner von Anfang eine wichtige Rolle. Die alte Villa des TÜV liegt in einem Parkgelände inmitten denkmalgeschützter Bebauung. Projektziel war es, den Standort in hervorragender Lage so zu verdichten, dass ein Optimum an Bürofläche entsteht, ohne den alten Baumbestand zu beinträchtigen. Dafür stellten die Architekten der alten Villa des TÜV zwei niedrigere, moderne Neubauten im hinteren Teil des Grundstücks zur Seite.

Beim ersten der beiden Neubauten handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um ein Green Building, denn zum einen unterschreitet die dreifachverglaste Fassade aus insgesamt 740 Quadratmeter hochdämmendem „SGG Climatop Ultra N" die geforderten Energieeffizienzwerte der deutschen EnEV 2009 und zum anderen zog sich die Farbe Grün vom Entwurf bis zur Realisierung durch das Projekt.

Die frei in der Fassade angeordneten Öffnungsflügel sind mit „laubfrosch-grünen" Vanceva-Farbfolien versehen. Die Folien, und damit auch die fertigen Fenster, sind trotz des kräftigen Farbtons von innen her absolut transparent. Durch das einfallende Sonnenlicht entsteht ein im Tagesverlauf wechselndes Farb- und Schattenspiel im Innenraum. Das äußere Erscheinungsbild ist bestimmt durch die Spiegelung der Bäume in den natürlich grün und intensiv grün gefärbten Fensterflächen, so dass Innen- und Außenraum sich überlagern und miteinander verweben.

Bücherkaufhaus 

Einen ganz neuen Typ Bibliothek stellen die „Idea Stores" im Lon-doner Stadtteil Tower Hamlets dar, mit denen die Bezirksregierung das brachliegende Bibliothekswesen reaktivieren will. Die „Idea Stores" finden sich meist an stark frequentierten Orten des Viertels und ähneln mehr modernen Kaufhäusern. Der vom Londoner Architekten David Adjaye entworfene „Idea Store" in der Chrisp Street ist die erste dieser Bibliotheken neuen Typs. Das zweigeschossige Gebäude ist mit einer Vorhangfassade versehen, in die abwechselnd transparente Gläser und 4,5 Meter breite und 60 Zentimeter hohe Farbscheiben in Nuancen von Blau, Grün und Gelb eingesetzt sind. Dafür kombinierte Adjaye von sechs Grundfarben zwei bis vier so, dass sechs verschiedene Farben entstanden. Das Gebäude vermittelt dadurch einen transparenten, offenen und einladenden Eindruck, in dem auch das besondere, auf optischer Informationsvermittlung beruhende, didaktische Konzept der „Idea Stores" zum Ausdruck kommt.

Die Farbscheiben des Gebäudes bestehen aus dem Verbund-Sicherheitsglas „SGG Stadip Color", bei dem zwei Glasscheiben durch farbige PVB-Filme fest miteinander verbunden werden. Das Glas lieferte Eckelt Glas.

Gedicht auf Glas

Bei dem bunten Glaswürfel, in dem die Stadtbibliothek im thüringischen Suhl untergebracht ist, beruht die aufsehenerregende Wirkung auf der farbigen Glas-Stahl-Fassade. Die Scheiben zeigen in verschiedenfarbiger Ausführung das Gedicht „Bücherregal" von Charlotte Grasnick. Die im Siebdruckverfahren aufgebrachten Zeilen der Berliner Lyrikerin verleihen dem Haus Farbigkeit und Individualität. Der farbige Glaskubus setzt damit nicht nur einen bunten, sondern auch einen literarischen Akzent im Stadtbild.

Die geschosshohe Verglasung musste dabei neben dem Siebdruck verschiedene Anforderungen an Sonnenschutz, Wärmedämmung und Absturzsicherung erfüllen. Die Architekten von Weingart-Bauer-Bracke-Hoffmann entschieden sich für das farbneutrale „SGG Climaplus Cool-Lite SKN 165" in speziellem Aufbau: Die Außenscheibe besteht aus Verbund-Sicherheitsglas „SGG Stadip 66.2" und ist absturzsichernd nach Kategorie A der TRAV. Die filigranen Siebdruck-Designs befinden sich auf den Innenscheiben aus 8 Millimeter Einscheiben-Sicherheitsglas „SGG Seralit".

 
Gestaltung mit Farbe

Die Gestaltungsmöglichkeiten mit farbigem Glas sind vor allem durch die Verwendung farbiger Folien beträchtlich erweitert worden. Durch die Kombination unterschiedlicher Farbfolien lässt sich damit eine nahezu unbegrenzte Farbvielfalt kreieren. Ästhetisch anspruchsvolle Lösungen lassen sich zudem durch Siebdruck oder Emaillieren realisieren. Ganz- oder teilflächig aufgebracht, können so individuelle und ausdrucksstarke Dekore oder Motive entstehen. Für welche Variante man sich auch entscheidet, farbiges Glas verleiht Fassaden eine besondere Ausstrahlung. Denn die Wirkung von farbigem Glas, dem Licht zu einer unvergleichlichen Leuchtkraft verhilft, ist mit kaum einem anderen Material zu erreichen.

Autor/in:
Redaktion Glas
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