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Schließ- und Zutrittstechnik: Smarter Zugang

18.12.2019

Um Türen aufzuschließen, braucht man heute keine Schlüssel mehr, es reichen Badges, Karten und mittlerweile auch das Smartphone. Dafür ist allerdings eine ausgeklügelte Technik erforderlich. Ein Überblick über das Angebot an mechanischen und elektronischen Zutrittssystemen. 

Smarte Zugangstechnik arbeitet mit Sensoren, Funksignalen und Motorkraft. Auf herkömmliche Schlüssel kann dabei verzichtet werden. Türen werden mit dem Smartphone geöffnet und Schlüssel per SMS vergeben.
Mechanik und Elektronik in einem einzelnen Zylinder vereint – der „AirKey“-Hybridzylinder.
Sicher und smart: Der „Maco mTronic“-Funksensor stellt eine Verbindung zu den Beschlägen von Tür oder Fenster her und erkennt die drei Positionen offen, gekippt oder geschlossen. Diese können via Smartphone abgerufen werden.

Einbruchshemmung beginnt klassischerweise bei Türen und Fenstern. Türen sind die Visitenkarten eines Hauses – sie können deshalb aber auch bei ungebetenen Personen kriminelle Begehrlichkeiten wecken. Angesichts der Vielfalt an Materialien, Konstruktionen, Funktionen und Anforderungen an sie war es bisher schon keine leichte Entscheidung, auf welches Sicherheitssystem man sich verlassen soll. Wirklich anspruchsvoll wird das Thema durch den Einsatz elektronischer Komponenten, insbesondere wenn diese noch einfach zu bedienen, zu installieren und wirklich „sicher“ sein sollen.

Sicherheit und Komfort durch Smart-Home-Anwendungen
Smart-Home-Lösungen wie z. B. Haustüren mit Fingerscanner oder moderne Zutrittskontrollen per Mobiltelefon, Keypad (Codetastatur) und Kartenleser stoßen auf großes Interesse. Allerdings ist bei der Entscheidung für das passende System einiges zu bedenken. Die Menschen schätzen das Plus an Sicherheit und Komfort durch Smart-Home-Anwendungen bei Fenstern und in Türen. Verbraucherstudien zeigen, dass die meisten Nutzer leicht bedienbare und installierbare Smart-Home-Funktionen wollen.
Eine Ausstattung der Fenster und Türen mit funkgesteuerten Einbruch- und Glasbruchsensoren erfordert keine Verlegung von Leitungen, verbessert aber schnell die Sicherheit. Auch der einfache Zugang durch die Haus- oder Garagentür mittels Motorschloss in Verbindung mit Fingerprint, Zahlencode, Funk-Chip (inklusive Near-Field-Communication-Technik), Smartphone oder Sprachsteuerung wird bereits häufig eingesetzt. Manche Hersteller bieten „Smart Home-Ready“-Produkte an, bei denen für eine automatische Haustür beispielsweise nur eine Steckdose in der Nähe sein muss. Allerdings sollte das gute alte mechanische Schloss mit Schließzylinder nicht fehlen, falls Strom, Akku oder Technik versagen. Für Bauelemente mit elektrischen Komponenten sind einige Aspekte bei der Produktwahl zu bedenken.

Planungstipps für elektromechanische Fenster und Türen
Glas verleiht dem Heim oder Büro transparente Eleganz. Trennwände, Schiebetüren und Drehflügeltüren aus Glas ergeben ein einheitliches Design, das die systematische Architektur des Raums erst möglich macht. Entsprechende Beschläge mit elektronischen Schließsystemen ermöglichen die harmonische Symbiose von Funktionalität und Design.

Im Folgenden einige Faustregeln und Planungstipps für elektromechanische Fenster und Türen:
- Die Installation und Konfiguration sollte per „Plug-and-Play“ erfolgen und so einfach sein, dass sie nach kurzer Einschulung auch vom Bauherrn zu bedienen ist.
- Hohe Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit (Garantie für Ersatzteile, Service und Updates) für die Smart-Home-Komponenten für zehn bis 15 Jahre ist wichtig, da die Lebensdauer von Fenstern und Türen 20 bis 30 Jahre beträgt.
- Ausreichende Kabellänge, die bis zur nächsten elektrischen Anschlussdose reicht.
- Kabelführung mit geschütztem Verlauf im Fensterprofil ohne Knicke und scharfe Kanten.
- Vermeidung der Zugbelastung von Kabeln durch Bewegungen (Planung beweglicher Kabelübergänge).
- Feuchteschutz aller elektrischen Bauteile (Achtung Tauwasser).

Elektronische Sicherheitssysteme
Zu den elektromechanischen Systemkomponenten zählen Schließzylinder, Türbeschläge, Schlösser, Schließbleche, Lesegeräte, Tastaturen, Smart Devices (Smartphone) sowie die Datenübertragung per Kabel, Funk oder Datenträger (Karte, Chip etc.). Hinzu kommen Themen wie Berechtigungsnachweise, Programmiergeräte, Falschakzeptanzrate (zulässige Anzahl ungültiger Eingaben) oder die Benutzerkennung. Das elektronische Sicherheitssystem kann dabei auch Teil einer intelligenten Haustechniklösung sein.
Eines der bekanntesten Beispiele für digitale Schließ- und Zutrittstechnik ist der „Air-Key“. Mittels Smartphone kann der Administrator einen verschlüsselten Code versenden, der dem Empfänger – je nach Wunsch – ein- oder mehrmals den Zutritt ermöglicht. Die Tür bzw. der Zylinder öffnet sich berührungslos bei Annäherung via Bluetooth – das Handy bleibt in der Tasche. Zusätzlich „kennt“ das Smartphone auch den Ort des Schlosses und kann so Zutrittsberechtigten den Weg via Navigation anzeigen. So lässt sich der Schlüssel einfach per Pushnachricht versenden – was das Leben sehr vereinfachen kann, denn die oft lästige Übergabe eines mechanischen Schlüssels fällt weg. Die Sicherheit ist dabei gewährleistet durch die aus etwa dem Bankenwesen bekannte End-to-End-Verschlüsselungen.

Empfehlungen zur Sicherung digitaler Haustechnik
Eine aktuelle deutsche Studie zeigt, dass Einbruchhemmung wirkt, und fast jeder zweite Einbruch im Versuchsstadium abgebrochen wurde. Deshalb rät die Kriminalpolizei zum Kauf und Einbau von geprüften und zertifizierten Bauelementen. Einbrüche durch gezielte Manipulation mechatronischer Beschlagskomponenten sind statistisch noch nicht erkennbar. Das ist aber kein Grund für Sorglosigkeit, denn gleichzeitig nimmt die digitale Kriminalität stetig zu. Täter bevorzugen generell ein schnelles Eindringen und ein geringes Entdeckungsrisiko – dazu gehört eindeutig auch der Zutritt mit einer gefälschten Zutrittskarte oder einem vorab ermittelten Berechtigungscode. Denn das ist viel unauffälliger als das Bohren, Picken oder Ziehen des Profilzylinders.
Viele Anbieter rüsten heute schon einbruchhemmende Haustüren mit biometrischen Zutrittskontrollsystemen aus, lassen dabei aber oft außer acht, dass gerade diese Systeme ebenfalls entsprechend gesichert sein müssen. Denn durch den Einsatz elektromechanischer Verriegelungskomponenten und Berechtigungsmittel (Zutrittskontrollen, Schlüsselschalter etc.) entstehen neue Einbruchsmöglichkeiten. Beispiele aus der Autoindustrie zeigen, dass Keyless-Systeme (Schlüssel-los = Auto-los?) ohne Sicherheitssysteme mitunter relativ einfach manipulierbar sind.
Es stellt sich die Frage, wie sich die elektronische Manipulation von Bauelementen verhindern lässt, und wie sich elektronische Komponenten gegen eine mechanische Manipulation und eine Dekodierung der Funksignale oder Chip-Systeme schützen lassen. Hier kann auch Entwarnung gegeben werden: Seit vielen Jahren bewährte codierte Verschlüsselungssysteme, die etwa bei der Übermittlung von TANs beim Onlinebanking tagtäglich verwendet werden, können bei der Schließ- und Zutrittstechnik ebenso erfolgreich zur Anwendung kommen und gelten als extrem sicher.
Andererseits steigern elektronische Zutrittssysteme auch die Sicherheit der Zutrittslösung. Während bei mechanischen Zutrittssystemen ein verlorener Schlüssel die Anlage unsicher gemacht hat, wird bei einem elektronischen System der verlorene Schlüssel einfach gelöscht oder gesperrt und ein weiterer Zutritt ist nicht mehr möglich. Die elektronische Verarbeitung der Signale muss deshalb strikt innerhalb des Hauses erfolgen und ausreichend gesichert sein. Alle elektronischen Komponenten (Lesegerät inklusive Auswerteeinheit, Berechtigungsmittel) sollten sowohl gegen eine mechanische Manipulation als auch gegen eine Dekodierung von Funksignalen oder Chip-Systemen geschützt sein.

Smart Home und Connected Home
Zu beachten sind auch die Verkabelung und das Verhalten des Systems bei Stromausfall. Die Leitungen sollten keine Farbcodierung aufweisen und – wie die Steckerleisten und die Steuereinheit (die die Zugangsberechtigung aktiviert) – auf der Nichtangriffsseite – sprich im Hausinneren – eingebaut werden, oder sie müssen entsprechend geschützt werden. Mechatronische Schlosskästen und Schließbleche, Schließzylinder oder sonstige Komponenten müssen sich im abgeschlossenen Zustand im stromlosen Modus befinden. Das heißt bei einem Stromausfall oder einer Störung dürfen die Komponenten von der Angriffsseite nicht in einen zugänglichen Zustand versetzen bzw. „stromlos offen“ sein.

Fazit
Auf den ersten Blick scheint es, als ob die Segnungen des Fortschritts den Endkunden zwingen würden, zum IT-Experten zu werden. Generell sollte die Nutzung und sichere Handhabung nicht komplizierter sein als gängige IT-Sicherungssysteme wie etwa Online-Banking oder die Benützung eines Bankomaten. Das Expertenwissen müssen daher die Hersteller der Sicherheitskomponenten und die Installationsbetriebe haben. Zusammenfassend ist zu sagen, dass nach wie vor ein solider mechanischer Schutz an Fenstern und Türen zu empfehlen ist, bevor mit elektronischer Sicherung kombiniert wird.

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