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Bunte Glaswelt: Die Sonderschau „glass technology live“ zeigt im Rahmen der glasstec alle zwei Jahre innovative Lösungen zur Innenausstattung von Gebäuden.

Stimmungsmacher mit hoher Funktionalität

26.12.2017

Treppen, Trennwände, Möbel, Wandverkleidungen, Geländer und Brüstungen – dem Einsatz von Glas im Haus sind keine Grenzen gesetzt. Da der Werkstoff durch das Zusammenspiel von Licht, Reflexion, Transmission, Farbe und Textur immer neue gestalterische Möglichkeiten für Architekten, Interieur und die Möbelgestaltung eröffnet, liegt er im Innenausbau voll im Trend. Die Branche hat sich auf den steigenden Bedarf mit einer Vielzahl von Lösungen für die Innenraumgestaltung eingestellt.

Architekten stehen vor schwierigen Aufgaben: Einerseits steigt der Bedarf an Glasfassaden, die für Helligkeit sorgen und Gebäude repräsentativer wirken lassen. Das Problem: Gebäude mit Glashülle heizen im Sommer schnell auf, sodass innovative Glasprodukte intelligent eingesetzt werden müssen, um eine energieintensive Klimatisierung zu vermeiden. Andererseits sind das Know-how und die Kreativität der Architekten in zunehmendem Maße auch bei der Innengestaltung von Häusern gefragt. Denn dank seiner Vielseitigkeit, hohen Funktionalität und Sicherheit spielt Glas im Innenausbau eine immer stärkere Rolle und löst bisher gängige Materialien wie Metall oder Stein ab: Farbe und Strukturen werden mit dem Glas vereint, besondere Texturen und Oberflächen geschaffen und als gestaltete Werkstoffe eingesetzt. Bereits etwa die Hälfte der in Deutschland verkauften Menge an Einscheiben-Sicherheitsglas und fast ein Viertel des Verbund-Sicherheitsglases gehen in den Innenausbau. 

Glasvielfalt für Gestaltungsfreiheit

Die Hersteller fördern die Nachfrage der Architekten nach den edel wirkenden Glasprodukten und haben Bearbeitungsverfahren und moderne Designs entwickelt, um ein möglichst vielfältiges Portfolio an gestalteten Gläsern anbieten zu können. Grundlage für ihre Produkte bietet die gesamte Glas-Produktpalette, vom ESG über VSG bis zum Isolierglas. Nach Glaszuschnitt, Kantenbearbeitung, Bohren und Formgebung durch CNC-Bearbeitung werden die Gläser je nach Wunsch und Bestimmungsort individuell gestaltet: Lackiertes Glas für Küchenrückwände, Wandverkleidungen oder Möbelfronten. Sieb- und Digitaldruck bieten gute Möglichkeiten, um Flachglas persönlich zu gestalten und mit Motiven zu versehen. In VSG integrierte farbige Folien können Räume in spezielles Licht hüllen und ein für den jeweiligen Ort passendes Ambiente erzeugen. Sandgestrahltes Glas eröffnet weitere gestalterische Möglichkeiten für Dekore sowie Bilder oder Muster. Mit UV-Verklebung können schließlich verschiedene dreidimensionale Glaskonstruktionen für die Möbelindustrie sowie den Laden- und Ausstellungsbau kreiert werden. 

Zu den innovativen Produkten im Bereich der dekorativen Verglasungen zählt etwa das Designglas „Fluid“ von Saint-Gobain Glass. Das Besondere ist seine dreidimensionale Wirkung, die nach Angaben des Unternehmens auf einer Neuentwicklung bei der Glasproduktion fußt. Geprägte Passagen im Glas wechseln sich anders als bei herkömmlichem Gussglas mit transparenten Bereichen ab. „Diese neue Form der Design-Prägung entspricht den Wünschen unserer Kunden nach flacheren und moderneren Glasstrukturen“, heißt es bei Saint-Gobain Glass. Die fließende Struktur ermöglicht zudem einen problemlosen horizontalen wie auch vertikalen Zuschnitt für die weitere Verarbeitung zu ESG oder VSG sowie für vielfältige weitere Anwendungsmöglichkeiten im Isolierglassektor und im Interieur. „Fluid" ist in vier und sechs Millimetern Dicke in der Abmessung 200 mal 321 Zentimeter erhältlich. 

Neu ist aber nicht nur das Glas, sondern auch der Weg zum Produkt. Denn „Fluid“ ist von einem jungen Designerteam entworfen worden, das eine Designglas-Linie entwickelt hat, die von natürlichen Strukturen inspiriert wurde. Das Muster kann horizontal oder vertikal eingesetzt werden und erzielt so jeweils andere Wirkungen. Das Glas suggeriert Materialtiefe und wird so selbst zum Designobjekt. Damit ist es auch das ideale Material für einen neuen architektonischen Trend: Designglas in der Fassade. 

AGC Interpane, die strategische Allianz von Interpane und AGC Glass Europe, hat ihre Produktpalette beim Designglas um neue lackierte Glasprodukte erweitert: „Lacobel und Matelac 2020“ ist der Name des Doppelsortiments lackierter Verglasungen. Wie im Namen bereits anklingt, sind die Designgläser in 20 verschiedenen Farben erhältlich. „Die Kombination glänzender und matter Glas-Oberflächen in aufeinander abgestimmten Farben verbreitert die Gestaltungsmöglichkeiten für Wände und Möbel im Interieur“, sagt Marc Everling, Leiter Marketing und Kommunikation bei AGC Interpane. 

Die neuen Farben finden sich in den Produktlinien „Classics“, „Trendies“ und „Exclusives“, die die Kombination mit Werkstoffen wie Holz, Stein oder Metall intuitiver gestalten sollen. Classics bietet zeitlose Farben wie „White Soft“ und „Black Classic“. Zu den Trendies gehören aktuell beliebte Naturfarben wie „Green Soft“, „Green Sage“ und „Red Terracotta“. Bei den Exclusives finden sich verspiegelte, metallische und subtil glitzernde Farbtöne, etwa „Lacobel Copper Metal“ und das auf „Matelac Brown Walnut“ abgestimmte „Lacobel Brown Starlight“. Architekten, Designer und Möbelhersteller könnten sich die Farben auch individuell konfigurieren lassen. 

Auch die Firma Schollglas hat sich auf Designglas spezialisiert und bietet unter anderem mit „Gewe-art“ ein digital bedrucktes und pulverbeschichtetes Floatglas an, das mit 20 verschiedenen Motivvorgaben individuelle Design- und Farbgestaltungen ermöglicht. „Gewe-art“ sei nicht nur pflegeleicht und kratzfest, sondern weise ebenfalls eine gute UV-Beständigkeit, eine hohe Abriebsfestigkeit und eine starke Beständigkeit gegen Kondenswasser auf. Somit könne es überall im Haus eingesetzt werden, etwa als Tisch oder Arbeitsplatte, Trennwand oder Wandverkleidung und sogar im Laden- und Messebau, heißt es bei Schollglas. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an der Optimierung seiner Veredelungstechnologien, um die Qualität der Produkte weiter zu verbessern und Produktionskosten zu senken. Glas im Innenausbau sei bereits wettbewerbsfähig mit anderen Werkstoffen, weiß man bei Schollglas. 

Intelligentes Architekturglas

Intelligentes Architekturglas bietet eine weitere Möglichkeit, Effekte im Zusammenspiel mit Licht, Brillanz und Transparenz zu schaffen. Die sogenannte „Aled-Technologie“ des österreichischen Unternehmens Lightglass Technology ermöglicht ein entsprechendes Produkt, das allen technischen Anforderungen im Innen- und Außenbereich entspricht: Eine lichtleitende Ebene im Isolierglasverbund macht ein einfaches Fenster, eine Trennwand oder Fassade zur Lichtquelle. Die Technologie erlaubt nach Unternehmensangaben völlige Transparenz wie bei herkömmlichen Fenstern, als auch die vollkommen homogene und blendfreie Beleuchtung von Glas. Dabei reguliere sich das System automatisch gemäß der aktuellen Lichtsituation. Gesteuert und programmiert wird das Ganze über eine App oder über gängige Gebäudesteuerungen. 

Auch Fassaden, die mit sogenannten elektrochromen Fenstern ausgestattet sind, haben Auswirkungen auf das Licht und damit auf die Stimmung in Räumen. Das Glas passt sich dank integrierter Nanopartikel automatisch den Lichtverhältnissen an und blockt Sonnenstrahlen ab, damit die Räume nicht zu sehr erhitzen und zu hell werden. Der deutsche Hersteller Econtrol-Glas etwa hat elektrochrome Scheiben entwickelt, deren Schaltzeit von der hellsten bis zur intensivsten Färbung 20 bis 25 Minuten beträgt. Im gedimmten Zustand werden nur noch zwölf Prozent der Strahlung durchgelassen, der Rest reflektiert an den Partikeln. Econtrol-Glas hat in Europa bereits diverse Bürogebäude, Wohngebäude und öffentliche Gebäude mit schaltbarem Fensterglas ausgestattet.

Der deutsche Wissenschafts- und Technologiekonzern Merck verfolgt eine andere Variante von schaltbarem Glas. Er investiert 15 Millionen Euro in den Aufbau einer Produktion von Fensterscheiben, die noch schneller auf Lichtveränderungen reagiert als vergleichbare schaltbare Glaslösungen. Dazu verwendet Merck eine Mischung aus Flüssigkristallen (LC), die in ähnlicher Form auch in Displays von Fernsehern, Laptops oder Smartphones eingesetzt wird. Die Technik erreiche zwei Effekte, sagt Martin Zitto, Business Development Manager bei Merck: Sie verdunkle das Glas als Sonnenschutz und lasse es opak, also undurchsichtig werden um Privatsphäre zu gewährleisten. Auch wenn sich die technologische Basis von anderen schaltbaren Gläsern unterscheidet, ist die Funktionsweise von Flüssigkristallgläsern ähnlich. Bei den Flüssigkristallgläsern wird das LC-Material zwischen zwei miteinander verklebte Glasscheiben gefüllt. Durch Anlegen einer Spannung können die Kristalle in verschiedene Anordnungen gebracht werden. Je nach Anordnung fällt mehr oder weniger Licht durch die Schicht, oder die Fenster sind entweder durchsichtig bzw. undurchsichtig. Noch sind die Flüssigkristallscheiben nicht auf dem Markt verfügbar. Geplant ist, ihre Fertigung in einer neuen Produktionsanlage Anfang 2018 zu starten.

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