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Das entstandene Bauvolumen, komplett in Glas gehüllt, wirkt auf den ersten Blick beachtlich. Doch die Loggien sind durch ihre reflexarme Verglasung von außen einsehbar und verleihen der Fassade Tiefe, Transparenz und Leichtigkeit.

Vorgesorgt

08.02.2016

Das neue Pflegewohnhaus Donaustadt im Osten von Wien trägt dem demographischen und soziologischen Wandel Rechnung. Ein wohnliches Ambiente verbindet sich hier mit modernen Pflegestandards. Alle Zimmer verfügen über geschoßhoch verglaste Loggien.

Die Gebäudehülle ist komplett in „Uniglas Sun” ausgeführt. Diese Gläser sorgen für effizienten Sonnen- und Wärmeschutz, Farbneutralität, hohe Transparenz und geringe Reflexe.
 Die Structural Sealant Glazing Fassaden (SSG) im Langzeit-Beatmungszentrum nördlich des Pflegewohnhauses sind mit der dahinter liegenden Tragkonstruktion, die nahezu unsichtbar ist, verklebt.

Die Lebenserwartung der Menschen wächst – erfreulicherweise – seit geraumer Zeit. Vielen Älteren ist ein Lebensabend in Gesundheit vergönnt. Doch wie in jedem Leben wandeln sich auch die sozialen Strukturen der Gesellschaft und der Familien. Das – vielfach romantisch verklärte – Bild der Großfamilie, in der verschiedene Generationen zusammenleben und füreinander sorgen, hat sich längst weitgehend aufgelöst. Der heutige Arbeitsmarkt verlangt Mobilität, die Familienangehörige voneinander trennt. Auch ältere Menschen ohne Verwandte sind keine Seltenheit mehr. Körperliche oder gesundheitliche Einschränkungen, aber auch Einsamkeit lassen für manche das tägliche Leben im Alter beschwerlicher werden. So bieten Häuser, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgelegt sind, vielfach eine höhere Lebensqualität, obwohl der angestammte Platz verlassen wird.

Anspruchsvolle Lösung

Der Wiener Krankenanstalten Verbund hat diese Entwicklungen frühzeitig erkannt. Mehrere Geriatriezentren und Pflegewohnhäuser sind über das Stadtgebiet verteilt. Damit ist eine Integration der Bewohner in ihr gewohntes Umfeld weitgehend gewährleistet.
In der Donaustadt war das bestehende Geriatriezentrum (GZD) zu sanieren und zu erweitern. Entstanden sind dort ein Wohn- und Pflegehaus sowie ein Zentrum für Langzeitbeatmete und Wachkoma-Patienten. Dazu wurde EU-weit ein Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, den die Wiener Architekten Delugan Meissl Associated Architects gewannen.

Das neue, siebengeschoßige Wohnhaus bietet Ein- und Zweibettzimmer für 328 Bewohner, verteilt auf mehrere Pflegestationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Nördlich ist das Haus von einem separaten, dreigeschoßigen, L-förmigen Bau in offenem Winkel umgriffen. Hier sind die Stationen für Langzeitbeatmung, Pulmologie und Patienten mit apallischem Syndrom (Wachkoma) mit 90 Plätzen untergebracht. 

Transparenz und Tiefe

Alle Zimmer im Wohnhaus sind außenliegend, gruppiert um Erschließung und Therapieräume im Inneren. Zwei zentrale Höfe sorgen für Tageslicht in der Gebäudetiefe.
Jedem Zimmer ist eine geschoßhoch verglaste Loggia vorgelagert. Die Scheiben über der gläsernen Brüstung können aufgeschoben werden. 
Das entstandene Bauvolumen, komplett in Glas gehüllt, wirkt auf den ersten Blick beachtlich. Doch die Loggien sind durch ihre reflexarme Verglasung von außen einsehbar und verleihen der Fassade Tiefe, Transparenz und Leichtigkeit. Von innen ermöglicht die bodentiefe, transparente Verglasung den Bewohnern, die vielleicht in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, auch im Sitzen oder Liegen einen ungehinderten Ausblick zu genießen. Die unmittelbar hinter der äußeren Glasebene sichtbaren, locker fallenden Vorhänge, teils geschlossen, teils offen, lassen die Fassade lebendig werden. Zurückgesetzte, umlaufend horizontale Profile gliedern und markieren die Geschoße. 

Unsichtbarer Sonnenschutz

Die Loggien des Geriatrie-Zentrums sind mit Holz-Paneelen ausgekleidet, die Vorhänge der Sonne ausgesetzt. Naturmaterialien neigen unter Sonneneinstrahlung dazu, auszubleichen und zu vergilben. Durch wechselnden Sonnenstand würde das Erscheinungsbild der Loggien und des gesamten Hauses in kürzester Zeit unansehnlich, ja hässlich. Eine Lösung wären außenliegende Sonnenschutz-Anlagen. Doch sie sind gegen Windböen anfällig und wartungsintensiv. Sie stören oft die Optik. Zudem ist den Bewohnern nicht zuzumuten, sich um die optimale Steuerung zu kümmern. Ein zentrales Sonnenschutz-Management wiederum würde individuelle Bedürfnisse ignorieren. Eine Klimatisierung wäre mit hohem Energieaufwand verbunden.
In der Wiener Donaustadt ist eine intelligente Lösung realisiert: Die Gebäudehülle ist komplett in „Uniglas Sun” ausgeführt. Dieses Spezialglas der 
Kooperation Uniglas vereint mehrere Ansprüche und Funktionen in einem: Die hohe Lichtdurchlässigkeit erlaubt die optimale Tageslicht-Nutzung, auch in der dunklen Jahreszeit. Um die Transparenz der Fassade zu gewährleisten, wurde der Lichtreflexionsgrad bewusst niedrig gehalten und farbneutrales Glas verwendet. Die wichtigste, die Sonnenschutzfunktion, verhindert die Aufheizung der Loggien und der dahinterliegenden Zimmer. Die Material-Oberflächen sind wirksam geschützt. Die Loggia-Scheiben und -Brüstungen des Pflegewohnhauses bestehen aus Einscheiben-Sicherheitsglas. Im Langzeit-Beatmungszentrum fanden Structural Sealant Glazing Fassaden Verwendung. Die Herstellung und Lieferung der Funktionsgläser oblag der Petschenig glastec GmbH im östlich von Wien gelegenen Leopoldsdorf im Marchfeld.

Ökologisch

Traditionelle Materialien zur Ausstattung eines Hauses wie Holz-Paneele oder Stoff-Vorhänge sind den Bewohnern vertraut. Die geschickte Kombination mit modernen, funktionellen Bauelementen wie hochwertigen Gläsern zahlt sich auf Dauer doppelt aus – in einer optimierten Energie-Bilanz wie in reduzierten Wartungs- und Unterhaltskosten. 

Autor/in:
Redaktion Glas
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