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Bei diesen neuen WIG-Automaten-Schweißbrennern wird die Elektrode durch Ein- und Ausschrauben gewechselt.

Der verlängerte Arm des Schweißers

22.09.2020

Schweißbrenner sind multifunktional, leicht und bis ins Detail für exaktes und ergonomisches Arbeiten konstruiert.

Entlastung für die Schweißfachkraft durch bis zu 50 Prozent leichtere Brennersysteme.
WIG-Schweißbrenner mit modularem Aufbau ermöglichen eine individuelle Anpassung und schnellen Wechsel der Module.

Raue Umgebung, schwer zugängliche Stellen. Unter solchen Bedingungen ist Schweißen sehr anstrengend: Da sind zuverlässige, robuste, aber dennoch handliche Brennerwerkzeuge für das MIG/MAG- und WIG-Schweißen gefragt. Die renommierten Hersteller bieten dafür eine sehr gute Auswahl. Generell soll sich die Belastung des Schweißers weiter reduzieren und sich der Schweißbrenner in jeder Arbeitsposition ohne unangenehme Verrenkungen wie eine natürliche Verlängerung der Hand anfühlen.

Das „optimale“ Handgerät

Sucht man nach Schweißbrennern, wird eines offensichtlich: Die Auswahl ist riesengroß. Vor der Anschaffung sollte man sich im Klaren sein über die Ergonomie und Handhabung, Kühlung (gas- oder wassergekühlt), die Leistung in Verbindung mit der Einschaltdauer, das Gewicht, Draht-/Elektrodenstärken, Schlauchpakete sowie die notwendigen Funktionen am Brennergriff. Und ebenso auf eine hohe Qualität der Verschleißteile achten, wie etwa Gasdüsen, Kontaktrohre und Spritzerschutz, weil diese einen starken Einfluss auf die gleichbleibend hohe Präzision der Schweißnähte haben. Das Gute dabei: Zum einen konnten die Hersteller konstruktionsbedingt viele Funktionen im „Innenleben“ zusammenfassen und somit in den modernen Brennern die Anzahl der Verschleißteile senken. Und andererseits fallen die Verschleißteile bei den Gesamtkosten nicht dramatisch ins Gewicht. Da empfiehlt es sich, gleich die Originalteile der Hersteller nachzukaufen, sonst spart man am falschen Platz. Neben den technischen Faktoren sollen wenn möglich auch persönliche Vorlieben des Schweißers einfließen, da dieser schließlich täglich damit arbeitet. Genau deshalb bieten die Hersteller viele Modelle und Varianten, die man auch online individuell konfigurieren kann.

Multifunktionale Griffe mit Steuerung

Der Brennergriff sollte ausgewogen in der Hand liegen, rutschfest und ergonomisch geformt sein. Für filigrane Arbeiten bevorzugen die meisten Schweißer kleinere, leichte Griffe, schwere Aufgaben erfordern robustere große Griffe. Bei der Auswahl sollte man sich fragen, ob die Stromquelle immer direkt erreichbar sein wird, etwa bei Reparatur- und Montageaufgaben mit langen Schlauchpaketen oder komplexen Aufgaben in luftigen Höhen oder Zwangslagen (Überkopf-, Rohrschweißen). Immerhin lassen sich praktisch alle Bedienelemente auch in einen multifunktionalen Brennergriff integrieren: Damit kann man über eine Up-Down-Schaltwippe oder ein ­Potentiometer auf der Brenneroberseite die ­Stromstärke während des Schweißens regeln. Oder auf einem kleinen Display ­vorparametrierte Aufgaben (Jobs) auswählen und aktivieren. Somit hat man den Schweißprozess jederzeit unter Kontrolle und muss nicht zur Stromquelle gehen, um Parameter zu ändern.

Spezial-Brenner

Manchmal reichen universelle Handbrenner nicht aus. Je komplexer die Schweißaufgabe, desto spezieller muss das Endgerät sein. So gibt es PushPull-Schweißbrenner, wo zusätzlich zum Drahtvorschub im Schweißgerät ein zweiter Elektromotor im Brenner den Draht ebenfalls zieht, um eine sehr straffe Drahtführung zu gewährleisten. Solche Brennersysteme sind ratsam für das Aluminiumschweißen (bei fragilen Drähten). Aber auch für das Stahlschweißen bei überlangen Schlauchpaketen von zehn und mehr Metern Länge.

Zur Vermeidung von Schweißrauch kann man, anstatt oder zusätzlich zu den mobilen oder fixen Absauganlagen, Rauchgas-Absaugbrenner einsetzen. Diese sind zwar wirksam, aber wegen des schweren Aufbaus eher unbeliebt unter den Schweißern. Die Spezialisten bei Abicor ­Binzel ­haben aber eine Lösung gefunden und MIG/MAG-Brenner konstruiert, die deutlich leichter sind als üblich: Sie verwenden kleiner dimensionierte Absaugschläuche, für das Absaugrohr Aluminium statt Stahl und haben die Wandstärke bei der Absaugdüse reduziert.

Im nachfolgenden Bericht sind neuentwickelte und weiter verbesserte Modelle für den manuellen oder automatisierten Einsatz zum MIG/MAG- oder WIG-Schweißen beschrieben.

Starke Leichtgewichte

Binzel hat sich ausführlich Gedanken darüber gemacht, wie man MIG/MAG-Schweißbrenner leichtgewichtiger machen kann, denn die teilweise sehr starke statische Belastung der Schweißer sollte so weit wie möglich reduziert werden. Es entstanden Brenner-Modellreihen mit einem leichten Schlauchpaket, die trotzdem sehr robust ausgelegt sind. Die Brennersysteme sind bis zu 50 Prozent leichter und ermöglichen somit entspannteres Schweißen, auch in Zwangspositionen.

Schrauben statt schleifen

Dinse verspricht viele Vorteile mit seinen ­neuen WIG-Automaten-Schweißbrennern DIX TAZ 8000, TETZ 8000, 85xx und 75xx: Schluss mit langen Wolfram-Elektroden, kein Justieren oder Nachschleifen, bessere Kühlung, längere Standzeiten und damit eine gesteigerte Produktivität. Dahinter steckt ein neues Konstruktionsprinzip bei den Pistolenköpfen. Diese verfügen nun über eine raffinierte Elektrodeneinheit, bei der man die Schweißelektrode schnell und unkompliziert austauschen kann. Anstatt wie bislang die Elektrode zeitaufwendig anzuschleifen und dann in den Pistolenkopf einzumessen, wird bei den neuen Brennermodellen die abgenutzte Elektrodeneinheit einfach heraus- und eine neue hineingeschraubt. Das sorgt für einen reproduzierbaren Werkzeugmittelpunkt (TCP), das Justieren der Wolfram-Elektrode entfällt. Die Prozesssicherheit ist gewährleistet, jede Elektrodeneinheit liefert ein gleichbleibend präzises Ergebnis. Dinse hat die WIG-Brenner so gestaltet, dass der Elektrodendurchmesser kleiner sein kann und nur eine Elektrode alle üblichen Schweißverfahren abdeckt. Da liegt der Unterschied zu den herkömmlichen WIG-Schweißsystemen, wo man je nach Aufgabe unterschiedliche Durchmesser braucht, die wiederholt ausgetauscht werden müssen. Durch die neue Konstruktion mit stark verkürzter Elektrode und ohne Spannzangenaufnahme ist der gesamte Aufbau der WIG-Brenner kleiner, was flexiblere Einsätze ermöglicht. Die schraubbaren Elektroden sind in unterschiedlichen Längen sowie in zahlreichen Legierungen und Schliffwinkeln erhältlich.

MIG/MAG-Brenner überarbeitet

Esab hat seine neuen MIG/MAG-Schweißbrenner der Premiumreihe PSF-Serie überarbeitet und verspricht damit höhere Schweißqualität. Mit mehr Leistung und stabileren Lichtbögen durch verbesserte Drahtvorschübe. Für ermüdungsfreieres Arbeiten haben die Brenner einen ergonomischen und gut ausbalancierten Griff mit Softgrip-Bereichen. So hat etwa das Modell PSF 260 einen kleinen kompakten Griff und einen drehbaren Hals, sodass man ohne Positionsänderung mehr Schweißstellen erreichen kann. Die größeren PSF-Brenner, einschließlich der wassergekühlten Modelle, haben große, gummierte weiche Griffflächen und Gelenkverbindungen. Der wassergekühlte Brenner PSF 520W ist das leistungsfähigste Modell und für sehr anspruchsvolle Aufgaben gedacht. Durch ein Zweikreis-Wasserkühlsystem bleibt der Brenner auch bei rauen Schweißanwendungen immer kühl. Der MIG/MAG-Schweißbrenner PSF 520W bietet sowohl unter Mischgas als auch Kohlendioxid 100 Prozent Einschaltdauer bei 500 Ampere. Mögliche Drahtdurchmesser reichen bis zu 1,6 mm. Die PSF-Serie beinhaltet insgesamt sechs Modelle: Die beiden wassergekühlten Modelle PSF 520W und PSF 420W (100 Prozent Einschaltdauer bei 450 A) sowie vier gasgekühlte Modelle (PSF 260 / 315 / 415 / 515) für Kohlendioxid oder Mischgas mit Strömen von 225 bis 450 Ampere bei 60 Prozent Einschaltdauer. Verfügbar sind Drahtdurchmesser von 0,6 bis 1,6 mm und Schlauchpaketlängen mit drei, vier und fünf Metern.

Modulare WIG-Schweißbrenner

Fronius hat neue WIG-Schweißbrenner im Programm. Der modulare Aufbau ermöglicht eine individuelle Anpassung auf die persönlichen Präferenzen des Schweißers und die jeweilige Schweißaufgabe, ohne dass jedes Mal der ganze Brenner getauscht werden muss. Immerhin kann im praktischen Alltag die Konfiguration „des richtigen“ WIG-Brenners sehr stark variieren: Große oder kleine Griffschale? Ein einzelner Regler für die Einstellung der Stromstärke oder ein zusätzliches Job-Master-Display zum Abrufen der vorprogrammierten Einstellungen? Welche Gasdüse und Brennerwinkel? Die Griffschalen sind mit drei wechselbaren Steuerungselementen verfügbar: Up-Down-Wippe, Jobmaster-Anzeige oder drehbarem Potentiometer. Rutschfeste, weiche Griffe, ein Kugelgelenk zwischen Schlauch und Brenner sowie endlos drehbare Brennerkörper sorgen für flexibles, ermüdungsfreies Schweißen. Eine kleine Erleichterung ist das LED-Licht am Brenner, das die Schweißstelle vor und nach dem Schweißen beleuchtet. Der Brennerkörper lässt sich ­ohne Werkzeug mit dem Multilock-System auswechseln: Drücken und Drehen löst den Brennerkörper vom Schlauchpaket, Aufstecken und Drehen fixiert ihn. Der modulare Aufbau sorgt auch für Nachhaltigkeit, weil man nicht gleich den gesamten Schweißbrenner wegwerfen muss, sondern nur einzelne defekte Module austauschen kann.

Schwerpunkt Effizienz

Kemppi hat zwei neu entwickelte Flexlite-Schweißbrenner auf den Markt gebracht. Dazu gehören Flexlite GX für das MIG/MAG-Schweißen und Flexlite TX für das WIG-Schweißen. Damit soll laut Hersteller das ermüdungsfreie Schweißen auch bei langen Schweißnähten oder in schwierigen Positionen möglich sein. Die Schwerpunkte in der Entwicklung lagen auf Ergonomie, Benutzerkomfort, Zuverlässigkeit und Effizienz sowie robusten, langlebigen Verschleißteilen. Kemppi positioniert Flexlite als Hochleistungs-Schweißbrenner für hochwertige und glatte, spritzerfreie Schweißnähte. Angeboten werden wasser- und gasgekühlte Modelle in mehreren Leistungsklassen mit flexiblen Schlauchpaketen. Optional sind Brenner mit Fernregler erhältlich, mit dem man auch aus größerer Entfernung den Schweißstrom präzise und schnell einstellen kann. Der Support für die Flexlite-Schweißbrenner ist relativ einfach. Auf allen Flexlite-Brennern steht ein QR-Code. Scannt man diesen mit seinem Smartphone, kommt man online direkt zu den relevanten Bestellnummern, Verschleißteilen, Produktdokumenten und Kontakten. 
[Autor: Gernot Paul Wagner]

Autor/in:
Redaktion Metall
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