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Der Andrang sowie der Gesprächsbedarf waren auch der der zweiten Jahrestagung für Baurecht und Baustandards ungebrochen.

Dialogforum Bau entfaltet seine Wirkung

17.12.2019

Die zweite Auflage der Jahrestagung für Baurecht und Baustandards zeigte, dass sich in den letzten Jahren schon viel bewegt hat, die Arbeit aber weitergehen muss. 

Bereits zum zweiten Mal veranstalteten die Bundesinnung Bau der Wirtschaftskammer Österreich und Austrian Standards im Rahmen der gemeinsamen Initiative "Dialogforum Bau Österreich - Gemeinsam für klare und einfache Bauregeln" die Jahrestagung für Baurecht und Baustandards. Rund 160 Expertinnen und Experten aus der Bauwirtschaft diskutieren Ideen für einen einfacheren und rechtssicheren Rahmen für das Bauen in Österreich. Aktuelle Problemstellungen und Handlungsfelder im Spannungsfeld zwischen Regulierung und (Eigen-) Verantwortung standen im Zentrum der diesjährigen Vorträge und Podiumsdiskussionen.

Umdenken in der Baubranche

„Das Dialogforum Bau entfaltet Wirkung. Wurden früher noch gesetzliche Regulierungen und Standards pauschal kritisiert, so haben wir es heute mit wesentlich differenzierteren und durch Faktenwissen unterfütterten Diskussionen zu tun. Das unterstreicht, wie wichtig es für die Sache ist, dass die Beteiligten das Regelwerk auch kennen. Denn nur wenn wir in der Lage sind, Probleme detailliert zu beschreiben, können wir qualifiziert und konstruktiv darüber reden und zu Lösungen kommen. In einer engen Zusammenarbeit zwischen Fachleuten und Entscheidungsträgern in der Gesetzgebung können wir so an den konkreten Verbesserungen arbeiten", fasste Andreas Kovar, Moderator der Veranstaltung, am Ende der Jahrestagung 2019 für Baurecht und Baustandards die Ergebnisse der zahlreichen Vorträge und Podiumsdiskussionen zusammen. Denn rückblickend hat sich schon viel getan.

Während bei der ersten Jahrestagung 2018 Standards als die vermeintlichen Kostentreiber und damit primäre Ursache für kostenintensives Bauen in Österreich diskutiert wurden, gab es bereits heuer einen erkennbaren Wandel in den Diskussionen. Standards waren nicht mehr länger der Sündenbock für fehlenden leistbaren Wohnraum, sondern lediglich ein Teil des Problems, das gelöst werden muss. Denn neben den steigenden Grundstückspreisen machte der Architekt Dipl.-Ing. Dietmar Walberg vor allem die hohen Qualitätsansprüche aller Beteiligten sowie die Folgen von Deregulierungsmaßnahmen als wesentliche Kostentreiber bei Bauprojekten aus. Auch Dipl.-Ing. Herwig Pernsteiner vom Österreichischen Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen wies auf soziale Aspekte des Wohnbaus hin und betonte, dass sich die anteilsmäßigen Ausgaben für das Wohnen - rund 30% - in den letzten 40 Jahren kaum verändert hätten.

Überbordende Auslegung von Standards

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich definiert der Staat seine Schutzziele in den Gesetzen nicht mehr ausreichend und lagert diese gerne in Standards aus. Ganz nach dem Motto: "Wie du, lieber Bauherr, das Schutzziel erlangst, ist mir eigentlich egal", sagte Dr.-Ing. Matthias Witte vom DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau). "Man kann nicht Schutzziele in Normen schreiben und nachher gesetzlich verpflichtend erklären", erörterte Witte das Problem.

Neben der überbordenden Auslegung von Standards und der Wohnkosten-Frage wurde von den Diskutanten in der Haftungsfrage mehr Eigenverantwortung von Entscheidungsträgern und Privatpersonen eingefordert und die Rolle von Sachverständigen kontroversiell diskutiert.

Enmytifizierung der ÖNORM B 1300 und 1301

Das Umdenken zeigte sich auch in den Vorträgen und der anschließenden Podiumsdiskussion - unter anderem mit Nationalratsabgeordneten Josef Muchitsch (SPÖ), Philipp Schrangl (FPÖ) und Gerald Loacker (NEOS) - rund um die beiden strittigen Standards zur Objektsicherheitsprüfung, ÖNORM B 1300 und ÖNORM B 1301, bei denen die Frage, wie welche Bauregeln richtig auf unterschiedliche Objekte anzuwenden sind, im Raum stand. Die unterschiedlichen Blickrichtungen von Sachverständigen, Eigentümern und Hausverwaltungen machten deutlich, dass die zahlreichen Stakeholder mitunter stark divergierende Interessen haben.

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