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Dichtes Programm für die Bundesinnung

12.02.2018

Bericht der Bundesinnungsausschuss-Sitzung der Metalltechniker im Herbst 2017
von DI Christian Atzmüller [*].

Zur Herbstsitzung der Bundesinnung der Metalltechniker trafen sich die Mitglieder des Bundesinnungsausschusses von 30.11. bis 1.12. in der Wirtschaftskammer Österreich.

In seiner Begrüßung kündige Bundesinnungsmeister Kommerzialrat Harald Schinnerl ein dichtes Programm mit Fachvorträgen zu aktuellen Themen an. Vorab gratulierte er Hufschmied Peter Gerstner zur Erlangung seines Nationalratsmandates für die laufende Legislaturperiode und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Bundesinnung nun ein direktes Sprachrohr in die Politik haben würde.

Nach der Feststellung der Beschluss­fähigkeit, der Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung und der Kenntnisnahme der Compliance-Erklärung folgten die

Berichte der Bundesinnungsmeister und der Geschäftsstelle

Bundesinnungsmeister Harald Schinnerl eröffnete die Berichtsrunde mit einem Blick auf die aktuelle Konjunkturerhebung der KMU Forschung Austria, aus der eine spürbare Verbesserung des Geschäftsklimas ersichtlich war. Weitere Berichtspunkte waren u.a.

  • der erfolgreiche Bundeslehrlingswettbewerb 2017 in Amstetten
  • ein neuer Schulversuch am TGM Wien mit für Metallbauer attraktiven Inhalten,
  • die Kooperationen mit der Arbeitsgemeinschaft Metall-Türen, -Fenster, -Fassaden, -Tore, dem Stahlbauverband, dem Austrian Standards Institute und der Schweißtechnischen Zentralanstalt,
  • aktuelle Entwicklungen zu den Diskussionen um die EN 1090,
  • die mittlerweile gegründete Arbeitsgemeinschaft Zivile Sicherheit zur Neupositionierung ziviler Waffenverwendung in der Öffentlichkeit, speziell im Sport- und Jagdbereich,
  • diverse Gespräche und Kontakte mit nahestehenden Institutionen, Messeveranstaltern etc. zur Sondierung von Kooperationsmöglichkeiten usw.

Einen ganz aktuellen Bericht vom kurz vor der Bundesinnungssitzung stattgefundenen Symposium der Arge Oberflächentechnik gab Bundesinnungsmeister-Stellvertreter Kommerzialrat Andreas Lahner. Dabei ging es um Themen wie Entwicklungen im Bereich des 3D-Drucks von Metallen und damit verbundener Wärmebehandlungen, Zinn-Zink-Legierungsschichten, Sicherheitsnormen bei Galvanisieranlagen und Auswirkungen der Seveso III-Vorschriften auf den betrieblichen Alltag. Weitere ­Berichtspunkte waren der Oberflächentechnik-Nachwuchswettbewerb, die Berufsschule und damit verbunden notwendige Verbesserungen in der Kooperation und ebenfalls ein Überblick über die konjunkturelle Entwicklung für Oberflächentechnik, Metalldesign und Guss.

Kommerzialrat Ing. Johann Hackl, steirischer Landesinnungsmeister und seit letztem Jahr Bundesinnungsmeister-Stellvertreter, berichtete über die allgemeine Geschäftsentwicklung der Land- und Baumaschinentechnik, die Arbeit im entsprechenden Ausschuss mit Themen wie Fachkräftemangel und Herausforderungen durch die Digitalisierung, und er stellte ein steirisches Projekt (Technical Experts) zur Gewinnung von Fachkräften vor.

Auch die Geschäftsstelle der Bundesinnung gab einen kurzen Überblick über die Tätigkeiten, die von der Ausarbeitung von Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben über Organisation und Begleitung der Ausschusssitzungen, Beratung und Unterstützung der Landesinnungen, Behandlung von Mitgliederanfragen, Abstimmung mit anderen Interessenvertretungen usw. bis hin zur Vorbereitung und Organisation der Kollektivvertragsverhandlungen reichen. Weiters wurde die Initiative „KMU Digital“ vorgestellt, die kleine und mittlere Unternehmen bei Fragen der Digitalisierung unterstützen soll und konkrete Hilfestellung bei Digitalisierungsprojekten mit Förderungen bis zu 4.000 Euro je Unternehmen bietet [www.kmudigital.at].

Es folgten die Berichte der Vorsitzenden der Arbeitsausschüsse

Helmut Muralter erläuterte die in Ausarbeitung befindlichen Statuten und Regelungen für die Abhaltung der Metalltechnik-Staatsmeisterschaften, Pläne zur Teilnahme an den kommenden Euro- und Worldskills-Bewerben sowie Vorbereitungen zum Bundeslehrlingswettbewerb 2018 in Vorarlberg. Er bedankte sich bei der Landesinnung Niederösterreich für die Ausrichtung des Bundeslehrlingswettbewerbs 2017 in der Landesberufsschule Amstetten, der zur vollsten Zufriedenheit und mit tollen Resultaten abgelaufen ist. Zu den Worldskills-Bewerben in Abu Dhabi, bei der der steirische Metallbauer Franz Kalss die Silbermedaille erringen konnte, gab es noch zu berichten, dass der Metallbau-Wettbewerb fast nicht stattgefunden hätte, da aus unerfindlichen Gründen auf die Materialbestellung vergessen worden war. Nur eine Wochenendschicht von Christian Lochmann (Lochmann Metallbau) und einem engagierten Team um Bundesinnungsmeister Schinnerl rettete durch sonntäglichen Laserschneider-Einsatz und anschließende Expressversendung der zugeschnittenen Metallteile nach Abu Dhabi den Bewerb – ein Danke an alle Beteiligten sei hier gesagt!

Normenausschussvorsitzender Helmut Muralter gab die Fertigstellung der Referenzstatik für Carports bekannt. Diese kann vom Zivilingenieurbüro Kratzer bezogen werden [www.kratzergraz.at]. Vorgestellt wurde auch ein Statikprogramm eines Anbieters für Befestigungswerkzeuge und -material, das sich für die kalkulatorische Vorbemessung von Geländern einschließlich der Berechnung der Schweißnähte und Grundplatten eignet. Auf die Überarbeitung der Norm EN 1090-2 wurde hingewiesen.

Die neue EG-Richtlinie 2013/35/EU – VEMF (seit 01.07.2016) beschert der Metallerbranche neue Verpflichtungen im Bereich der Arbeitsplatzsicherheit. Demnach sind alle Schweißarbeitsplätze bei der Evaluierung auf die Einwirkung von Elektromagnetischen Strahlen zu prüfen, d.h. eine (neue) Evaluierung der Schweißarbeitsplätze ist notwendig. Messungen der elektromagnetischen Strahlung sind allerdings sehr teuer. Alternativ dazu kann der von den Schweißmaschinenherstellern beigestellte Nachweis der Strahlungswerte der Maschinen in jedweder Arbeitsphase herangezogen werden. Mit diesen Werten kann man sich aufgrund der Normwerte den Einwirkungsgrad ausrechnen und in ein von der AUVA zur Verfügung gestelltes Evaluierungsblatt eintragen. Siehe auch dazu: http://www.eval.at/EMES!

Fast alle Maschinenhersteller haben schon diese Datenblätter bzw. sind an deren Ausarbeitung. Auf diese Weise kann man auf eine einfache Art und Weise der gesetzlichen Verpflichtung nachkommen. Für die Beurteilung der Exposition von Arbeitnehmern gegenüber elektromagnetischen Feldern ist auch die ÖNORM EN 50499 anzuwenden. Effektiven Schutz bietet ein Fernbleiben von der Strahlungsquelle (Schlauchpaket), was sich aber beim manuellen Schweißvorgang sehr schwer erfüllen lassen wird. An der Erzeugung von Schweißbekleidungen mit entsprechenden Schutzschichten wird auch erst gearbeitet.

Zentrales Anliegen des Arbeitsausschusses Schmiedetechnik unter der Leitung von Hans Schmutz ist die bundeseinheitliche Beschulung der Schmiedetechnik-Lehrlinge. Naturgemäß nicht begeistert von der Reform der Gewerbeordnung zeigten sich die Hufschmiede, da das Teilgewerbe Huf- und Klauenbeschlag nach zuerst gegenteiligem Gesetzesentwurf überraschend – sodass keinerlei Einsprüche möglich waren – und unverständlicherweise zu einem freien Gewerbe erklärt wurde und nunmehr – theoretisch rein rechtlich – keinerlei Befähigungsnachweise notwendig sind. Die Bundesinnung wird jedoch den Hufbeschlagskurs in Stadl Paura in Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien weiterhin anbieten, denn, davon wird ausgegangen, eine fundierte Ausbildung ist auch im Fall des Huf- und Klauenbeschlags der Garant für eine erfolgreiche Berufsausübung.

Ausschuss Sicherheitstechnik: Vorsitzender Christian Adamovic berichtete, dass die Aufsperr-App zur Lokalisierung eines nahen Schlüssel- bzw. Aufsperrdienstes im Notfall nun im Apple-App-Store sowie im Google-Play-Store verfügbar sind. Die entsprechende Internetseite dazu, auf der ebenfalls nach entsprechenden Unternehmen gesucht werden kann, lautet www.meinaufsperrdienst.at.

Über die Aktivitäten in den Arbeitsausschüssen Land- und Baumaschinentechnik, Oberflächentechnik und Büchsenmacher wurde bereits von den Bundesinnungsmeistern berichtet.

Wie von Bundesinnungsmeister ­Schinnerl einleitend angekündigt, folgten Vorträge über für die Metalltechnik wichtige Themen und Entwicklungen:

Datenschutz-Grundverordnung: Frau Mag. Marion Koidl von der Firma Dataspot erläuterte die Grundzüge der neuen Datenschutz-Grundverordnung, die ab 25. Mai 2018 gilt. Unternehmen müssen bis dahin Datenanwendungen, die personenbezogene Daten verarbeiten, an die neue Rechtslage anpassen. Auf http://wko.at/datenschutz bieten die Wirtschaftskammern Informationen und Musterdokumente dazu an.

Trend- und Innovationsmanagement: Ein neues Service-Angebot der Wirtschaftskammern wurde von Herrn Mag. Robert Jeller von der WKÖ-Strategieabteilung vorgestellt. Gemeinsam mit den Außenwirtschaftscentern sollen Trends und Innovationen aus wichtigen Hightech-Regionen, z.B. in USA und Asien, aufgespürt und für heimische Unternehmen nutzbar gemacht werden. Dazu gibt es entsprechende Workshops, das nachfolgende Angebot umfasst Beratungs- und Serviceleistungen bis hin zu Technologie-Reisen zu ausgewählten Themen.

AMFT – Arbeitsgemeinschaft der Hersteller Metall-Fenster/Türen/Tore/Fassaden: Der neue Geschäftsführer Anton Resch präsentierte die Aktivitäten der Arge, die unter anderem auch intensive Mitarbeit in Normungsgremien verbunden mit einem fachspezifischen Serviceangebot für Mitglieder umfassen.

Normenwesen – Austrian Standards Institute ASI: Mag. Heinrich Orisich stellte den neuen Informationsdienst des ASI mit dem Titel „MeinNormenRadar“ vor, eine innovative Online-Lösung zur individuellen Beobachtung der Entwicklung eines relevanten Standards. Ein übersichtliches Farbleitsystem zeigt dabei sofort, wie sich ein Standard in der Vergangenheit entwickelt hat bzw. welche Änderungen geplant sind – und wo aktiv mitgestaltet werden kann.

Zusammenarbeit auf Europäischer Ebene: Christian Thaler, Vorarlberger Landesinnungsmeister und Delegierter der Bundesinnung in die EMU (Europäische Metall-Union), berichtete über die Aktivitäten der EMU, deren Fokus derzeit auf der Normenarbeit liegt. Weitere Themen sollen verstärkt bearbeitet werden, ein Treffen von Spitzenvertretern der Mitgliedsverbände wird in Aussicht genommen.

Schließung der Bundesinnungsausschuss-Sitzung

Mit leichter Überzeit – „Dank“ der vielen Themen und den damit verbundenen Diskussionen konnte Bundesinnungsmeister Schinnerl die Frühjahrssitzung kurz nach Mittag schließen, freilich nicht ohne zuvor die Landesinnungen einzuladen, noch über wesentliche Neuigkeiten in ihren Bereichen zu berichten. Mit herzlichem Dank für die konstruktive Mitarbeit wurde abschließend zur Frühjahrssitzung in Salzburg eingeladen.

[*] Der Autor DI Christian Atzmüller ist Geschäftsführer der Bundesinnungsgruppe Metall-­Elektro-Sanitär-Mechatronik-Fahrzeugtechnik in der Wirtschaftskammer Österreich.

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