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Die Gleichstellung des „Meisters“

31.10.2018

Nationaler Qualifikationsrahmen. Meisterbrief und Bachelor-Abschluss werden im NQR beide in „Level 6“ eingestuft – und sind damit gleichwertig.

Nun ist es offiziell: Meisterbrief und Bachelor-Abschluss werden im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) beide in „Level 6“ eingestuft – und sind damit gleichwertig.

„Damit wird eine jahrelange Forderung umgesetzt und die Qualität der Berufsausbildung in Österreich endlich der schulischen Ausbildung gleichgestellt“, freuen sich auch WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk und der Obmann der steirischen Sparte Gewerbe und Handwerk, Hermann Talowski.

Der Nationale Qualifikationsrahmen (NQR) gründet sich auf eine Empfehlung der EU und ordnet Ausbildungen insgesamt acht Stufen zu. Diese Rangwertung dient vor allem der internationalen Vergleichbarkeit und ist für die Wirtschaft wichtig, da bei Ausschreibungen der Nachweis gewisser Qualifikationsniveaus gefordert wird. Die Zuordnung der einzelnen Bildungsabschlüsse in Österreich ist derzeit noch im Gange, fix entschieden ist aber bereits, dass eine bestandene „Meisterprüfung“ im NQR auf das Niveau 6 gestuft wird. Das hat die Wirtschaftsministerin bestätigt.

Gleichwertigkeit

Die VertreterInnen von Gewerbe und Handwerk sehen diese Entwicklung positiv: „Nun wird bestätigt, dass die berufsbezogene Qualifikation genauso viel Wert wie die akademische hat“, freut sich etwa Bundesobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster. Die Zuordnung bringe in Österreich und europaweit den Wert von handwerklichem Können zum Ausdruck. „Berufsausbildung wird damit auch international offiziell anerkannt“, freut sich auch der steirische Spartenobmann Hermann Talowski. „Wir haben lange dafür gekämpft, dass sie jenen Stellenwert in der Öffentlichkeit bekommt, der ihr zusteht.“

Keine falschen Erwartungen

Auf universitärer Ebene ruft diese höhere Wertschätzung des Handwerks nicht gerade Euphorie hervor: Die Generalsekretärin der Universitätenkonferenz, Elisabeth Fiorioli, warnt vor falschen Erwartungen: Die Aufwertung der Meisterprüfung auf das Bachelor-Niveau (Level 6) sei eine Zuordnung zu einem Referenzrahmen ohne rechtliche Verbindlichkeit, um den Wert einer beruflichen Qualifikation sichtbar zu machen und damit mehr Chancengleichheit am europäischen Arbeitsmarkt zu bieten. „Das bedeutet aber keine Gleichwertigkeit im Sinne des Hochschulrechts und berechtigt auch nicht zur Zulassung zu einem Masterstudium“, so Fiorioli. Und für den akademischen Titel „Bachelor“ müsse nach wie vor ein dreijähriges wissenschaftliches Vollzeitstudium absolviert werden.

Spartenobfrau Scheichelbauer-Schuster weiß natürlich über den Unterschied zwischen „Gleichwertigkeit“ und „Gleichartigkeit“ Bescheid und stellt klar: „Wichtig ist, dass sich aus dieser Gleichwertigkeit kein Missverständnis oder gar ein Anspruch auf Gleichartigkeit ergibt. Ein Meisterabschluss bleibt morgen weiterhin ein Meisterabschluss und ein Bachelor-Abschluss ein Bachelor- Abschluss“, so die Spartenobfrau.

Autor/in:
Gerhard Rainer
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