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Die Laserhub-Gründer Adrian Raidt, Christoph Rößner und Jonas Schweizer (v.l.n.r.).

Die Online-Beschaffungsabteilung

07.08.2019

Blechbearbeitung: Das deutsche Startup Laserhub beschreibt nach der Ausdehnung seines Angebots über Deutschland hinaus die vier wichtigsten Trends.

Laserhub

Die Laserhub GmbH ist ein B2B-Startup aus Stuttgart und hat mit „Laserhub.de und „Laserhub.at“ eine vertikal integrierte, herstellerübergreifende Beschaffungsplattform für individuelle Blechteile entwickelt. Die Plattform verknüpft automatisiert die Anliegen der Nachfrager mit den Ressourcen der Anbieter. Die Anbieter können automatisch die eingestellten Aufträge aus den Bereichen Laserschneiden, Biegen/Abkanten und weiteren Anarbeitungen übernehmen und realisieren. Laserhub tritt dabei für alle Beteiligten als einziger Vertragspartner auf und zeichnet sich für den gesamten Prozess verantwortlich: von der automatischen Angebotserstellung bis hin zur Auftragserteilung, Umsetzung, Logistik und Abrechnung. Zu den Kunden gehören sowohl klassische Handwerksbetriebe als auch zahlreiche Mittelständler, und sogar etablierte DAX-Konzerne.

SCHWEISSEN 2019 - Stand 108

Die Anbieter der digitalen Plattform für die ganze Blechbearbeitung, Laserhub, sieht aktuell vier wichtige Trends: Erstens rücken die Gesamtkosten immer mehr in den Fokus. Zweitens zeigt sich, dass die vernetzte Fertigung nicht so recht in Fahrt kommt. Drittens werden Plattformen zur zentralen Schnittstelle zwischen Kunde und Blechbearbeiter. Und zu guter Letzt, viertens, wird die Spezialisierung unausweichlich. Adrian Raidt, Geschäfsführer für Operations, Partnermanagement & Finanzen bei Laserhub geht ins Detail.

  1. Die Gesamtkosten rücken in den Fokus

Der Markt ist gekennzeichnet durch harte Preisverhandlungen über den Teilepreis von Blechteilen, in denen auch ein halber Cent mehr oder weniger über den Zuschlag entscheidet. Bereits heute zeigt sich: Der singuläre Fokus auf den Teilepreis wird von einer erweiterten Betrachtung der gesamten Einkaufskosten unter Berücksichtigung des Aufwands der Einkaufsabteilungen abgelöst.

„Bei kleiner werdenden Losgrößen, verbunden mit komplexer werdenden Anforderungen an jede Einzelbestellung, werden die Kosten für das Einholen und die Bewertung von Angeboten zu einem ganz entscheidenden Kostenfaktor, der nicht mehr vernachlässigt wird“, erklärt Adrian Raidt. „Das Lieferantenmanagement für B- und C-Teile wird zunehmend ausgelagert und auf Spezialisten übertragen, während sich der Einkauf auf die Beschaffung von A-Teilen konzentriert.“

  1. Die vernetzte Fertigung kommt nicht in Fahrt

Die vernetzte Fertigung unter dem Schlagwort Industrie 4.0 ist Thema auf allen branchenrelevanten Messen. In den Fertigungshallen ist sie jedoch höchst selten anzutreffen. Aus gutem Grund, denn den bestehenden Lösungen fehlt die Alltagstauglichkeit, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Mangelnde Nachrüstbarkeit: Nur selten werden Fabriken auf der grünen Wiese geplant und mit den neuesten Maschinen nur eines Herstellers ausgestattet. Die mangelnde Vernetzbarkeit älterer Fabrikate sowie die unzureichende Kompatibilität von Maschinen unterschiedlicher Hersteller machen die Vernetzung einer bestehenden Fertigung nahezu unmöglich.
  • Fehlende Kundenakzeptanz: Ein Barcode auf jedem Teil zur eindeutigen Identifizierbarkeit und zum Abruf aller fertigungsrelevanten Informationen zum richtigen Zeitpunkt würde der Fertigung erhebliche Effizienzgewinne verschaffen. Es gibt jedoch kaum einen Blechbearbeiter, der alle seine Kunden davon überzeugen kann, einen Barcode auf ihren Teilen zu akzeptieren. Barcode und Begleitpapiere parallel bringen keine Effizienzgewinne.
  • Unzureichender Produktivitätsgewinn: Moderne Intralogistik-Lösungen erlauben die Ortung von internen Flurförderfahrzeugen auf den Zentimeter genau, was die Suchkosten nach einzelnen Aufträgen und Teilen massiv reduzieren soll. Bei einer gut organisierten Fertigung mit sauberen Abläufen sind die Suchkosten auch ohne modernste Technik gering. Und wer eine chaotische Fertigung digital abbildet, hat nicht etwa gute, sondern vielmehr schlechte digitale Prozesse. Die Liste ließe sich um viele weitere Beispiele ergänzen. Fazit: Die vernetzte Fertigung bleibt außerhalb der Messestände etwas sehr Seltenes.
  1. Plattformen werden zur zentralen Schnittstelle zwischen Kunde und Blechbearbeiter

Modernste Festkörper-Laserschneidanlagen erreichen im Dünnblech-Bereich heute die 8-fache Schneidegeschwindigkeit gegenüber Maschinen aus dem Jahr 2010. Es ist höchst beeindruckend, welche Produktivitätsgewinne Lasermaschinen in den vergangenen Jahren erreicht haben. Was hingegen heute noch gleich ist wie vor 30 Jahren, ist die Schnittstelle zwischen Kunde und Blechbearbeiter. Anfragen werden unstrukturiert per Telefon, E-Mail oder gar Fax aufgegeben und manuell bearbeitet. Die Daten werden in aufwändigen manuellen Prozessen in Tabellen oder Systeme eingegeben und kalkuliert. Der Großteil der zeitraubenden Anfragen führt dabei nicht zu einem Auftrag. Vertrieb und Arbeitsvorbereitung kommen mit der höheren Geschwindigkeit der Maschinen nicht mehr mit, wodurch die modernen Maschinen oft nicht ausgelastet sind, was nicht zu vertreten ist im 21. Jahrhundert. Digitale Plattformen können durch einfache Handhabung, unmittelbare Preistransparenz und die durchgängige Digitalisierung der Prozesse vom Kunden bis zum Programmierer fundamentale Vorteile bieten.

Entscheidend sind hierbei jedoch die Netzwerkeffekte, die Plattformen nutzen können. Plattformen ermöglichen die optimale Platzierung der einzelnen Aufträge bei Lieferanten unter Berücksichtigung von aktueller Auslastung, Maschinenpark, Verschnitt, Qualitätsanforderungen und der Distanz zum Kunden. Allein die Tatsache, dass der durchschnittliche Materialverschnitt bei 40 Prozent liegt, zeigt die immensen Potenziale einer perfekten Zuordnung von Aufträgen. In der Frühphase des Internets dienten Plattformen vor allem der Vermittlung von Aufträgen in Form von Auktionen. Der Produktivitätsgewinn war gering.

„Moderne Plattformen übernehmen deutlich mehr Aufgaben und gehen als Vertragspartner des Kunden selbst ins Risiko. Sie zeigen sich verantwortlich für den gesamten Bestellprozess von der Bestellung bis zur Auslieferung der Teile, inklusive der Abwicklung von Reklamationen“, erläutert Adrian Raidt. „In nur zwei Jahren haben wir uns (die Plattform „Laserhub“, Anm.d.Red.) zum zentralen Akteur entwickelt und sind bereits zum etablierten Partner für Ingenieurbüros, Maschinenbauer aber auch Dax-Konzerne avanciert.“

  1. Spezialisierung wird unausweichlich

Spezialisierung ist bei Lohnfertigern in der Blechbearbeitung heute selten. Vom 0,5-mm-Edelstahl bis zum 20-mm-Aluminium – die Kunden werden in der Regel vollumfänglich bedient. Die Wirtschaftlichkeit einzelner Aufträge wird der Lieferfähigkeit untergeordnet. Durch immer kleiner werdende Losgrößen, stets zunehmende Anforderungen (z.B. an die Oberflächen) sowie die unterschiedlichen Stärken unterschiedlicher Maschinentechnologien werden es die „Generalisten“ zunehmend schwer haben. Die heute schon vielfältige Struktur der Blechbearbeitung – mit weit über 10.000 Betrieben in Europa – wird durch unterschiedliche Spezialisierungen zunehmend diverser werden. Helfen werden hierbei wiederum digitale Plattformen, die den Spezialisten überregionale Vertriebskanäle zu neuen Zielgruppen öffnen und dem Kunden effizient zum passenden Fertiger verhelfen.

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