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Die spiralförmige Wendeltreppe mit brüstungshohen Wangen hat eine statisch mittragende Stahluntersichtsverkleidung

Die Treppe des Jahres

02.08.2018

In Asten/OÖ hat das Architekturbüro Coop Himmelb(l)au für den Backmittelhersteller backaldrin eine spektakuläre Wendeltreppe entworfen.

14 Elemente à 4,5 Tonnen kamen durch das Dach und wurden dann zusammengesetzt.
Außen auffällig und innen spektakulär. Die Architektur des „Paneum“ in Asten.
Die Architekten

Coop Himmelb(l)au zählt zu den renommiertesten Architekturbüros weltweit. Kreative Köpfe aus 19 Ländern arbeiten in Büros in Wien, Los Angeles, Großbritannien und Australien. Zu den bekanntesten Bauwerken zählen die BMW Welt in München, das Akron Art Museum in Ohio und das Musée des Confluences in Lyon. Für die Qualität der Projekte sprechen zahlreiche Auszeichnungen, wie beispielsweise der Große Österreichische Staatspreis sowie der Deutsche Architekturpreis.

Auf dem Firmengelände des Backgrundstoffherstellers „backaldrin“ präsentiert sich seit Herbst 2017 das „Paneum“ – Wunderkammer des Brotes – geplant vom Architekturbüro Coop Himmelb(l)au in Wien. Der untere eckige Teil des Gebäudes ist als Kundeninformationszentrum sowie Veranstaltungsforum konzipiert. Darauf aufgesetzt ist die architektonisch herausragende „Wunderkammer des Brotes“ mit einer Ausstellung zur Geschichte des Lebensmittels. Den Mittelpunkt des spektakulären Baus bildet die freitragende spiralförmige Wendeltreppe mit brüstungshohen Wangen von der deutschen MetallArt Treppen GmbH aus der Nähe von Stuttgart. Die Treppe bietet den Besuchern besten Blick auf die frei schwebenden Ausstellungsstücke zum Thema Brot und Backen.

Aufwändige Konstruktion

Die Besonderheit der Wendeltreppe ist ihr 5-läufiger Grundriss, der einem umgedrehten Kegel entspricht. So bewegt sich die Laufbreite vom An- zum Austritt ansteigend zwischen ca. 1475–2500 mm, und auch die Menge an eingesetztem Stahl für die Außen- und Innenwangen nimmt mit steigender Höhe zu. „Die außergewöhnliche Geometrie stellte für uns im technischen Büro eine besondere Herausforderung dar. Zum Beispiel konnten die Treppenwangen nicht in einem einheitlichen Radius gefertigt werden, sondern mussten aus vielen Radien zusammengesetzt werden. Da jede Stufe eine andere Laufbreite hat, war der Konstruktionsaufwand außerdem dementsprechend hoch“, so der Konstruktionsleiter von MetallArt.

Auch die Mittelachse der Treppe ist nicht vertikal angeordnet wie gewöhnlich, sondern verläuft leicht geneigt. Doch nicht nur die Form macht die Wendeltreppe zum Eyecatcher. Durch die statisch mittragende Stahluntersichtsverkleidung, für die MetallArt 2017 den Bundespreis für herausragende innovatorische Leistungen gewann, wirkt die Konstruktion wie eine Skulptur – zumal sie so prominent im Raum platziert ist. Mit transparenten Ganzglasgeländern auf allen drei Ebenen und Leuchtkonsolen entlang der äußeren Handläufe ergibt sich ein markantes Zusammenspiel von Materialien und Lichtverhältnissen. Die Wangen selbst wurden jeweils am An- und Austritt direkt und kraftschlüssig auf der tragfähigen Rohdecke befestigt.

Die LED-Beleuchtung konnte bauseits durch eine unterseitige Aussparung am Edelstahlrundrohr, das als Handlauf dient, realisiert werden. Alle Handläufe wurden gleichmäßig steigend gerundet ausgeführt.  

Aus einem Haus

MetallArt vereint das komplette Engineering – 3D-Konstruktion, statische Finite-Elemente-Berechnungen und Schwingungsanalysen sowie Fertigung – unter einem Dach. Die Treppe wurde komplett im eigenen Werk gebaut und im Anschluss in transportable Teilstücke zerlegt. Mit einem Baukran kamen die 14 Elemente (ca. 4,5 Tonnen pro Teil) über das offene Dach ins Gebäude und wurden anschließend zusammengesetzt. Die Treppe wurde an einem Sichtbetonkragen befestigt, wobei äußerste Vorsicht geboten war, diesen nicht zu beschädigen. Kunde, Auftraggeber und Architekturbüro zeigten sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Neben der guten Zusammenarbeit beeindruckte uns der präzise Einbau der Stahlkonstruktion durch die Spezialisten von MetallArt. Wir sind begeistert, wie diese imposante Treppenskulptur das Gebäude vervollständigt“, so der Gründer des renommierten Architekturbüros Wolf D. Prix.

Das architektonische Meisterwerk des Stahlbaus wurde beim jährlichen Wettbewerb „Treppen des Jahres“ in der Kategorie „Architektur“ ausgezeichnet.

Autor/in:
Redaktion Metall
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