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Die Zeit drängt

17.11.2011

Die Mehrheit der Metallbauer ist mit den Vorbereitungen zur EN-1090-Zertifi­zierung im Verzug. Der Zertifizierer Bureau Veritas sieht deshalb kommende Engpässe bei den Prüfverfahren.

In wenigen Monaten – ab Juli 2012 – dürfen tragende Bauteile aus Stahl beziehungsweise Aluminium nur noch dann in Verkehr gebracht werden, wenn sie nach den Vorgaben der EN 1090 mit der CE-Kennzeichnung versehen sind. Etwa zwei Drittel der 5000 heimischen Metallbauer und Schlosser müssen sich deshalb zwecks EU-konformer Produktzulassung bis 1. Juli 2012 einer Zertifizierung unterziehen. Konkret schreibt die entsprechende Euronorm eine verpflichtende Überprüfung der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) vor, die von eigens akkreditierten Zertifizierungsstellen durchgeführt wird.

„Zeit also, sich vorzubereiten. Denn konkret heißt dies, dass bis dahin in den Unternehmen eine Art Qualitätssicherungssystem für die Produktionskontrolle eingerichtet werden muss und von einer unabhängigen Stelle zu überprüfen ist", erklärt Dr. Peter Jonas, Director Certification bei Austrian Standards plus, und ergänzt: „Wer rechtzeitig das Zertifikat hat, hat sicher einen Wettbewerbsvorsprung."

Dipl.-Ing. Rudolf Pichler, Österreich-Geschäftsführer des international tätigen Zertifizierungsunternehmens Bureau Veritas, ortet allerdings Säumigkeit unter den Herstellern. „Wir schätzen, dass mehr als die Hälfte der rund 3500 betroffenen Unternehmen sich noch nicht mit der Aufgabe beschäftigt hat!" Pichler spricht von dringendem Handlungsbedarf vor allem bei den Klein- und Mittelbetrieben (KMU), die den erforderlichen Aufwand offenbar unterschätzen würden: „Der Prüfungsprozess ist vor allem für die vielen kleinen Betriebe eine große Herausforderung", warnt Pichler. Die Zeit dränge umso mehr, weil bei so manchem Schlosserbetrieb noch zusätzlich Personal geschult oder WPK-Strukturen eingezogen werden müssten, um „CE-reif" zu werden.

 

Engpass bei Prüfanstalten

Zu Problemen könne es auch angesichts der derzeit noch geringen Zahl an prüfungsberechtigten Zertifizierungsunternehmen kommen, so Pichler. Denn die Prüfanstalten müssen zunächst selbst einen Akkreditierungsprozess durchlaufen, um eine Prüfungsberechtigung für die werkseigene Produktionskontrolle bei Stahlbauunternehmen zu erlangen. Je näher die Frist rückt, umso größer werde der Andrang bei den Prüfstellen, was wiederum mangels Kapazitäten zu Verzögerungen über den Stichtag hinaus führen kann, betont Pichler. „Meine Sorge ist, dass die Unternehmen zu lange warten und dass es dann zu einem Engpass bei den Prüfungskapazitäten kommt." Ein Versäumen des Stichtages 1. Juli 2012 könne in der Folge auch negative Auswirkungen auf diverse Produktionsketten haben, meint Pichler, weil die Stahlbauer Tragwerke zumeist für die Verarbeitung in Bauobjekten fertigen.

Für die Überprüfung der werkseigenen Produktionskontrolle hat Bureau Veritas ein eigenes Auditorenteam aus spezialisierten Statikern und Schweißfachingenieuren für Stahlbauprodukte zusammengestellt. Dieses stellt den Vorgaben entsprechend fest, ob die Berechnung von Konstruktionen normgemäß erfolgt, ob die erforderliche Hard- und Software und geeignetes Personal vorhanden sind. Weiters wird die Normkonformität von Schweißkonstruktionen sowie der werkseigenen Produktionskontrolle insgesamt geprüft. 

 

www.as-plus.at/certification

www.bureauveritas.at

Autor/in:
Redaktion Metall
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