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Die Zeit zur Umsetzung drängt!

21.08.2012

Die Fachexperten der Innung haben das für unsere Betriebe wichtige Thema „Umsetzung der EN 1090“ intensiv und eingehend erörtert, um für Betriebe eine gangbare Lösung zu finden. Im Folgenden werden einige grundlegende Punkte erläutert.

Zur Erinnerung: Die EN 1090 gliedert sich in drei Teile: EN 1090-1, EN 1090-2 und EN 1090-3, wobei unsere Betriebe in der Regel nur von den ersten beiden betroffen sein werden.

Die EN 1090-2 (ein großer Schritt für die Zertifizierung nach EN 1090-1) befasst sich mit den technischen Anforderungen und Ausführungen von Stahltragwerken.

Zur Information: Stahltragwerke sind all jene Bauteile, die per Definition einer gewissen vorgeschriebenen Belastung standhalten müssen; also nicht nur Trägerkonstruktionen, sondern auch einfache Bauteile wie Geländer, Gitterroste, Dachleitern etc.

Im zweiten Teil ist auch die Qualifizierung als Schweißbetrieb gem. EN 3834 Teil 2–4 anstelle der zuletzt gültigen ÖN M 7812 (Prüfbuch) beinhaltet.

Die Qualifizierung nach EN 1090-1 erlangen Sie im Zuge eines Zertifizierungsverfahrens durch eine unabhängige, in Brüssel notifizierte Prüfstelle nach Umsetzung der im Teil 2 genannten Voraussetzungen (inkl. Qualifizierung als Schweißbetrieb).

1. Ausführungsklassen/Executionclasses (Exc):
Als ersten Schritt empfehlen wir die betriebsinterne Beurteilung, in welcher der vier Ausführungsklassen (Exc 1 bis Exc 4) Sie arbeiten bzw. welche Klasse aufgrund der bisherigen Aufträge auf Sie zutrifft. Eine wichtige Hilfe dazu – auch beim Gespräch mit Kunden (Architekten, Hausverwaltungen, Private) – ist der „Leitfaden für die Wahl von Ausführungsklassen von Bauwerken, Tragwerken und Bauteilen bei Stahl- und Aluminiumtragwerken“ des Normungsinstituts, ONR 21090.

Exc 1 = Executionclass 1:
Das ist die Ausführungsklasse, die voraussichtlich auf einen Großteil der Mitgliedsbetriebe zutreffen wird. Darin geregelt sind Tragwerke kleineren Ausmaßes, bei deren Versagen lediglich geringe Gefahren für Menschenleben und/oder kleine oder vernachlässigbare wirtschaftliche, soziale oder umweltbeeinträchtigende Folgen zu erwarten sind.

Exc 2:
In diese Ausführungsklasse fallen alle Tragwerke im öffentlichen und halb öffentlichen Bereich (Mehrfamilienhäuser, Schulen, öffentliche Gebäude). Erschwerend kommt derzeit hinzu, dass bis auf weiteres alle nicht klar der Exc-Klasse 1 (bzw. 3 oder 4) zuzuordnenden Bauteile entsprechend den Richtlinien für die Exc 2 auszuführen sind.

Exc 3 und Exc 4:
Hierunter fallen Schweißkonstruktionen mit besonderen Anforderungen und Kenntnissen an Material und Schweißverfahren (Brücken etc.). Betriebe, auf die die Ausführungsklassen Exc 3 und 4 zutreffen, haben in der Regel schon jetzt ein entsprechendes Qualitätssicherungsmanagement aufgebaut.

2. Welche Schritte sind notwendig, um auch weiterhin Aufträge gesetzeskonform durchführen zu können?
Für den Anfang brauchen Sie eine Ist-Analyse der notwendigen bzw. der schon vorhandenen Qualifikationen für die zu fertigenden Bauteile („Kann ich/Darf ich“-Prüfung):
Überprüfung der vorhandenen Schweißqualifikationen für die verwendeten Schweißverfahren und gegebenenfalls Erneuern/Ergänzen der Schweißerzeugnisse gem. EN 287-1 und 2.

Die Innung organisiert in enger Kooperation mit dem Wifi, dem TÜV Süd/SZA und der SZA in unseren neu adaptierten Innungswerkstätte Wiederholungs- und Ergänzungskurse für EN 287-Prüfungen.

Dazu ersuchen wir Sie um möglichst rasche Bekanntgabe Ihres Bedarfs an Schweißprüfungen, sodass wir diese ab September für Sie anbieten können.

Im Falle der Ausführung von Arbeiten entsprechend Exc 1 ist als Schweißaufsicht die Meisterprüfung im Handwerk Metalltechnik (Schlosser) ausreichend. Im Falle der Ausführung von Arbeiten entsprechend Exc 2 ist weiters eine Schweißaufsichtsperson (je nach Anforderungen) zu stellen (auszubilden).

Speziell hierzu bietet das Wifi in Kooperation mit der SZA einen „SZA-Schweißwerkmeister-Lehrgang“ (IWS – International Welding Specialist), erstmals als Wochenendkurs in Wien an.

Je nach Exc-Klasse ist eine einfache Zertifizierung („Mini-Zertifizierung“) über die Einführung eines Qualitätsmanagements mittels weniger einfacher Dokumente (Tabellen) bis hin zur Einführung einer werkseigenen Produktionskontrolle erforderlich. Diese Dokumente sind in der Regel für jeden Betrieb unterschiedlich und in Zusammenarbeit mit der Zertifizierungsstelle bzw. deren Experten zu erstellen. Musterformulare werden von diesen gerne zur Verfügung gestellt.

Werkseigene Produktionskontrolle – Handbuch
Wir empfehlen in diesem Zusammenhang unser eintägiges Seminar in Zusammenarbeit mit dem Wifi Wien: „Einführung einer Werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) nach EN 1090“ (siehe unser Angebot zur EN 1090 für Sie).

Dieses Vorbereitungsseminar bietet einen ersten praktischen Überblick über die notwendigen Dokumente. Sie werden mithilfe eines praktischen Musterhandbuchs mit den Anforderungen der Qualitätssicherung nach EN 1090 detailliert vertraut gemacht.

Das Musterhandbuch wurde vom Wifi in Zusammenarbeit mit der Metalltechnikinnung und akkreditierten Stellen erarbeitet. Sie erhalten dies inklusive eines Musterauftrags und den dazugehörigen Checklisten, um diese auf die ­speziellen Bedürfnisse Ihres Unternehmens adaptieren zu können.
Je nach Ist-Zustand wird der Zeitbedarf zur Erlangung der benötigten Zertifizierung unterschiedlich groß sein. Der an sich knappe Termin 30. 6. 2012 für die Normenumsetzung wurde mit Unterstützung unserer Innung in Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen auf europäischer Ebene um zwei Jahre auf 30. 6. 2014 verlängert. Diese Frist verschafft Ihnen eine kleine Atempause, gilt jedoch nur für die Zertifizierung (EN 1090-1). Da die Anzahl der Betriebe, die zertifiziert werden müssen, aber sehr hoch ist, gehen Sie das „Problem“ bitte dennoch möglichst rasch an. Stellen Sie rechtzeitig einen Antrag auf die Zertifizierung.

Denn: Unbeschadet der Fristerstreckung für die EN 1090 ist mit 1. 1. 2012 die neue LBH (Leistungsbeschreibung Hochbau) mit den Leistungsgruppen 31 und 32 (Schlosserarbeiten und Stahlbau) in Kraft getreten. In den Vorbemerkungen wird ausdrücklich auf die EN 1090 und verwandte Normen Bezug genommen, sodass diese automatisch Vertragsbestandteil Ihrer Werkverträge werden.

Geförderte Unternehmensberatung
Als „Wegbegleitung“ für Sie haben wir gemeinsam mit dem Wifi-Wien ein Beratungspaket für die Zertifizierung nach EN 1090 geschnürt: Wenn Sie über das Wifi-Wien einen speziell dafür geschulten Unternehmensberater in Anspruch nehmen, erhalten Sie für bis zu acht Stunden eine 75-prozentige Förderung durch Wifi und Innung.

Ziel dieser Partnerschaft ist es, Ihnen Ansprechpersonen – von der Erstinformation bis hin zur Zertifizierung – zur Seite zu stellen, um diesen Prozess für Sie optimal zu gestalten. Unternehmensberater, Prüfer und Zertifizierungsstelle stehen in ständigem Kontakt zueinander, sodass die Umsetzung für Sie möglichst rasch und kostengünstig erfolgen kann. 

Autor/in:
Redaktion Metall
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