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Digitalisierung: Aufholbedarf bei Handwerk und Gewerbe

22.11.2017

Im September 2017 wurde eine Studie veröffentlicht, die den Status der Digitalisierung der KMU in Österreich in den Fokus nahm.

Studie Digitale Transformation von KMUs in Österreich von Arthur D. Little im Auftrag der WKO, dem Institut für KMU-Management und Drei; befragt wurden 1.700 Klein- und Mittelbetriebe (KMU) aus sieben Branchen (Bank & Versicherung, Gewerbe & Handwerk, Handel, Industrie, Information & Consulting, Tourismus & Freizeit, Transport & Verkehr).

In der Studie wurde festgehalten, dass an diesem Thema kein Weg vorbeiführt und eine „Kopf-in-den-Sand-stecken“-Strategie nicht empfehlenswert ist. Die Kunden haben die Nase vorne, sie haben den höheren Wissensstand – und fordern von den Betrieben die Weiterentwicklung ein. Aktuell driftet das Verhalten der Nutzer und die Digitalisierung der Betriebe auseinander.

„Wird der Begriff in Einzelkomponenten zerlegt, weicht das Ohnmachtsgefühl“, macht KommR Harald Schinnerl, Bundes- und NÖ Landesinnungsmeister Mut, „vieles davon haben unsere Betriebe umgesetzt und ist im Alltag integriert. Wer allerdings bis jetzt keine Website hat oder nicht per E-Mail kommuniziert, sollte darüber nachdenken, ob er die Chancen der digitalen Welt wirklich ungenützt lassen möchte.“

Digitalisierung – die Summe vieler Einzelheiten

Digitalisierung bedeutet die konsequente Ausrichtung seiner Produkte, Dienstleistungen und Betriebsabläufe auf die digitale Welt. Während das schon erwähnte E-Mail bereits bei 99 Prozent der Befragten als präferiertes Kommunikationsmittel genannt wurde, ist das „Internet der Dinge“ bislang nur in der Industrie angekommen. Die Bandbreite umfasst weiters den eigenen Webauftritt, Social-Media-Aktivitäten aber auch Datensicherung, IT- bzw. Cloud-Lösungen, Buchhaltungs-Software, elektronische Rechnungserstellung bis zur elektronischen Beschaffung. Vieles davon wollen die KMU laut Studie in den nächsten zwölf Monaten in unterschiedlicher Intensität realisieren.

Fehlendes Know-how

Aufholbedarf besteht vor allem beim Know-how, das zur Umsetzung gebraucht wird. Begründet ist dies sicher mit der Unsicherheit, wie und welche Ziele formuliert und erreicht werden können. Es mangelt an Information und Wissen, teilweise an finanziellen Ressourcen; als Hindernis wird eine oftmals veraltete Infrastruktur erachtet. In die Überlegungen fließen auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen ein, die Datenschutzverordnung 2018 wird als Treiber gesehen. Sie trägt aber nicht unbedingt dazu bei, vage Vorstellungen klarer erscheinen zu lassen. Hier wird noch viel an Beratungsleistung zu erbringen sein, diese wird aber ausdrücklich von mehr als der Hälfte der Befragten erwünscht.

Chancen der digitalen Transformation

Die Digitalisierung bietet viele Chancen. Vor allem im Bereich der Kundenbeziehung oder zur Gewinnung von Neukunden vereinfachen sich die Wege und Abläufe. In diesem Bereich ist die Digitalisierung auch am weitesten fortgeschritten, viele Tools und Möglichkeiten werden selbstverständlich genutzt. Die Modernisierungsmaßnahmen sollten sich auch finanziell auszahlen; eine dauerhafte Einsparung von Kosten wird erwartet.

Qualität und Betriebsabläufe

Die Digitalisierung nimmt Einfluss auf Produkte und Dienstleistungen, auch sie werden sich verändern. Mit verstärkter Automatisierung kann die Qualität auch im Servicebereich erhöht und die Effizienz gesteigert werden. Betriebe können die Geschwindigkeit optimieren und die immer mehr werdenden, kurzfristigen Aufträge annehmen und erfüllen. Ein Ansatzpunkt, der Potenzial für das Gewerbe birgt. Allerdings gehen hier die Meinungen auseinander – viele KMU sehen mit der Vereinfachung auch einen Qualitätsverlust einhergehen. Befürchtet werden auch negative Auswirkungen auf die Beschäftigung. Gleichzeitig wird auf Altbewährtes gesetzt – während (fast) alle anderen Branchen planen, neue Technologien nutzen zu wollen, möchte der Bereich Gewerbe & Handwerk laut Studie seine Betriebsabläufe unverändert lassen.

Die digitale Transformation sollte auf der Agenda eines jeden Unternehmensinhabers bzw. jeder Führungskraft stehen – sie wird ein neues Zeitalter einläuten.  [Text: Doris Bracher]

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