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Energieeffiziente Ästhetik

17.01.2019

Wärmedämmung. Der Pionier der „Warmen Kante”, Edgetech, feiert 30 Jahre „Super Spacer”.

Bei anspruchsvollen, nachhaltigen Bauprojekten zählt nicht nur der Psi-Wert einer Warmen Kante. Die Bedeutung von Ästhetik, präziser, automatisierter Applikation und Langlebigkeit hat zum Dauerthema Energieeffizienz aufgeschlossen – wie ein Wiener Vorzeigeprojekt zeigt.

Als mit dem „Super Spacer” das weltweit erste metallfreie Warme Kante Abstandhaltersystem 1989 auf dem Markt eingeführt wurde, war der Begriff Nachhaltigkeit gerade erst auf dem Weg von der Nische in den Mainstream. „Noch bevor die Ära der Low-E Wärmedämmgläser begann, bot der Super Spacer bereits die Möglichkeit, den Randverbund thermisch zu optimieren. Wir betrachten uns also mit Stolz als Pioniere der Warmen Kante“, führt Joachim Stoß, Geschäftsführer der Edgetech Europe GmbH aus. Im Jubiläumsjahr blickt die europäische Tochter der amerikanischen Quanex Building Products Corporation, die ihre flexiblen Abstandhalter in den USA, Großbritannien und Deutschland produziert, optimistisch in die Zukunft. Die Branche erwartet eine weitere Verschärfung der Vorschriften für energieeffizientes Bauen, darüber hinaus setzen anspruchsvolle Bauherren und Investoren das Thema Nachhaltigkeit mit all seinen Facetten bei Neubauten ganz oben auf ihre Prioritätenliste. Eine aktuelle Marktstudie von Global Market Insights prognostiziert für kommerzielle Bauten bis 2024 alleine in Deutschland einen jährlichen Bedarf von 100 Millionen Warme Kante Metern.

Stand der Technik

Ein niedriger Psi-Wert für die Wärmebrücke am Glasrand ist und bleibt ein wesentlicher Aktivposten für eine positive Energiebilanz – auch nach Meinung von Hanspeter Petschenig, Geschäftsführer der Petschenig glastec GmbH. Für das neueste Vorzeigeobjekt, die attraktiven Parkapartments am Belvedere und das Hotel Andaz Vienna am Belvedere in Wien, geplant von Renzo Piano Building Workshop, lieferte der österreichische Glasverarbeiter rund 15.000 m2 wärme- und schalldämmende sowie absturzsichernde Isolierglaselemente mit Super Spacer Abstandhaltern. Die niedersächsische Flintermann Glasverdelungs GmbH steuerte gebogene Isolierglaselemente für einen Teil der Gebäudekanten bei. „Die anspruchsvolle Scheibengeometrie hat unsere Mannschaft schon gefordert“, erläutert Prokurist Reinhard Gruber. Fünf großformatige Einzelscheiben, an den Enden gerade auslaufend und einer mittigen Biegung mit sehr engem Radius wurden mit Super Spacer TriSeal Premium Plus zu Dreifach-Isolierglaseinheiten zusammengesetzt. 

Architektur und Natur

Das Immobilienprojekt im neuen Stadtquartier Belvedere südöstlich des Wiener Hauptbahnhofs wurde von der Signa Group bzw. einem Signa Group/Hyatt Joint Venture beauftragt und war in jeder Hinsicht herausfordernd. Bereits 2008 hatte der ursprüngliche Projektentwickler den italienischen Architekten (Renzo Piano Building Workshop) hinzugezogen. Ein moderner Hochbau in unmittelbarer Nachbarschaft der barocken Schlossanlagen Belvedere, des Schweizer Gartens und des Botanischen Gartens musste so konzipiert werden, dass das Weltkulturerbe Belvedere nicht gestört werde, sagte Piano damals sinngemäß in einem Interview. Sein architektonisches Credo in puncto städtebauliche Ästhetik: der Vergangenheit ihren Platz lassen, aber immer in die Zukunft blicken. Eines seiner architektonischen Ziele: Schlussmachen mit der seelenlosen Peripherie der Städte. Vorstädte müssen sich zu lebenswerten, urbanen Zentren mit sozialen und kulturellen Treffpunkten entwickeln, die die Menschen verbinden. Piano ist aber gleichzeitig auch einer der Vorreiter für nachhaltiges Bauen, verwendet langlebige Materialien und sucht mit seiner Architektur die Verbindung zur umgebenden Natur. Die 342 Apartments und das 303-Zimmer Hotel mit Skybar, Ballsaal und einem großen Conventionbereich verteilen sich auf fünf Türme mit polygonalen Grundrissen, die auf schlanken, mehrere Meter hohen Pylonen aufgestelzt sind. Pianos Inspiration für die Säulen waren die Baumstämme in den umliegenden Parkanlagen. Grünflächen unter den Türmen verlängern den angrenzenden Schweizer Garten quasi bis in das mehr als 10.000 Quadratmeter große Grundstück hinein. Die schöne Aussicht „Belvedere“ wird hier auf beeindruckende Weise zur Realität, denn die ersten Geschosse schweben über den Baumkronen und von den Türmen aus eröffnet sich ein einzigartiger Fernblick über Wien hinaus.

Fassade auf dem Prüfstand

Für das Erdgeschoss der beiden Hoteltürme wählte man eine Pfosten-Riegel-Fassade, 28.000 m2 Fassade wurden als Elementfassade ausgeführt. Auch beim Material der Fassade suchte Piano wieder nach dem verbindenden Element. Als Hommage an die historische Ziegelfassade des benachbarten ehemaligen Wiener Arsenals wählte er Keramik, ein Material, das Piano dank des natürlichen Ursprungs, der Langlebigkeit, der Fähigkeit, Licht zu reflektieren und der Wandelbarkeit immer wieder verwendet. Unter anderem verbaute die projektverantwortliche Strabag Metallica 60.000 grau glasierte Keramikleisten mit einem Gesamtgewicht von 770 Tonnen und 1.100 Dreifach-Isoliergläser in den 5.600 Fassadenelementen. Nur sechs Monate vergingen von der Auftragsvergabe im Mai 2017 bis zum Setzen des ersten Elements. Eine herkulische Aufgabe, denn zwischen Planung respektive Konstruktion und Fertigung der Komponenten lag ein aufwändiger Prüfprozess. Alle Elemente mussten sowohl in der Simulation als auch auf dem Prüfstand nachweisen, dass sie die hohen bauphysikalischen Anforderungen an Wärmedämmung und Schallschutz erfüllen.

Abstandhalter-Applikation

„Ohne automatisierte Isolierglaslinie ist ein Projekt mit so engen Termin- und Qualitätsvorgaben praktisch nicht zu stemmen“, ist sich Hanspeter Petschenig sicher. „Die robotergesteuerte Applikation der flexiblen Super Spacer Abstandhalter garantiert zum einen absolute Scheibenparallelität, zum anderen ist die Fertigung natürlich deutlich schneller, denn ein flexibler, thermoplastischer Abstandhalter muss weder gebogen, noch gefüllt, verbunden und butyliert werden. Gerade bei großen, raumhohen Scheiben, wie sie im Belvedere Projekt eingesetzt werden, ist der präzise, millimetergenaue Auftrag der flexiblen Abstandhalter ein entscheidendes Kriterium. Auch die Optik eines Abstandhalters wird laut Petschenig immer wichtiger. „Super Spacer reflektieren die Farbe des Rahmenprofils und wirken dadurch völlig farbneutral“, erklärt Petschenig.

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