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Georg Warsberg: „Intertool als Schmelztiegel der Industrie“

23.06.2020

Seit November 2019 leitet Georg Warsberg als Category Manager Prodution & Trade die Industriemessen im Portfolio von Reed. Im Interview mit der METALL erzählt er, warum man sich nach der Corona-bedingten Absage der diesjährigen Intertool im Mai für ein völlig neues Messekonzept entschieden hat, was Aussteller und Besucher 2022 erwarten dürfen und was er von den von der Bundesregierung veröffentlichten gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Abhaltung von Messen hält.

„Durch die Veröffentlichung haben wir endlich die lang ersehnte Planungssicherheit für uns und unsere Kunden bekommen. Besonders erfreulich ist, dass wir Messen mit minimalen Sicherheitsauflagen durchführen können“, sagt Georg Warsberg.

METALL: Herr Warsberg, am 14. Juni hat die Österreichische Bundesregierung die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Abhaltung von Messen veröffentlicht. Unter bestimmten Auflagen dürfen diese nun wieder stattfinden. Ein wichtiger Schritt?

Georg Warsberg: Ja das ist es durchaus. Durch die Veröffentlichung haben wir endlich die lang ersehnte Planungssicherheit für uns und unsere Kunden bekommen. Besonders erfreulich ist, dass wir Messen mit minimalen Sicherheitsauflagen durchführen können. Im Wesentlichen – zumindest nach derzeitigem Stand – heißt das, keine Maskenpflicht sofern der vorgeschriebene Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden kann. Detto haben wir keine Begrenzung der Besucherzahl sowohl am Gelände, als auch am Messestand. Sie sehen also: Damit lässt sich arbeiten.

METALL: Wie haben Sie als Leiter die Industriemessen bei Reed die letzten Wochen und Monate des „Covid-19-Ausnahmezustands denn erlebt?

Warsberg: Es war natürlich nicht einfach. Aber wir haben die Zeit während der Krise genutzt, um an einem neuen Konzept für die Intertool zu arbeiten. Diese wird nun erstmalig von 10. bis 13. Mai 2022 am Messestandort Wels stattfinden. Mit dem neuen Standort gehen wir auch beim Messekonzept neue Wege.

METALL: Warum hat man sich dazu entschlossen, den ausgefallenen Termin in diesem Jahr nicht mehr nachzuholen?

Warsberg: Wir sind im engen Austausch mit Branchenvertretern und allen wichtigen Stakeholdern. Diese Entscheidung geschah im Sinne der Branche.

METALL: Und was sind die Gründe für diesen kompletten Neustart der Intertool?

Warsberg: Wir sind ein professioneller Dienstleister und haben damit unser Ohr am Markt. Oberösterreich hat den größten heimischen Industriecluster, ist sozusagen ein industrielles Ballungszentrum. Diesen Weg zu gehen, war eine strategische Entscheidung von Reed Exhibitions gemeinsam mit dem Fachbeirat. Das neue Konzept soll die Messe zum thematischen Schmelztiegel der Industrie machen. Themen wie „Per-per-Use“, „Biomanufacturing“, aber auch vernetzte Wertschöpfungsketten gewinnen immer mehr an Fahrt. Wir möchten die Plattform werden, die die wichtigsten Player rund um diese Themen zusammenbringt.

METALL: Was können Aussteller und Besucher von dem neuen Format erwarten?

Warsberg: Neben visionären Anreizen wollen wir vor allem mit dem Konzept einer hybriden Messe punkten. Wir schaffen einen Mix aus analoger und digitaler Messe. Das erhöht den Wissenstransfer. Darüber hinaus werden wir bis zur Premiere im Mai 2022 mithilfe unserer digitalen Produkte den Spannungsbogen zwischen Ausstellern und Fachbesuchern halten.

METALL: Die neue Intertool soll um eine digitale 365-Tage-Plattform erweitert werden. Wird die Intertool damit mittelfristig zum Internet-Portal?

Warsberg: Internetportal wäre etwas zu kurz gegriffen, denn das gibt es ja schon. Wir haben mit der Website Reed Industry die Idee, eine 365-Tage-Plattform zu schaffen, die unsere Community mit für sie relevanten Themen bespielen soll. Auch Aussteller können dort ihre Produkte und Dienstleistungen einem erweiterten Publikum präsentieren. Medien sollen ebenfalls an Bord geholt werden. Die Intertool selbst bleibt natürlich in ihrer DANN als klassische Fachmesse bestehen. Wir erweitern sie allerdings um einen mächtigen digitalen Kommunikationskanal. Die Community dafür haben wir schon. Jetzt gehen wir den Weg einer hybriden Messe.

METALL: Und was versprechen Sie sich von der Neuausrichtung?

Warsberg: Unser Ziel ist es, den deutschsprachigen Raum verstärkt anzusprechen und neue Ausstellergruppen zu gewinnen. Unser zentraler Fokus bleibt auf Werkzeugmaschinen und Präzisionswerkzeugen. Wir wollen aber deren, ich nenne es einmal „periphere Einzugsgebiete“ ebenso mitttransportieren. Wir präsentieren die Themen, die den Industriesektor bewegen, auf digitalen Plattformen ohne den Messecharakter zu verlieren.

Autor/in:
Theresa Kopper
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