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Nach Jahren des Wachstums schwächte sich der Umsatz der voestalpine im 1. Halbjahr 2019/20 gegenüber der Vergleichsperiode 2018/19 um 2 Prozent von 6,7 auf 6,5 Milliarden Euro ab.

Gewinneinbruch bei voestalpine

06.11.2019

Der Nettogewinn des Linzer Stahlkonzerns sank um 64 Prozent. Bei Andritz ist der Umsatz gestiegen, der Gewinn aber gesunken.

Höhere Rohstoffpreise und eine schwächere Nachfrage der Automobilindustrie setzen dem Linzer Stahlkonzern Voestalpine  stärker zu als gedacht. Der Vorstand dämpfte die Jahresziele und erwartet für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2019/20 einen operativen Gewinn (Ebitda) von etwa 1,3 Milliarden Euro. Bisher hatte der Konzern einen gegenüber dem Vorjahr stabilen Gewinn in Aussicht gestellt, damals waren es 1,6 Milliarden Euro gewesen.

Schon zum Halbjahr schlug sich das schwierige Marktumfeld in den Zahlen nieder. Das Ergebnis nach Steuern brach von 319,9 auf 115,2 Millionen Euro ein – ein Minus von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 6,54 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie (EPS) verschlechterte sich von 1,96 auf 0,54 Euro, also um 68 Prozent. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank der Gewinn (EBITDA) um 22,6 Prozent auf 665,5 Millionen Euro.

Exportorientierte Industrie geschwächt

Die voestalpine erklärte das schlechte Halbjahresergebnis mit einer „deutlichen Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes“. Insbesondere in Europa, wo die voestalpine rund zwei Drittel ihres Umsatzes generiert, sei die exportorientierte Industrie „infolge zunehmender globaler Handelsbeschränkungen“ geschwächt und die Nachfrage aus der Automobilindustrie verringert. Die voestalpine machte zuletzt rund ein Drittel ihres Umsatzes und ihres Ertrages im Automotive-Bereich.

Sparkurs wird verschärft.

Zusätzlich zu den seit Jahren laufenden „Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen“ im Konzern werden bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 (per 31. März 2020) 50 Millionen Euro eingespart, 2020/21 dann nochmals 100 Millionen Euro. Denn: „Generell sehen wir im Moment keine Impulse“, räumt voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner mit Blick auf das schwierige Umfeld ein.

Bereits im ersten Halbjahr (per Ende September) ist der weltweite Personalstand um 1,3 Prozent von knapp 52.000 auf 51.275 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente) zurückgegangen - in Österreich wurde um gut 2,7 Prozent oder 645 Arbeitnehmer auf 22.902 Mitarbeiter gekürzt. Darin enthalten sind den Angaben zufolge Überstunden und Leiharbeitskräfte.

Leasingpersonal stark reduziert

Zu Zeiten der Hochkonjunktur beschäftigt die voestalpine normalerweise rund 3.000 bis 5.000 Leiharbeiter, diese machen also etwa 6 bis 10 Prozent aller Arbeitnehmer aus. „Derzeit sind wir fast bei Null“, sagte Konzernsprecher Peter Felsbach gegenüber der APA. Zum Teil würden aber auch Leasingkräfte als feste Mitarbeiter übernommen.

Gespart wird derzeit laut Eibensteiner vor allem in Form von Überstundenabbau, einer Reduktion des Leasingpersonals und Nicht-Nachbesetzen von freiwerdenden Stellen.

Betroffene Sparten

Bei voestalpine Tubulars (Rohre) im steirischen Kindberg wurde heuer per September von Vierschicht- auf Dreischichtbetrieb mit weniger Personal umgestellt. Im Sommer waren 125 der 1.300 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet worden, für 50 weitere waren neue Stellen innerhalb des Konzerns gefunden worden. Als Grund wurden die US-Strafzölle auf europäische Stahl- und Aluminiumprodukte angegeben - seit 1. Juni 2018 gelten auf Stahllieferungen in die USA Aufschläge von 25 Prozent. Bei der voestalpine Rotec GmbH im obersteirischen Krieglach, wo Präzisionsstahlrohre gefertigt werden, kam es heuer im Oktober konjunkturbedingt zu einer Teilbetriebsstilllegung.

Automotive Problemzone

Im Bereich Automotive, der zuletzt rund ein Drittel zum Umsatz und auch zum Ertrag des Konzerns beisteuerte, krankt es gleich an mehreren Fronten. Die Branche leidet nicht nur an der schwächeren Konjunktur, sondern auch an einer gewissen Orientierungslosigkeit, in welche Richtung es technologisch von den Antrieben her letztlich wirklich gehen wird. „Die Zeichen in der Automobilkonjunktur deuten darauf hin, dass es nicht zu einer raschen Erholung kommt“, sagte der voestalpine-Chef.

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