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Innovation mit Präzision

04.10.2012

Steigenden wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen begegneten die Präzisionswerkzeughersteller auf der internationalen Ausstellung für Metallverarbeitung AMB 2012 mit zahlreichen Neuheiten.

Rund 90.000 Fachbesucher kamen im September nach Stuttgart zur internationalen Ausstellung für Metallverarbeitung AMB 2012. Damit festigt die im Zweijahresturnus stattfindende Fachschau ihren Platz unter den Top fünf weltweit. „Die beste AMB aller Zeiten“, freut sich denn auch Ulrich Kromer, Geschäftsführer der Messe Stuttgart, im vorläufigen Abschlussbericht. Interessant sei laut Veranstalter, dass die Verweildauer des Messepublikums angestiegen ist: Die Fachbesucher blieben diesmal im Durchschnitt 1,3 Tage – dies sei ein Indiz dafür, dass die AMB wichtiger werde und der Bedarf an neuen Werkzeugmaschinen und den zugehörigen Präzisionswerkzeugen ungebrochen hoch sei, so die Messe Stuttgart in ihrer Aussendung. „Die AMB hat mit diesem Ergebnis ihre Bedeutung als eine der fünf wichtigsten Branchenmessen weltweit untermauert“, resümiert Ulrich Kromer.

Kürzere Bearbeitungszeiten
Aber wo liegen die technologischen Trends dieser Vorzeigebranche? Eine Antwort für die spanenden Verfahren Bohren, Drehen und Fräsen suchten das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen. Für deren jüngste Studie haben die beiden Forschungsinstitute rund 150 Unternehmen befragt, darunter mehrheitlich Anwender von Zerspanungstechnologien, Werkzeughersteller und -beschichter sowie Hersteller von Werkzeugmaschinen, Werkstoffen und Sondersystemen für Aktorik, Sensorik und Spannsysteme. „Der wachsende Wettbewerbsdruck führt dazu, dass Anwender von Zerspanungstechnologien sich mit der Forderung nach immer kürzeren Bearbeitungszeiten konfrontiert sehen – bei gleichzeitig geringeren Produktionskosten und gleichbleibender oder sogar höherer Qualität“, fasst Marc Busch, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der „Werkzeugstudie 2012 – Trends in der Werkzeugtechnik“ die zentralen Herausforderungen zusammen. Besonders hohe Forderungen stellen demnach neue, schwer zerspanbare Werkstoffe, die zunehmend häufiger für Produktinnovationen eingesetzt werden. Die Zerspanungswerkzeuge seien bei der Bearbeitung hochwarmfester und hochharter Materialien wie Nickel­basis- und Titanlegierungen, Titan­aluminiden oder pulvermetallurgisch erzeugten Stählen hohen thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Busch: „Sie sind die Ursache für geringe Standzeiten der Werkzeuge, lange Prozesszeiten und mindere Qualität der Bauteiloberflächen.“

Werkzeugstrategien gefragt
Von zentraler Bedeutung sei bereits die Auswahl des richtigen Werkzeugs. Obwohl die Entwicklung in Richtung angepasster Werkzeuggeometrie und -beschichtung sowie innovativer Schneidstoffe gehe, gab in der Studie die Mehrheit der befragten Unternehmen zu, eher „unsystematisch vorzugehen; dies kann die Prozessauslegung verzögern und zu hohen Kosten führen“. Rund 80 Prozent der Befragten sähen, so Busch, in Zukunft Bedarf für standardisierte Verfahren der Prozess- und Werkzeugauslegung sowie Informationen über optimierte Werkzeuggeometrien und Beschichtungen.

Kühlen und Schmieren
Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben nannten fast alle befragten Unternehmen die Entwicklung neuer Kühlschmierstrategien. Marc Busch: „Erst wenn Strategien wie die Minimalmengenschmierung, Hochdruck- und Cryogenkühlung perfekt auf die eingesetzten Zerspanwerkzeuge abgestimmt sind, können diese ihre volle Wirkung entfalten und Prozesse noch leistungsfähiger machen.“ Bei Systemen zur Prozessüberwachung käme es vor allem auf Robustheit, Bedienerfreundlichkeit und Flexibilität an. Überrascht waren die Aachener Forscher jedoch, dass sich immerhin die Hälfte der befragten Unternehmen nicht vorstellen konnte, wie ihnen moderne Prozessüberwachungssysteme helfen könnten, die Reinheit des Kühlschmiermittels zu prüfen oder unterschiedliche Tribosysteme hinsichtlich der Kühlschmierstoffstrategie oder Beschichtungstechnologie zu bewerten. „Nützlich werden solche Funktionen immer dann, wenn neue und schwer zu bearbeitende Werkstoffe wie hochharte Stähle oder hochwarmfeste Legierungen auf Eisen-, Nickel- oder Titanbasis ins Spiel kommen“, so Marc Busch.

Die Wertschöpfungskette
Auch das Thema Dienstleistungen wird auf der AMB groß geschrieben. „Angesichts globalisierter Märkte und immer stärkeren Konkurrenzdrucks erwarten Industrieunternehmen zunehmend integrierte Lösungen, mit denen sie mittel- und langfristig wettbewerbsfähig bleiben“ erklärt Dr. Klaus Christoffel vom Geschäftsbereich Coromant der Sandvik Tooling Deutschland GmbH in Düsseldorf. Der zunehmende Fachkräftemangel trage ebenfalls dazu bei, dass die Industrie nicht länger nur Produktlieferanten suche, sondern vielmehr „Unterstützung bei der Findung ganzheitlicher Lösungen zur Kostensenkung“.

Sandvik Coromant biete deshalb umfassende Beratungsleistungen für kundenindividuelle Fertigungsprozesse. Das Maximum an Produktivität und Effizienz sowie eine signifikante Kostenreduzierung seien nicht mehr allein durch den Einsatz hoch präziser Zerspanungswerkzeuge zu erreichen. „Wir entwickeln deshalb spezifische Lösungsansätze, um das Optimierungspotenzial sämtlicher Produktionsteilprozesse beim Kunden ausschöpfen zu können.“ „Value Chain Offer“ nennt sich diese Dienstleistung, in deren Rahmen Kunden Antworten auf alle Fragen entlang der Wertschöpfungskette – von Forschung und Entwicklung über Beschaffung, Produktionsplanung, Produktion, Logistik bis hin zur Mitarbeiterqualifizierung – erhielten. 

www.messe-stuttgart.de

Autor/in:
Redaktion Metall
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