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Meisterhafte Meisterschaften

22.11.2012

Die diesjährigen Berufsstaatsmeisterschaften und der anschließende Bundes-lehrlingswettbewerb der Metalltechniker in Klagenfurt gerieten zu einem Event der Sonderklasse.

Es war eine Leistungsschau der besonderen Art, als zwischen 9. und 13. Oktober im hochmodernen Technikzentrum des Wifi Klagenfurt die besten jugendlichen Metalltechniker zu den Berufsstaatsmeisterschaften und zum Bundeslehrlingswettbewerb antraten. 82 Teilnehmer in zehn Bewerben, bewertet von 30 Juroren, haben vorgeführt, was Österreich in Sachen Metalltechnik zu bieten hat.

„Diese vier Tage habe ich sehr emotional erlebt“, sagte Bundeslehrlingswart Helmut Muralter bei der feierlichen Siegerehrung für beide Bewerbe in der Klagenfurter Schleppe Eventhalle. „Junge, hoch motivierte und talentierte Menschen haben hier ihr Bestes gegeben. Das stellt wieder einmal unter Beweis, dass wir eine ganz tolle Jugend haben – die es einfach wert ist, hervorgehoben zu werden!“ Beeindruckt zeigte sich auch der „Gastgeber“ Siegfried Steiner, seines Zeichens Kärntner Landesinnungsmeister der Metalltechniker: „Die Juroren und ich – wir sind alle beeindruckt und überwältigt von den tollen Leistungen. Hut ab vor allen, die hier mitgemacht haben!“

Der Wettbewerb ist ein signifikantes Signal: Es soll vor den Vorhang geholt werden, was Österreich in Sachen Metalltechnikausbildung alles drauf hat und welche Fachkräfte beziehungsweise Kompetenzen am heimischen Markt vorhanden sind.

Vergesst Pisa!
„Alle jammern über die schwachen Ergebnisse des Schulsystems bei den Pisa-Studien – aber in der Berufsausbildung sind wir Weltmeister“, sagte Bundesinnungsmeister KR Harald Schinnerl vor den zahlreichen Festgästen, die zu der Ehrungsfeier für verdiente Metalltechniker in Klagenfurt gekommen waren. Schinnerl ist ein Verfechter des dualen Ausbildungssystems, das Österreich von den meisten anderen Ländern unterscheidet und den heimischen Metalltechniklehrlingen auch im internationalen Vergleich Top-Qualifikationen vermittelt. „Einen Weltmeister zu stellen ist Zeichen des erfolgreichen Systems“, so Schinnerl. Dieser Weltmeister heißt übrigens Florian Salhofer, stammt aus Tirol und hat im Herbst 2011 bei den WorldSkills in London die Goldmedaille im Metallbau erzielt. Und das war kein Einzelfall: Ein Jahr darauf ist der Niederösterreicher Markus Aichinger bei den EuroSkills in Belgien Europameister im Schweißen geworden.

Der Weg zu solchen internationalen Erfolgen startet in der Regel beim Lehrlingswettbewerb und führt dann über die heimischen Berufsstaatsmeisterschaften, die heuer beide „in geballter Ladung“ in Klagenfurt stattfanden. „Gratuliere den Jugendlichen! Ich habe mir die Werkstücke angeschaut und finde sie einfach sensationell“, zeigte sich der Spartenobmann für Gewerbe und Handwerk in der WK Kärnten Klaus Kronlechner von den Ergebnissen begeistert. „Lehrlinge sind die Facharbeiter der Zukunft, die wir alle dringend benötigen werden“, so Kronlechner. „Die demografische Entwicklung geht leider in diese Richtung, dass Kärnten in fünf bis sieben Jahren Tausende Facharbeiter fehlen werden, wenn wir nicht aktiv versuchen, Lehrlinge zu rekrutieren“, so der Spartenobmann. In diesem Zusammenhang seien die Wettbewerbe extrem wichtig, um der Bevölkerung zu vermitteln, dass es über die Fachschulen hinaus auch Karriere mit Lehre gibt.

Lehrlinge gaben ihr Bestes
Beim Bundeslehrlingswettbewerb wurden an die Lehrlinge sehr anspruchsvolle Aufgaben gestellt. Die Landmaschinentechniker mussten verschiedene Stationen an landwirtschaftlichen Geräten durchlaufen. Die Schmiede hatten ein Wandkreuz in steckbarer Ausführung herzustellen. Die Aufgabe der Fahrzeugbautechniker war es, unter anderem einen Tragarm für Nutzfahrzeuge herzustellen. Die Metallbearbeitungstechniker mussten einen Geländersteher, die Metallbautechniker einen Fensterrahmen mit dem Logo der Metalltechnik herstellen, während die Maschinenbautechniker Maschinenbauteile (mit verschiedenen Fertigungstechniken) zu produzieren hatten. Das Werkstück der Schweißer war ein Kesselbehälter. Alle Aufgaben waren in acht Stunden möglichst fehlerlos zu erledigen – eine große Herausforderung angesichts des Zeitdrucks.

Staatsmeisterschaften – das Messen der Besten
Stahlbauschlosser, Schweißer und Schmiede – insgesamt 21 junge Burschen kämpften in Klagenfurt um die begehrten Tickets für die Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft 2013 in Leipzig. Aus den Siegern der letzten zwei Jahre wird das Team für die WorldSkills formiert. Zumindest gilt dies für die Berufe Stahlbauschlosser und Schweißer – die Schmiede hoffen, 2015 erstmals mit ihrem Beruf bei World­Skills vertreten zu sein. Sie haben derzeit noch das Problem, dass es noch nicht genügend Teilnehmerländer für den WorldSkills-Bewerb gibt. Den Regeln zufolge müssen mindestens sechs Nationen teilnehmen, damit in einer Berufsgruppe der Weltmeisterbewerb stattfinden kann. Bei den Schmieden sind es zurzeit leider nur vier Länder. Die Bemühungen der Bundesinnung laufen natürlich auf Hochtouren, um die erforderlichen sechs Nationen zur WorldSkills-Teilnahme zu motivieren.

Bei den Staatsmeisterschaften hatten die Teilnehmer insgesamt 20 Stunden Zeit, um ein vorgegebenes Werkstück fertigzustellen. Bei den Stahlbauern war ein Modell der Tower Bridge anzufertigen, die Schweißer mussten einen Druckkessel mit verschiedenen Schweißverfahren fertigen, und die Schmiede nützten all die Kreativität ihres Handwerks, um ein kunstvolles Kapellengitter anzufertigen.

Medaillenspiegel
Bei den zwei Wettbewerben in Kärnten haben heuer acht der neun Bundesländer „Medaillen“ erzielt und nicht weniger als sechs Landesinnungen konnten sich mit (mindestens) einem ihrer Kandidaten über einen ersten Platz freuen (siehe Tabelle). Das wirft ein gutes Bild auf die offenbar bundesweit ausgeglichene Qualität in der Metalltechnik-Lehrausbildung.

Mit jeweils vier Medaillen in beiden Bewerben haben die Fachkräfte aus der Steiermark diesmal in Klagenfurt ziemlich „abgeräumt“. Vor allem bei den Berufsstaatsmeistern dominierte die Grüne Mark die Schweißtechnik mit Platz eins und zwei und bei den Stahlbauschlossern wurde die steirische Facharbeiterphalanx nur vom Salzburger Florian Schnöll in die Schranken gewiesen.

Die Schmiedetechnik wiederum scheint ihre heißesten Eisen in den Kärntner Essen zu haben: Das südlichste Bundesland stellt 2012 sowohl den Berufsstaatsmeister als auch den Lehrlingssieger – und liegt im Medaillenspiegel des Bundeslehrlingswettbewerbs an erster Stelle.

[gr]

Autor/in:
Redaktion Metall
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