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„Wir wollen praktisch und vernünftig im Sinne der Kunden agieren können“, fordert Metalltechnik-Bundesinnungsmeister Harald Schinnerl.

Metallbetriebe brauchen mehr Flexibilität

23.02.2016

Die Jahresbilanz 2015 der österreichischen Handwerks- und Gewerbebetriebe liest sich ernüchternd. Vor allem die Metallgewerbe haben schon bessere Zeiten erlebt.

Als „wenig berauschend“ klassifiziert Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, die Jahresbilanz 2015 im heimischen Gewerbe und Handwerk. „Wir müssen auf eine schwarze Null hoffen“, prognostiziert der Wirtschaftsexperte für Österreichs Klein- und Mittelbetriebe. In den ersten drei Quartalen 2015 seien die Auftragseingänge bzw. Umsätze gegenüber 2014 wertmäßig um 2,8 Prozent gesunken – eine schlechtere Entwicklung als in anderen Sektoren der Wirtschaft. Noch etwas düsterer zeigt sich die Wirtschaftslage bei den Metalltechnikern: Schlosser, Schmiede, Landmaschinentechniker & Co lagen bei den Auftragseingängen in den ersten drei Quartalen 2015 mit minus 4,9 Prozent noch um einiges unter dem Gewerbedurchschnitt.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt: Es habe sich bei den privaten Haushalten ein Investitionsrückstau gebildet, sagt Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer. Nach der Steuerreform bleibe den Österreichern nun aber mehr im Börserl, womit wiederum mehr investiert werden könne. Die Spartenobfrau weiß aber auch, dass die erhofften Ausgabeneffekte der Steuerreform alleine nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, wenn es dazu nicht weitere Begleitmaßnahmen gibt – welche allerdings einer gesonderten politischen Willensbildung bedürfen.

Um auf geänderte Rahmenbedingungen, größere Nachfrageschwankungen und die Konkurrenz aus Nachbarländern reagieren zu können, wird von der Sparte Gewerbe und Handwerk abermals die Flexibilisierung der Arbeitszeit gefordert. Die tägliche Normalarbeitszeit solle auf zehn Stunden und die tägliche Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden angehoben werden. An der wöchentlichen Arbeitszeit werde aber nicht gerüttelt. „Es geht darum, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten, um Auftragsspitzen und -flauten sinnvoll ausgleichen zu können“, erklärt der Bundesinnungsmeister der Metalltechniker, Harald Schinnerl. Besonders für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) sei eine flexiblere Arbeitszeitregelung wichtig, weil diese ja nicht über dieselben Mitarbeiterkapazitäten wie die Industrie verfütgen. In dieselbe Kerbe schlägt Reinhard Kainz, Geschäftsführer der WKO-Sparte Gewerbe und Handwerk: „Wir benötigen eine KMU-spezifische Flexibilisierung“, fordert Kainz. „Bei Montage und Dienstleistungen der Klein- und Mittelbetriebe wird diese Flexibilität unbedingt benötigt.“

Ungeduldige Kunden

Als Innungsmeister weiß Schinnerl genau Bescheid, wo seine Berufskollegen der Schuh drückt. Und auch aus seinem eigenen Metalltechnikbetrieb mit technischem Büro, eigener Produktion und Montage verfügt er u. a. über genaue statistische Daten darüber, wie sich die Aufträge entwickeln: „Die Unterschiede zwischen den Auftragsspitzen und den Auftragstälern werden immer gravierender“, weiß Schinnerl. Das habe einerseits mit der wachsenden Ungeduld der Kunden zu tun, denn „wenn sich jemand entschieden hat, etwas zu bestellen, dann möchte er es möglichst schnell geliefert bekommen“. Andererseits gebe es heute viel mehr Konkurrenz, denn der freie Marktzugang gelte ja auch für Betriebe aus benachbarten Ländern und Regionen. „Wir müssen uns klar sein, dass sich die Rahmenbedingungen ganz massiv geändert haben“, erklärt Harald Schinnerl. „Nur durch Flexibilität haben wir die Chance, unsere Arbeit im legalen Bereich ausführen und im Wettbewerb mit den ehemaligen Ostländern bestehen zu können.“ Die Fachkompetenz der heimischen Metalltechnikbetriebe steht dabei für Schinnerl nicht in Frage: „Ich behaupte, dass wir fachlich mehr können, aber durch die Einschränkung der Arbeitszeit sind uns die Hände gebunden.“

Der Abbau bürokratischer Hürden ist dem obersten Vertreter der Metalltechnikerzunft schon lange ein Anliegen. „Warum ist alles mit so viel Bürokratie unterlegt?“, fragt Schinnerl. „Unsere Gewerbebetriebe haben im Durchschnitt nicht mehr als sechs Mitarbeiter, da gibt es bei der Arbeitszeit wenig Spielraum. Die Flexibilität ist aber notwendig, um Kunden freundlich, zeitgemäß und wirtschaftlich bedienen zu können.“

Keine leeren Kilometer

Zeitgemäß und wirtschaftlich – das bedeutet zum Beispiel, dass ein Metallbauunternehmen seinen Auftrag rechtzeitig beim Kunden anliefert und montiert. „Stellen Sie sich vor, man hat alles vorbereitet, fährt auf die Baustelle und stellt fest, dass es ein Problem gibt“, erläutert Schinnerl eine für die Montage typische Aufgabenstellung. Wenn etwa ein notwendiger Kran zwei Stunden zu spät käme, kurzfristig etwas nachgefertigt werden müsse, dann komme man mit der kalkulierten und gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit in die Bredouille. „Hier ist es nicht nur unsere Aufgabe, sondern auch im Sinne der Kunden, dass wir auf die Gegebenheiten reagieren und das Problem faktisch, praktisch und vernünftig abhandeln“, so Schinnerl. Und ökologischer, weil man die Baustelle nicht mehrmals anfahren müsse. Schinnerl: „Wir unterhalten uns über Euro-Abgasnormen, aber nicht darüber, wie viele unnötige Wege verhindert werden könnten.“ [red/gr]

Autor/in:
Redaktion Metall
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