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Metaller mit Engagement

23.06.2014

Kundenbeziehung, Mitarbeiter, Energieeinsatz und Nachhaltigkeit zählen auch in der Metallbranche. METALL-Autorin Karin Legat hat mit einigen Betrieben über deren CSR-Aktivitäten gesprochen.

Auf die Fragen nach gelebter Corporate Social Responsibility, CSR, gibt es in der Metallbranche unterschiedliche Reaktionen. Großbetriebe verweisen auf eigene CSR-Konzernbereiche und -beauftragte. Auch Mittelbetriebe berichten gerne von ihren Maßnahmenpaketen rund um Umweltschutz, Mitarbeiter und Kundenbeziehungen.

Viele kleinere Unternehmen der Stahlbranche und Handwerksbetriebe jedoch wollen oder können die betriebseigene CSR nicht definieren, verweisen auf andere Betriebe oder begründen ihre fehlende Gesprächsbereitschaft mit mangelnder Zeit. Hier sorgt „Trigos“, Österreichs Auszeichnung für Corporate Social Responsibility, für etwas mehr Transparenz. Der Preis prämiert das ganzheitliche Engagement österreichischer Unternehmen im sozialen sowie ökologischen Bereich. Seit 2004 wurden rund 220 Unternehmen auf nationaler und regionaler Ebene ausgezeichnet, 90 auf Bundesebene und insgesamt 300 Unternehmen wurden nominiert.

Ja zu CSR bei Strabag

„Prinzipiell unterscheiden wir nicht explizit zwischen CSR-Aktivitäten und Nicht-CSRAktivitäten. Unser Ziel ist es, dass unser Personal Nachhaltigkeitsaspekte nicht mehr gesondert, sondern als selbstverständlich betrachtet“, erklärt Strabag-Vorstandsvorsitzender Thomas Birtel. „Alle unsere Tätigkeiten orientieren sich an der konzernweiten Strategie, die ökonomische, soziale, gesellschaftliche sowie ökologische Aspekte beinhaltet.“ Die Strabag setzt etwa Energiemanagementprogramme zur Einsparung beim Energieverbrauch um und generiert damit Kostenvorteile. Durch die gezielte Förderung von Frauenkarrieren wird ein höherer Anteil qualifizierter Technikerinnen angestrebt. „Frauen zu fördern ist nicht nur eine Sache der Fairness, es ist aus ökonomischer Sicht geboten“, betont Birtel. „Die Bauwirtschaft sieht sich

mit einem Mangel an qualifiziertem Personal konfrontiert. Frauen stellen einen großen Teil der erwerbstätigen Bevölkerung dar und müssen daher stärker als bisher für einen technischen Beruf begeistert werden. Die Rahmenbedingungen und Strukturen müssen sich ändern. Hier gibt es viel Nachholbedarf.“

Dazu unterstützt die Strabag die UN Women’s Empowerment Principles. „Die Summe aller Maßnahmen soll dazu beitragen, bei Vergabeprozessen weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Dafür hat die Strabag einen Ethikkodex erstellt und investiert langfristig in soziale und kulturelle Projekte“, betont Birtel und erwähnt u. a. das Projekt Concordia, das sich um Straßen- und Waisenkinder in Rumänien, Moldawien und Bulgarien kümmert. Gefördert werden im Rahmen der CSR-Strategie auch die Komödienspiele Porcia in Spittal an der Drau sowie das Strabag Kunstforum, mit dem MitarbeiterInnen und BesucherInnen Zugang zu zeitgenössischer Kunst geboten wird.

Strategie 2015 im Guss

„CSR ist tief in unserer Unternehmens-DNA verwurzelt“, betont Manfred Leyrer, Konzernbeauftragter für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility bei Georg Fischer Automobilguss. „Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung werden bei uns schon länger gelebt, als es die Begriffe gibt“, lacht er. Erste Krankenversicherungen gab es bei Georg Fischer schon im 19. Jahrhundert. Früher stand Qualitätsmanagement im Mittelpunkt, Umweltmanagement folgte, schließlich kamen soziale Aspekte in den Fokus. Daraus wurde CSR. Arbeitsschutz ist Kern vieler Initiativen. Aus dem Bereich Umweltmanagement nennt Leyrer die Stiftung „Clean Water“ als wichtiges Projekt, mit dem seit 2002 die Wasserversorgung in Entwicklungsländern und Katastrophengebieten gesichert wird. In Österreich liegt ein Schwerpunkt auf Energieeffizienz und Ressourcenschonung. „Die Kollegen arbeiten hier sehr engagiert“, berichtet ein Teamleiter. Dank innovativem Design produziert das Unternehmen Teile mit um 20 bis 50 Prozent geringerem Gewicht. Dies ermöglicht den Kunden, Autos und Nutzfahrzeuge herzustellen, die leichter sind und somit weniger CO2 ausstoßen.

Die Nachhaltigkeitsziele gelten für 2010 bis 2015 und werden an allen Standorten umgesetzt. „Als internationales, in 30 Ländern tätiges Unternehmen ist es unser Bestreben, den Energie- und Wasserverbrauch generell zu reduzieren und unsere Sozialverantwortung gegenüber Mitarbeitenden und der Gesellschaft wahrzunehmen. Dazu gibt es laufend Schulungen.“ Die Mitarbeiter reagieren auf die CSR-Bilanz des Unternehmens positiv. „Zu beobachten sind positive Effekte nach innen und nach außen, was dem Firmenimage sehr förderlich ist“, resümiert Manfred Leyrer.

Stahlproduktion auf CSR-Basis

Bei voestalpine wird CSR als gelebter Bestandteil der Unternehmenskultur betrachtet, mit Verantwortung gegenüber Umwelt, Gesellschaft, MitarbeiterInnen, Forschung und Entwicklung sowie Ökonomie. Gegenüber den MitarbeiterInnen setzt voestalpine u. a. auf Sicherheitsmaßnahmen, ein konzernweites Gesundheitsmanagement, auf vielfältige Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie auf ein seit vielen Jahren betriebenes Generationenmanagement. Folgende Entwicklungen werden von voestalpine an oberster Stelle genannt: Der Verhaltenskodex („Code of Conduct“) definiert die Grundsätze und Anforderungen von voestalpine an Lieferanten von Gütern und Dienstleistungen sowie an Geschäftsvermittler, Berater und sonstige Geschäftspartner. Er beinhaltet neben der Verpflichtung zur Beachtung der Gesetze das Einhalten eines fairen Wettbewerbs, das Verbot aktiver und passiver Korruption, das Verbot der Gewährung von Vorteilen an MitarbeiterInnen, die Wahrung von Respekt und Integrität, verpflichtende Schulungen für MitarbeiterInnen zum Verhaltenskodex und zu Menschenrechten sowie zum Aufbau einer Compliance-Organisation innerhalb des Unternehmens.

Werkstoffentwicklungen und Produktinnovationen in Richtung Sicherheit, Langlebigkeit und Leichtigkeit sind ebenso weitere Leitpunkte der voestalpine wie die Etablierung von Umweltmanagementsystemen, z. B. Emas und ISO 14001, Gleichstellung aller MitarbeiterInnen und Ausschließen jeglicher Diskriminierung, Arbeitssicherheit und Vermeidung von Arbeitsunfällen sowie gesellschaftliches Engagement im Bereich Bildung, Kultur, Sport und Soziales. Demnächst wird der erste konzernweite Corporate Responsibility Report veröffentlicht, in dem die Aktivitäten der voestalpine im Bereich Nachhaltigkeit und die Ziele zur Weiterentwicklung der nachhaltigen Unternehmensführung detailliert beschrieben sind.

Traktoren mit Verantwortung

„Für uns als in Tirol verwurzeltes Familienunternehmen, das seit mehr als 65 Jahren Landmaschinen für die Berg- und Grünlandwirtschaft herstellt, ist verantwortungsvolles Handeln und Wirtschaften gegenüber unserer Gesellschaft und Umwelt ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenspolitik“, betont David Lindner vom Traktorenwerk Lindner. Als Fahrzeughersteller stellt Lindner den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen in den Mittelpunkt, sowohl in der Produktion als auch bei den Produkten. „Im Rahmen des Efficient Power Programs werden zahlreiche Maßnahmen realisiert, welche die Antriebsleistung der Traktoren und Transporter optimieren, vom Getriebe über die Hydraulik bis zur Lüftung der Motoren. So kann der Treibstoffverbrauch bei den neuen Modellen um 15 Prozent gesenkt werden.“

Auch in der Produktion gilt es, intelligente Strategien zur Reduzierung des Energieverbrauchs umzusetzen. Als Best Practise nennt Lindner die Entscheidung für den grünen Produktionsstandort Kundl. „Rund die Hälfte der Nutzfläche wurde in den letzten Jahren thermisch saniert, durch Dreifachverglasung und Energiesparkomponenten erreicht das Gebäude nahezu Niedrigenergiestatus. Spritsparen ist ein weiterer Kompetenzbereich von Lindner. Mit einer Meisterschaft kürt Lindner den Spritsparmeister 2013/2014. Eine Maßnahme aus dem sozialen Bereich: Ein Drittel der 220 MitarbeiterInnen arbeitet nebenberuflich in der Landwirtschaft. Lindner legt daher besonderen Wert auf arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeitmodelle mit Elternteilzeit und Teilzeitarbeitsmöglichkeiten für Nebenerwerbslandwirte.

In der Luft und auf dem Boden

Die Grundsätze von wirtschaftlichem, ökologischem und sozial nachhaltigem Handeln sind auch in der Unternehmenspolitik der Amag festgesetzt. Die Amag ist einer der führenden österreichischen Premiumanbieter qualitativ hochwertiger Aluminiumguss- und -walzprodukte, die in verschiedensten Branchen wie der Flugzeug-, Automobil-, Sportartikel- und Maschinenbauindustrie eingesetzt werden. „Zu den Grundsätzen und Zielen unserer Sozialpolitik zählen u. a. das moralisch, ethisch und rechtlich einwandfreie Verhalten im Umgang mit Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und Mitbewerbern. Daneben setzen wir auf die effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen, auf eine Erhöhung der Energieeffizienz sowie auf die Minimierung von Emissionen und Abfall“, erklärt Amag-Pressesprecher Leopold Pöcksteiner. Als einen der gelebten CSR- und Nachhaltigkeitsschritte auf lokaler Ebene nennt Pöcksteiner den jährlich ausgeschriebenen Sozialpreis, der MitarbeiterInnen motivieren soll, sich im Umfeld des Unternehmens sozial zu engagieren und Verantwortung für Sozialprojekte zu übernehmen. Wesentliches Kriterium dabei ist, dass die Unterstützungsleistung direkt an benachteiligte oder in Not geratene Menschen in der Region geht. Für dieses Engagement wurde die Amag 2013 mit dem Nachhaltigkeitspreis der Industriellenvereinigung Oberösterreich, der „CSR-Corona“ in Bronze, ausgezeichnet. Durch Bildungspartnerschaften mit regionalen Schulen in Form von Vorträgen, Werksführungen oder Projektarbeiten werden nachfolgende Generationen für Wissenschaft und Technik begeistert. Praktikumsplätze und die fachliche Unterstützung bei Abschluss- und Projektarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen schaffen die Basis für den Einstieg ins Unternehmen. Darüber hinaus setzt die Amag Initiativen zur betrieblichen Gesundheitsförderung durch die Schaffung sicherer und angenehmer Arbeitsbedingungen sowie durch die Unterstützung von Eigeninitiativen im Bereich Gesundheit, z. B. Amag Vital Scheck & Check. Das Thema Arbeitssicherheit ist im Managementsystem der Amag verankert und integraler Bestandteil des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Der hohe Standard in diesem Bereich wird durch die Zertifizierung nach OHSAS 18001 bestätigt.

„Trigos“ gibt Einblick

Einige kleinere Unternehmen halten Stillschweigen über ihre CSR, so auch das Himmelberger Zeughammerwerk Leonhard Müller & Söhne. Durch bestehende Nominierungen gibt der „Trigos“-Award etwas Einblick in deren CSR. Total Müller Production System passt z. B. den Arbeitsplatz an die Mitarbeiter an, es gibt gezielte Maßnahmen zur Reduktion der Krankenstandsquote wie Schulungen und Vorsorgeuntersuchungen, Lean-Management-Seminare, Sprachkurse und Innovationsmanagement-Lehrgänge sowie laufende Besprechungsrunden zum Einbringen neuer Ideen. Durch Beschaffung der Holzstiele aus der Region wird an der CO2-Reduktion gearbeitet, Überschussstrom wird in das Energienetz rückgeführt.

Meetings haben auch Welser Profile von der CSR-Stellungnahme gegenüber METALL abgehalten. Laut „Trigos“ bietet das Unternehmen den MitarbeiterInnen u. a. eine eigens gegründete Sport- und Kulturgemeinschaft mit 20 Sektionen. Daneben werden Familientage und die internationale Ski- und Snowboardmeisterschaft der Unternehmensgruppe veranstaltet, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Vereine und gemeinnützige Organisationen unterstützt. Eine „Welser-Card“ bietet zudem preisliche Vorteile bei Nahversorgern.

Autor/in:
Redaktion Metall
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