Direkt zum Inhalt

Nur keine Berührungsängste!

10.04.2015

Bringt das Trendthema Generative Fertigung einen Innovationsschub durch Additive Verfahren und 3D-Druck? Die Stuttgarter Moulding Expo versucht darauf eine Antwort zu geben.

Moulding Expo 2015 - Messe für Gießen und Formen
Moulding Expo 2015 - Messe für Gießen und Formen
Moulding Expo 2015 - Messe für Gießen und Formen

Wenn neue Technologien auf den Markt drängen, wird das von den Skeptikern oft als Bedrohung empfunden. Beim 3D-Druck ist das nicht anders. Durch die generativen Fertigungsverfahren sehen nicht wenige Modell-, Werkzeug- und Formenbauer ihr Geschäftsmodell gefährdet. Manche glauben, der 3D-Drucker wird in Zukunft die ganze Branche vom Markt fegen. Doch wer nur die Risiken sieht, der verkennt die Chancen. Die Moulding Expo (vom 5. bis 8. Mai in Stuttgart) bringt die etablierte Industrie und die junge, aufstrebende Branche rund um das Additive Manufacturing und den 3D-Druck zueinander. „Wir wollen“, sagt Florian Niethammer, Projektleiter der Messe, „die sinnvollen Synergien zwischen den beiden vermeintlichen Kontrahenten aufzuzeigen“.

Rapid.Area

In Zusammenarbeit mit der Messe Erfurt wird auf der Moulding Expo (vom 5. bis 8. Mai in Stuttgart) in Halle 4 exklusiv die „Rapid.Area“ präsentiert, in der sich Messebesucher einen konzentrierten Überblick des Fachbereichs Generative Fertigung verschaffen können. Etwa 30 Unternehmen versammeln sich als Aussteller in der Rapid.Area, darunter die Stratasys GmbH, die RTC Rapid Technologies GmbH, die voxeljet AG, 3D Concepts, die Nonnenmacher GmbH & Co. KG, die 3D-Laser GbR und die 3D-Druck-Initiative des Rings Grafischer Fachhändler 3DION. Ihre Deutschlandpremiere feiert auf der Moulding Expo die swiss3Dprinting, eine gerade erst gegründete Schweizer Initiative zur Förderung von additiven Produktionstechnologien.

Berührungsängste abbauen

„Ob nun dritte industrielle Revolution oder Industrie 4.0 – das Thema Generative Fertigung ist in aller Munde“, sagt Wieland Kniffka, Geschäftsführer der Messe Erfurt GmbH. Seit elf Jahren präsentieren die Erfurter das Thema als Teil ihrer Rapid.Tech-Kongressmesse. „Generative Technologien werden auch die Werkzeug- und Formenbaubranche umkrempeln. Der Bedarf an Austausch und Information wird damit größer.“ Mit der Rapid.Area auf der Moulding Expo sollen dabei Berührungsängste abgebaut werden, sagt Kniffka. „Manche sprechen von der Verdrängung der traditionellen Fertigung durch die generative Technologie – genau mit diesen Befürchtungen wollen wir aufräumen.“

3D-Druck ist kein Allheilmittel

Die Additive Fertigung sei ebenso interessant wie aktuell und könne der gesamten Branche einen Innovationsschub geben, so Kniffka. „Aber machen wir uns nichts vor: Sie ist kein Allheilmittel. Es wird immer traditionelle Technologien im Modell-, Werkzeug- und Formenbau geben, die der Additiven Fertigung in manchen Sektoren überlegen sein werden. Nichtsdestotrotz gibt es Anwendungsgebiete und Prozesse, bei denen der Einsatz additiver Fertigungsverfahren sinnvoll ist, um einen höheren Output zu bekommen und dem Kunden einen höheren Dienstleistungsgrad anzubieten.“

Kombination Metall und Maschine

Kniffka: „Die Kinderkrankheiten beim Metall-Lasergenerieren sind überwunden, eigentlich greift man in diesem Bereich auf altbekannte Technologien zurück, die aber in ihrer Kombination und in ihrer Verfeinerung nun plötzlich eine steigende Relevanz für die mikrometergenau arbeitende Werkzeug- und Formanbaubranche erlangt. Wir sehen Perspektiven, wenn Werkzeugmacher neue Produkte testen wollen und nun günstig Werkzeuge für Klein- und Vorserien herstellen können, um Sicherheit bei komplexen Bauteilen zu erhalten.“ Zudem zeige die Leistungsfähigkeit dieser Bauteile steil nach oben, das Zusammenspiel zwischen Material und Maschine werde zunehmend optimiert. „Dabei sind natürlich auch neue Maschinen-Hybridkonzepte gefragt, die etwa das Auftragschweißen und Fräsen verbinden, um die Genauigkeit und die Qualität beider Verfahren zu kombinieren“, sagt Kniffka.

Obwohl bei den Modellbauern der Prototypenbau im Vordergrund steht, soll in der Rapid.Area keine inhaltliche Trennlinie zum Werkzeugbau gezogen werden. Kniffka: „Im High-End-Bereich nähern sich beide Branchen an, weil die Chance besteht, das eigene Angebot gegenüber dem Kunden leicht zu erweitern. Vom 3D-Modell ist man schnell beim Formeinsatz für eine Kleinserie, wenn man das entsprechende Equipment im Betrieb hat.“

Leichtbau als Innovationstreiber

Die Wertschöpfung verlagert sich immer mehr in die Konzeption und Konstruktion. „Das Aufkommen der generativen Fertigungsverfahren hat für die Branche eine ähnlich große Bedeutung wie damals die ersten CAD-Systeme“, erklärt Ulrich Hermann, Präsident des deutschen Bundesverbands Modell- und Formenbau. Das Thema habe enormes Entwicklungspotenzial, und vor allem die Themen rund um weitere Gewichtsreduktionen im Fahrzeugbau würden zu einem breiteren öffentlichen Interesse beitragen, so Hermann.

„Mit Additiver Fertigung liegt die Kunst, ein Produkt herzustellen, nicht mehr in der Verfügbarkeit von Spezialmaschinen, sondern vielmehr in der Konstruktion“, sagt Wolfgang Seeliger, Geschäftsführer Leichtbau BW GmbH. „Da die Kosten für die Fertigung marginal sind, verlagert sich die Wertschöpfung konsequenterweise immer stärker in die Konzeption und Konstruktion.“ Der Leichtbau ist für Seeliger ein prädestiniertes Anwendungsgebiet für das Additive Manufacturing und Rapid Prototyping. „Durch neue Verfahren ergeben sich enorme Potenziale für bislang nicht realisierbares Produktdesign und damit Gewichtsreduzierung sowie Funktionsintegration – und dies gilt auch für Werkzeuge und Formen.“

Semiprofessionelle Türöffner

Nach Ansicht des Essener Messemanager Wieland Kniffka herrsche im Bereich der generativen Fertigung und 3D-Druck noch viel Halbwissen bei den Entscheidern aus der Industrie. „Viele merken eben erst in der Rapid.Area, dass es in dieser Branche auch eine Nummer größer in High-End für den industriellen Bereich gibt. Jedoch, wenn das Maß stimmt, können die kleinen Geräte auch als Türöffner für die professionellen Produkte und Anwendungen fungieren.“ Gerade aus dem Open-Source-Bereich der semiprofessionellen Anwendungen kämen oft Innovationen, von denen dann auch der industrielle Bereich profitieren könnte. Kniffka: „Ich kann es jedem Modell-, Werkzeug- und Formenbauer, aber auch jedem Teilefertiger nur empfehlen: Keine Berührungsängste mit der neuen Technologie.“

Werbung

Weiterführende Themen

Eintauchvorgang der Metallteile bei Roto Frank in das Galvanikbad.
Technik
25.09.2018

Galvanik. Durch Einsatz von Solarenergie, industrieller Abwärme und die Nutzung eines innovativen Verfahrens zur Wasseraufbereitung könnte das Industrieunternehmen Roto ...

Schweissen
29.08.2018

Gemeinsam mit Fronius, der FH Joanneum und der TU Graz forscht die FH Campus Wien an der Weiterentwicklung und Verbesserung von Schweißtrainingssystemen.

Preisträger 2017: Der Technik fürs Leben Preis gilt als Karrieresprungbrett für HTL-Absolventen.
Aktuelles
07.05.2018

Die besten 52 HTL-Abschlussarbeiten Österreichs sind nun nominiert.

Neben hochkarätigen Fachvorträgen präsentierten in Spielberg auch 45 Ausstellerfirmen ihre Innovationen und Fertigungslösungen.
Metall- und Infotechnik
05.04.2018

Laut dem jüngsten Branchen-Barometer Produktion wollen 88 Prozent der heimischen Produktionsbetriebe in Digitalisierung investieren. Und fast die Hälfte der ...

Aktuelles
16.02.2018

Alle zwei Jahre fördert die Klaus Raiser GmbH & Co. KG innovative Projekte auf dem Gebiet des Reibschweißens mit einem Innovationspreis und 2.000 Euro. Einreichungen bis 31. ...

Werbung