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Die Covid-19-Pandemie hat die Nachfrage nach berührungslosen und barrierefreien Zutrittssystemen noch einmal verstärkt.

Smarte Türöffner: Digitale Schließsysteme im Trend

06.11.2020

Digitale Zutrittstechnik erfreut sich  immer größerer Beliebtheit. Welche Systeme es am Markt gibt und warum die Corona-Pandemie den Herstellern gesteigerte Umsätze beschert, lesen Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Elektronische Schließzylinder lassen sich ohne baulichen Aufwand in eine vorhandene Tür integrieren.
  • Der Zutritt wird durch verschiedene Schließmedien gewährt: PinCode-Tastatur, Schlüsselkarte, Transponder oder App.
  • Aktuell gibt es eine Vielzahl an digitalen Schließsystemen am Markt. Nicht bei allen ist die Sicherheit auch garantiert.
  • Für Unentschlossene gibt es eine Zwischenlösung: die gleichzeitige Nutzung von digitaler und mechanischer Schließanlage.

Unternehmen installieren Schließsysteme, deren Türen sich nur per Handscanner öffnen lassen, Fitnessstudios kontrollieren den Zugang zu ihren Trainigsräumen per Fingerabdruck und auch manche Bürogebäude sind schon mit einem elektronischen Schließsystem ausgestattet, das biometrische Daten abfragt. Sicherer und bequemer, so versprechen es zumindest die Anbieter dieser Systeme, gehe es nicht: Schließlich seien biometrische Daten einzigartig. Im Privatbereich sind solche elektronischen Schließsysteme mit biometrischer Zutrittskontrolle wenig verbreitet. Aber es müssen ja auch nicht unbedingt Fingerabdruck, Augennetzhaut oder Handgeometrie sein: Elektronische Schließanlagen lassen sich auch mit anderen „Schlüsseln“ bedienen – und die haben möglicherweise sehr viel eher das Zeug dazu, auch flächendeckend Einzug zu halten.

„Der anhaltende Trend in Richtung Smart Homes veranlasst auch private Haus- und Wohnungsbesitzer, sich mit neuen Zutrittstechnologien auseinanderzusetzen“, sagt Stefan Penz, Geschäftsführer des Zutrittssystem-Herstellers Dormakaba. Seit einigen Jahren stelle man zudem eine steigende Nachfrage nach den oben genannten berührungslosen und möglichst barrierefreien Zutrittssystemen, vor allem bei öffentlichen Gebäuden, fest. „Ein Trend, der durch Corona noch verstärkt wird, denn berührungsloser Zutritt ist hygienischer Zutritt.“

Welche Systeme werden angeboten?

Bei digitalen Schließanlagen kann die Zutrittsberechtigung grundsätzlich über einen Zahlencode, anhand einer Schlüssel-/ Chipkarte oder auch über einen Transponder geprüft werden. Ein Transponder ist ein digitaler Schlüssel und funktioniert berührungslos. Es handelt sich um eine Kombination aus kleinem Empfänger und Sender, der automatisch auf ein Signal reagiert, das von einem Lesegerät im näheren Umfeld eingeht. Transponder lassen sich in verschiedene Gehäuse einbauen, beispielsweise in Schlüsselanhänger, Armbänder oder auch Plastikkarten.

Außerdem gibt es noch Schließsysteme, die sich mit dem Smartphone per Bluetooth oder Wlan steuern lassen. Mit ihnen lassen sich virtuelle Schlüssel an weitere Personen verteilen und können so Handwerkern oder Nachbarn vorübergehend Zugang verschaffen, wenn man selbst nicht anwesend ist.

Welche Vorteile bietet die digitale Zutrittskontrolle?

Doch egal, für welche digitale Lösung man sich letztlich entscheiden mag. Für Penz vereint alle ihr zusätzliches Maß an Komfort für die Anwender. „Digitale Schließsysteme sind enorm flexibel, sowohl in der Verwaltung als auch in der Anwendung. Sie lassen sich etwa bei organisatorischen Änderungen im Handumdrehen umprogrammieren, das Verwalten von Schließanlagen wird damit enorm vereinfacht. Außerdem ist im Falle eines Medienverlusts kein Tausch der gesamten Schließanlage mehr erforderlich.“

Sind Sicherheitsbedenken berechtigt?

Trotz aller Pluspunkte, die smarten Türschlösser haben auch einen Knackpunkt, nämlich die Sicherheit, oder besser gesagt: die gefühlte Sicherheit. Die Diskussionen in Verbraucherforen zeigen, dass viele Haus- und Wohnungsbesitzer fürchten, ein elektronisch gesteuertes Türschloss könne zu einem begehrten Ziel von Hackern werden. Nicht ganz zu Unrecht, wie Johann Notbauer, Konzernbereichsleiter Marktinnovation und Technologie bei EVVA meint: „Bluetooth ist immer wieder ein Ziel für Hacker-Angriffe. Vor kurzem wurde Bluetooth beispielsweise Ziel der Hacker-Attacken ´BLESA´ und ´BLURtooth´“. Betroffen waren Prozesse, die Teil der Standardsicherheit der BLE-Technologie sind. Bei EVVA setzt man deshalb auf eine schnittstellenunabhängige Verschlüsselung. „Bei unserem AirKey etwa kann Bluetooth gerne gehackt werden. Hacker finden dann erst recht nur einen hoch anspruchsvoll mit Elliptic Curve Verfahren verschlüsselten Datenstrom vor.“

Auch Werner Flickentanz, Österreich-Geschäftsführer von Glutz, kennt die Thematik. „Aktuell gibt es eine Vielzahl von Systemen am Markt, teilweise auch billige Importe oder Internetangebote. Hier eine Aussage bezüglich Sicherheit treffen zu können ist sehr schwer.“ Er empfiehlt deshalb unbedingt die Beratung von Fachleuten aus Sicherheitsfachgeschäften zu setzen, die Produkte von namhaften Herstellern anbieten. Bei solchen erfolge der Datenaustausch üblicherweise verschlüsselt, sodass ein einfaches Auslesen oder Duplizieren von Nutzerdaten nicht möglich ist. „Das basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie beim Internetbanking. Glutz verwendet aktuell den höchstmöglichen Verschlüsselungsgrad und zusätzliche Sicherheitsmerkmale, um die Sicherheit der Berechtigungsdaten zu gewährleisten“, sagt Flickentanz.

Trotz zahlreicher Vorkehrungen fühlen sich viele Menschen sich in ihren eigenen vier Wänden nach wie vor nur dann sicher, wenn sie auch einen Schlüssel in der Hand haben. „Mechanische Schließsysteme haben deshalb noch lange nicht ausgedient“, ist Notbauer sicher. Anzudenken ist in einer solchen Situation auch eine Kombination aus mechanischen und elektronischen – sogenannten mechatronischen - Systemen. „Diese optimieren nicht nur den Investitionsaufwand für den Betreiber, es werden vielmehr die Vorteile der beiden Welten kombiniert.“ Und sie gelten als besonders sicher.

Wie fehleranfällig ist die Software?

„Grundsätzlich sind elektronische Zutrittssysteme nicht fehleranfälliger als mechanische. Wenn die empfohlenen Wartungsintervalle bei der Hardware eingehalten werden, kann der Kunde davon ausgehen, dass die Komponenten über Jahre zuverlässig arbeiten“, sagt Penz Allerdings sollte darauf geachtet werden, die Systeme mit Softwareupdates auf dem neuesten Stand zu halten. „Eine neue Software kann morgen schon veraltet sein und damit die Betriebssicherheit gefährden. Das liegt nicht an der Applikation selbst, sondern vor allem daran, dass sich das Software-Umfeld immer schneller verändert.“

Und für Notbauer von Evva spielt in diesem Zusammenhang auch Redundanz eine Rolle, zumindest dort, wo es die Verfügbarkeit erfordert. „In unserem Fall etwa bei der cloudbasierten AirKey Verwaltungssoftware. Das Rechenzentrum ist doppelt ausgeführt mit unabhängiger Stromversorgung und Internetanbindung sowie in baulich voneinander getrennten Bauabschnitten. Und bevor die Batterie einer Türkomponente leer wird, wird der Benutzer an der Tür und der Verwalter in seinem Softwaredashboard rechtzeitig gewarnt.“ Und für die kritischen Einsatzbereiche könnten zudem Elektronik und Mechanik perfekt kombiniert werden, um stets sicheren Zutritt zu bekommen.

Autor/in:
Theresa Kopper
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