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„Wenn man schon ein Hochhaus in Holzbauweise errichtet hat, dann sollte doch auch Ähnliches in Stahl verwirklicht werden können“, sagt der Wiener Stadtentwicklungssprecher Omar Al-Rawi.

Stahlfestspiele in Salzburg

24.06.2019

Eineinhalb Tage Informationsaustausch auf höchstem Niveau: Der Österreichische Stahlbautag war das diesjährige Highlight der heimischen Stahlbaubranche.

„Machen Sie auf jeden Fall eine Zertifizierung nach bestem Wissen und Gewissen. Dann haben Sie es zumindest versucht“, so Peter Zeman zur EN 1090-1.
Die Vernetzung bringt den Mehrwert, aber Kollaboration ist die He­raus­forderung“, behauptet BIM-Expertin Karina Breitwieser.
Hinweis

Die Unterlagen und Präsentationen des Österreichischen Stahlbautages 2019 sind auf der Website www.stahlbauverband.at einsehbar.

Alle zwei Jahre veranstaltet der österreichische Stahlbauverband (ÖSTV) mit dem Stahlbautag ein hochgradiges Branchentreffen. Diesmal haben Mitte Mai wieder mehr als 200 TeilnehmerInnen den Saal im Salzburg Congress bis zum letzten Platz gefüllt. Das große Interesse ist nicht verwunderlich, bot doch das Programm ein geballtes Paket an Fachinformation aus ­Theorie und Praxis. Zudem wurde auch der Österreichische Stahlbaupreis verliehen.
Nach der Begrüßung durch den Präsidenten des Stahlbauverbandes, Thomas Berr, ging es sofort in medias res. Vom finnischen Schweißtechnikspezialisten Kemppi war niemand geringerer als die Vorstandschefin Teresa Kemppi-Vasama nach Salzburg gekommen, um das Unternehmen vorzustellen. Kemppi hat sich die Aufgabe gestellt, die Datensammlung auf der Maschine und auf dem Werkstück in einem System zusammenzuführen. In der Praxis sei es so bei einem Anwenderunternehmen gelungen, die Fehler/Reparaturquote bei Schweißungen von 3,9 auf 2,3 Prozent zu senken.
In gewohnt pointierter Art ­analysierte danach Peter Zeman vom heimischen Stahlbauunternehmen Zeman & Co die ­aktuelle Lage der Branche. Er warnte u. a. vor dem viel zu oft verwendeten Begriff ­„Revolution“ – im Stahlbau sei vielmehr „Evolution“ angesagt. „Das bedeutet halt Arbeit.“ Dem Stahlbau liege immer schon ein hoher Sicherheitsbedarf zugrunde, heute gehe es auch darum, die Entwicklungsmöglichkeiten in Automatisierung, BIM, Logistik oder Informationstechnik weise zu nutzen. ­„Eine Herausforderung sind etwa die Material- und Fertigungstoleranzen“, nennt Zeman u. a. ein Beispiel für künftige evolutionäre Weiterentwicklung.
Der Wiener SPÖ-Stadtentwicklungssprecher Omar Al-Rawi präsentierte mehrere konkrete Bauvorhaben in der Bundeshauptstadt, welche auch für Stahlbauprojekte interessant sein könnten. „Schön langsam gehen uns die Bahnhöfe aus“, so Al-Rawi, aber wenn man schon ein Hochhaus in Holzbauweise errichtet habe, sollte doch auch Ähnliches in Stahl verwirklicht werden können, plädiert der Wiener Satdtentwickler an die anwesenden ÖSTV-Mitglieder.
BIM – Building Information Modeling – ist ein Gegenwarts- und Zukunftsthema der gesamten Baubranche und als solches natürlich auch ein heißes Eisen für den Stahlbau. Die Projektmanagerin ­Karina ­Breitwieser und der Architekt Heinrich-Goswin ‑Rothen­thal zeigten in ihrer Präsentation die Macht der einheitlichen Datenbasis, die allen Projektbeteiligten ein Arbeiten im „gemeinsamen digitalen Arbeitsraum“ ermöglicht. „Die Vernetzung bringt den Mehrwert, aber Kollaboration ist die Herausforderung“, so die beiden BIM-Experten. 

Die ewige Norm

Auch am zweiten Tag der Veranstaltung riss die Spannung nicht ab. Im Gegenteil: Gleich zu Beginn gab Georg Matzner, Geschäftsführer des ÖSTV, ein Update zu aktuellen und künftigen Ereignissen im Verband. So sind zum wiederholten Mal wieder HTL-Stahlbautage geplant, bei denen Experten aus der Praxis angehenden Bauingenieuren die Vielfalt und die Möglichkeiten im Stahlbau näherbringen. Zudem kündigte Matzner einen erstmals stattfindenden Verzinkungsworkshop sowie ein neues Fact Sheet zum Thema „Zuverlässigkeit im Stahlbau“ an.
Nach wie vor aktuell in der Branche ist die EN 1090-1. Auch am zweiten Tag ließ es sich Peter Zeman nicht nehmen, die CE-Kennzeichnung, ihre Leistung, aber auch die Probleme, die sie mit sich bringt, aufzuzeigen. Die größte Schwierigkeit in diesem Zusammenhang sei vor allem, dass für Betriebe nicht klar geregelt ist, wann sie eine Zertifizierung vornehmen müssen. Sein Tipp an die Anwesenden deshalb: „Machen Sie auf jeden Fall eine Zertifizierung nach bestem Wissen und Gewissen. Dann haben Sie es zumindest versucht.“
Dass die Digitalisierung nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis angekommen ist, zeigten Ersoy Asil (Zeman Bauelemente ProduktionsgmbH) und ­Jochen Vogel (Schinnerl Metallbau GmbH) mit ihren Erfahrungen mit 3D-Vermessung im Stahlbau. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die Vorteile, die solche Messsysteme dem Stahlbau bieten, sondern auch die Schwierigkeiten, mit denen Anwender zu kämpfen haben. Asil nannte dabei beispielsweise mögliche Umwelteinflüsse, die sich gravierend auf die Messsysteme auswirken können. Und auch die hohen Anschaffungskosten von 150.000 bis 200.000 Euro seien für viele Unternehmen problematisch. „Wir haben dies deshalb ausgelagert und auf ­eine Firma zurückgegriffen, die solche Dienstleistungen um rund 700 Euro pro Tag an­bietet“, so Asil.
Den krönenden Abschluss machten schließlich Franz Forstlechner von der ÖBB-Infrastruktur AG und TU-Graz-Professor Harald Unterweger mit der Vorstellung eines Forschungsprojektes, das sich mit der Bewertung der Restlebensdauer von Eisenbahnbrücken aus Stahl, mit dem Ziel das Potenzial der Bruchmechanik für diese Beurteilung zu nutzen, beschäftigt.

 

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