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Stuttgarter Fachtage der Oberflächentechnik

20.06.2018

Der deutsche Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO) bekräftigte auf der SurfaceTechnology Germany 2018 in Stuttgart erneut, wie sich die Galvano- und Oberflächentechnik den aktuellen Herausforderungen stellt.

„Die Endlichkeit des Periodensystems der Elemente ist Regulierern anscheinend nicht bekannt.“ Malte Matthias Zimmer, Leiter des ZVO-Ressorts Umwelt- und Chemikalienpolitik.
Galvano- und Oberflächentechnik

Die Oberflächenbranche ist eine Schlüsselindustrie, deren Dienstleistung Voraussetzung für die Funktionalität von Bauteilen, Geräten und Maschinen nahezu jeder anderen Branche ist. Galvanotechnik ermöglicht eine zuverlässige Funktionalität einer Vielzahl von meist wesentlichen Bauteilen in Automobil, Medizintechnik, aber auch Bauwirtschaft und Sanitärbranche. Auch Elektrotechnik und Elektronik sowie die Flugzeugindustrie kommen ohne Oberflächenveredelung nicht aus. Galvanotechnik verhindert jährlich Korrosionsschäden von etwa 150 Mrd. Euro.

Die Galvano- und Oberflächentechnik ist eine mittelständisch geprägte Industriebranche, die europaweit rund 440.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 50.000 in Deutschland. Die Struktur der Galvanobetriebe wird dabei von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) dominiert, nur wenige Betriebe erreichen Größen von mehr als 100 Mitarbeitern.

Die deutsche Galvano- und Oberflächentechnik ist mit soliden Voraussetzungen in das Jahr 2018 und in die Fachmesse „SurfaceTechnology Germany“ in Stuttgart gestartet. Dies unterstrich Christoph Matheis, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Oberflächentechnik e.V., am 5. Juni bei der Pressekonferenz zum Auftakt der dreitägigen Messe.

Matheis skizzierte dabei die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung der Galvano- und Oberflächenbranche, die von der allgemein guten wirtschaftlichen Situation profitiere: Sowohl Handwerk als auch Industrie in Deutschland können volle Auftragsbücher vorweisen. Er rechne damit, dass sich der positive Trend 2018 weiter fortsetzen werde. Immer strengere Umweltauflagen sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise seien zwar „große Herausforderungen, gleichzeitig aber Ansporn und ein Beispiel für die Flexibilität und Innovationskraft der Branche“. Diese sei eng an die Entwicklung der Automobilbranche, die eine prosperierende Phase erlebt, sowie deren Entwicklungstrends Elektromobilität und Leichtbau gekoppelt. „Die Unternehmen der Galvano- und Oberflächentechnik werden sich den aktuellen Trends auch in den nächsten Jahren als kompetente und verlässliche Entwicklungspartner der Automobil- und anderer Industrien stellen“, so Matheis.

Betroffen sei die Branche ebenso wie wichtige andere Industriezweige vom Fachkräftemangel, der die kleinen und mittleren Unternehmen der Oberflächentechnik besonders hart treffe.

Dies gelte ebenso für den starken Preisanstieg für Rohstoffe wie Zink und Nickel. Aber beispielsweise auch für Kobalt, das im Bereich der E-Mobilität und der Kommunikationstechnologie eingesetzt wird.

Unüberschaubare Regulierungspraxis

Eine weitere komplexe Herausforderung für die Branche stellt die vielschichtige Regulierungspraxis unterschiedlicher europäischer und nationaler Behörden dar. Ein Beispiel dafür ist die REACH-Verordnung, die seit zehn Jahren in Kraft ist. Dr. Malte Matthias Zimmer, Leiter des ZVO-Ressorts Umwelt- und Chemikalienpolitik, stellte auf der Pressekonferenz infrage, dass die REACH-Verordnung ihr postuliertes Ziel einer deutlichen „positiven Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit und die Umwelt“ erreicht. Eine konkrete qualitative Benennung der bis 2018 erzielten Benefits sei nicht erfolgt. Zimmer bezeichnete das Vorgehen der Behörden als „Aktionismus“ und belegte eindrücklich, auf welche Weise die unüberschaubare Regulierungspraxis unterschiedlicher Behörden die Märkte verunsichere, für einen Verlust von Produktionsprozessen ins Ausland sorge, Investitionen verhindere und Arbeitsplätze gefährde. Zur Illustration nannte er Beispiele aus der bisherigen Regulierungspraxis: „Im Zuge der Altautoverordnung wurde Chromtrioxid aus den Passivierungen verbannt. Kobalthaltige Alternativen konnten nach Jahren der Forschung als gleichwertige Alternative eingeführt werden. Nun soll auch Kobalt substituiert werden“, und vermutete: „Die Endlichkeit des Periodensystems der Elemente ist Regulierern anscheinend nicht bekannt.“ Das Thema führte in der Folge zu einer regen, kontroversen Diskussion.

Positives Messefazit

Die Premiere der SurfaceTechnology Germany 2018 in Stuttgart ist gelungen. Die Aussteller des ZVO-Gemeinschaftsstandes, der traditionell einen wichtigen Bereich der Messe darstellt und in diesem Jahr 77 Unternehmen umfasste, lobten neben der Anzahl vor allem auch die Qualität der Besucher. Die teilnehmenden Anbieter aus dem In- und Ausland gaben Antworten auf die ständig wachsenden Anforderungen an die Galvano- und Oberflächentechnik. Dabei ging es neben der Vermeidung kritischer Rohstoffe etwa um die Anpassung an die Entwicklung im Zusammenhang mit Industrie 4.0 oder aber die generelle Reduktion von Ressourcenverbräuchen. Matheis: „Die Aussteller unseres Gemeinschaftsstandes ziehen überwiegend ein gutes bis sehr gutes Fazit. Die Qualität der Kontakte und Gespräche war durch zahlreiche OEM und Tier1-Supplier von Anbeginn hoch. Und am zweiten Messetag hat sich dann auch die erwartete Besucherquantität eingestellt: Die Stände unserer Aussteller waren fast durchwegs gut besucht.

Positiv entwickelt habe sich laut Christoph Matheis auch die Internationalität der Messebesucher: „Gefühlte 50 Prozent kamen aus dem Ausland, viele davon aus dem außereuropäischen Raum.“

Weitere Informationen unter www.zvo.org/aktuelles/verbandsnews.html

Autor/in:
Redaktion Metall
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