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Thyssenkrupp vernetzt seine Maschinen

07.09.2017

Die selbst entwickelte Plattform „toii“ lässt Maschinen verschiedenster Hersteller und Generationen miteinander kommunizieren.

Anbindung eines heterogenen Maschinenparks an vorhandene IT-Strukturen über die neue Plattform "toii".

Wichtiger Schritt in der digitalen Transformation: thyssenkrupp vernetzt seinen Maschinenpark in der Werkstoffsparte mit einer neuen digitalen Plattform, die Anlagen direkt miteinander kommunizieren lässt. In Zukunft soll toii auch den Wartungsbedarf der Maschinen voraussagen (Predictive Maintenance).

Mit dem Namen „toii“ setzt die Business Area Materials Services auf ein doppeltes Wortspiel: Einerseits steht er für die Umkehrung von IIoT, der Abkürzung für „Industrial Internet of Things“. Andererseits erinnert er – durch den Wortklang – an das englische „toy“ (Deutsch für Spielzeug) und vermittelt damit, dass die Anbindung eines heterogenen Maschinenparks an vorhandene IT-Strukturen über die neue Plattform nun spielend leicht ermöglicht werde. toii wurde intern von Unternehmensexperten aus dem Bereich Software Engineering entwickelt und speziell auf die Gegebenheiten bei Thyssenkrupp Materials Services zugeschnitten.

Eine Plattform für alle(s)

Der Anlagenpark der Business Area, die sich auf den weltweiten Handel mit Werk- und Rohstoffen sowie auf umfangreiche Anarbeitungsdienstleistungen konzentriert, ist äußerst vielschichtig: Die Maschinen stammen von zahlreichen Herstellern und sind unterschiedlich alt. Dank toii können nun Bandsägen und Kantmaschinen, mobile Objekte wie Krane und Gabelstapler bis hin zu komplexen Produktionsanlagen wie kompletten Längs- und Querteilanlagen und anspruchsvolle Anarbeitungslösungen durch Fräsmaschinen und Laseranlagen ganz im Sinne des „Industrial Internet of Things“ vernetzt werden. Die digitale Plattform ermöglicht sowohl den Datenaustausch und die Kommunikation von Maschinen untereinander als auch zwischen Maschinen und IT-Systemen. So können Abläufe geplant und aufeinander abgestimmt werden.

Ein weiterer Nutzen der Plattform ist die einfache Datenanalyse. Was wurde wann in welcher Stückzahl produziert? Wo steht eine Wartung an, oder wo entwickelt sich ein Problem? Welche Materialien müssen nachgeliefert werden? Diese und weitere Fragen beantwortet das System, indem es die Daten sammelt und analysiert.

„Wir haben eine Komplettlösung geschaffen, die genau auf unsere Anforderungen zugeschnitten ist. Sie ermöglicht uns, die Automatisierung in der Produktion schnell voranzutreiben und macht unsere Abläufe deutlich effizienter“, sagt Hans-Josef Hoß, Vorstandsmitglied von thyssenkrupp Materials Services. „Damit bringen wir den digitalen Wandel jetzt auch in das „Kernland“ unseres Geschäfts: in die Werkshallen, in den Maschinenpark, an die Materialien. Das kommt unseren Kunden zugute – aber auch uns.“

Mensch-Maschine-Teamwork

In mehreren Pilotprojekten habe sich toii bereits bewährt. So wurde bei Materials Processing Europe in Mannheim beispielsweise eine neue Querteilanlage, die aus Breitband Tafelbleche herstellt, komplett mit der Plattform vernetzt. Das Ergebnis: toii übermittelt Arbeitsaufträge aus dem SAP-System direkt und in Echtzeit an die Maschine und steuert ihre Einstellungen von Größen, Gewicht bis zu Stückzahlen. Zudem fragt die Plattform alle von SAP benötigten Werte automatisch bei der Anlage ab. So ist der Status der Produktion und des fertigen Produkts jederzeit einsehbar.

Auch andere Maschinen wurden bereits mit toii vernetzt und automatisiert. Zum Beispiel die Dickenmessung von Metallstreifen zur effektiven Qualitätskontrolle sowie der maschinelle Plattenzuschnitt. Dieser konnte durch die Plattform sogar komplett in eine Fertigungslinie integriert werden. Und selbst bei Hochregallagern oder mobilen Baumaschinen sorge toii für mehr Effizienz, so thyssenkrupp in einer Firmenmitteilung.

Die Plattform sei hoch skalierbar und könne pro Jahr mehrere hundert Maschinen integrieren. Ein internationales Team von hauseigenen IT-Profis hat toii gemeinsam entwickelt. Derzeit werden alle Daten auf einem zentralen Server in Deutschland gehostet. Um alle datenschutzrechtlichen Anforderungen jedoch berücksichtigen zu können, sollen im Zuge des weiteren Roll-outs auch lokale Serverlandschaften in Großbritannien und den USA entstehen.

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