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Weitere Station für den Stahlbau

17.09.2014

Nicht nur Wien, auch andere Städte bekommen neue Hauptbahnhöfe mit hohem Stahlbau-Anteil. Die Centraal Station Rotterdam etwa bietet lichte Transparenz für komplexe Strukturen.

Der neue Hauptbahnhof Centraal Station Rotterdam präsentiert sich als helles, einladendes und übersichtliches Verkehrsterminal, das dem Reisenden eine schnelle Orientierung ermöglicht. Durch die gläserne Überdachung der Bahnsteige fällt das Tageslicht bis in die Fußgängerpassage, und die transparenten Fassaden ermöglichen den Blick zum angrenzenden Stadtraum.

Parallelen zu Wien

Ähnlich dem künftigen Wiener Hauptbahnhof ist die Rotterdam Centraal Station ein hochfrequentierter Verkehrsknotenpunkt: Überregional ist der Bahnhof an das europäische Netz von Hochgeschwindigkeitszügen angeschlossen, und für den öffentlichen Nahverkehr beherbergt er eine der wichtigsten U-Bahn-Stationen.
Die Gestaltung des neuen Bahnhofs und seines Umfelds stammt von Team CS, einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Benthem Crouwel Architekten, MVSA Meyer en Van Schooten Architecten und West 8, die den schon 2005 ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden konnten.

Sichtlich übersichtlich

Die große Eingangshalle mit ihrem spitz zulaufenden Edelstahldach und der Holzvertäfelung an der Innenseite verleiht dem Bahnhof seine charakteristische, metropolitane Identität. Hier befindet sich auch der Zugang zu den darunterliegenden U-Bahnlinien. Von der Bahnhofshalle geht der öffentliche Raum direkt über in die Esplanade, die sich bis zum Stadtzentrum hin erstreckt.

Rotterdam Centraal Station ist aufgrund seiner Anordnung besonders übersichtlich. Alle Züge und alle Bahnhofsfunktionen befinden sich in einem Raum, der nach oben von zwei Dachflächen geschlossen wird: einer lichtdurchlässigen Überdachung der Gleisanlagen, deren einfache Konstruktionen einem Gewächshaus ähnelt, sowie dem besonderen Dach der Bahnhofshalle. Zum Stadtzentrum hin wird dieser Raum dreiseitig von einer in ihrem höchsten Punkt 20,50 Meter hohen Fassade geschlossen. Die rund 3000 Quadratmeter große Fläche muss enormen Windlasten standhalten, die auf Fassade und Dach einwirken.

Mit Stahlprofilen gestalten

Bemerkenswert ist die Herangehensweise an diese Fassadenkonstruktion. Anders als bei der üblichen Abwicklung über einen Generalunternehmer (GU), der den Fassadenbauer wählt, ging bei diesem Projekt die Initiative für die Ausbildung der Fassade als tragende Stahlleichtkonstruktion vom Lieferanten der Glasscheiben aus. Die Scheuten Absoluut Glastechniek hat sich auf die Entwicklung, Produktion und Montage objektspezifischer Sonderkonstruktionen mit großformatigen Glasscheiben spezialisiert. Wegen des enormen Gewichts der 270 Zentimeter breiten, standardmäßig 174 Zentimeter hohen Scheiben – sie sind bis zu 700 kg schwer – kam anstelle des ursprünglich von den Architekten vorgesehenen Aluminiumprofils ein Stahlprofilsystem (Jansen Viss Basic) zum Tragen. Das trägerunabhängige Stahlprofilsystem kann an beliebige Stahltragkonstruktionen angebunden werden.

Tragende Stahlleichtkonstruktion

Im ersten Schritt wurde eine Primärkonstruktion aus Stahlträgern errichtet, auf der auch die Dachkonstruktion ruht. Daran angebunden sind horizontale Riegel aus Jansen Viss Basic, die die VSG-Scheiben aufnehmen. Die Sekundärkonstruktion aus 80 mm breiten und 160 mm tiefen Stahlprofilen sitzt 190 mm vor den innen angeordneten Stahlträgern, sodass der Abstand zur Verglasung insgesamt 370 mm beträgt. Vertikal sind die Scheiben lediglich aneinander gestoßen und mit einer feinen Silikonfuge geschlossen. Das statisch wirksame Zusammenspiel von Primär- und Sekundärkonstruktion ergibt eine schlichte Fassade, die sich auf den ersten Blick von einer Standardkonstruktion kaum unterscheidet. In der Tat konnte diese objektspezifische Sonderlösung mit Zubehör aus dem Systembaukasten des Jansen Viss Stahlprofilsystems einfach, wirtschaftlich und vor allem sauber hergestellt werden, wie der Fassadenbauer betont. Auch die großen Automatiktüren, mit denen die öffentlichen Zugänge versehen sind, ließen sich problemlos einbinden.

Brandschutzkonstruktionen

Die weiträumige Bahnhofshalle ist übersichtlich mit den notwendigen Funktionen für Fahrgäste ausgestattet: Reiseinformation, Informationsschalter, Reisebüro, Ticketautomaten und seitlich an-geordnete Läden; darüber befinden sich Büro- und Verwaltungsräume. Im Erdgeschoss sind diese Räume mit der gleichen Konstruktion aus horizontalen Riegeln von Viss Basic und vertikalen Silikonfugen geschlossen, an die darüber liegenden Innenfassaden jedoch wurde die Brandschutzanforderung EI60 gestellt. Hier wurde das Stahlprofilsystem Jansen Viss Fire verwendet. Transparente Brandschutzverglasungen sorgen gerade in Gebäuden mit hohem Publikumsverkehr für ein Plus an Sicherheit, weil sie die schnelle Orientierung innerhalb komplexer Strukturen ermöglichen. 

Autor/in:
Redaktion Metall
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