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Neben der ausverhandelten 1,45-prozentigen Lohnerhöhung empfiehlt der FMTI jenen Unternehmen, denen es wirtschaftlich gut geht, eine Coronaprämie von 150 Euro an die Mitarbeiter*innen auszuzahlen.

Weltrekord! Metaller-Kollektivvertrag in der 1. Runde abgeschlossen

24.09.2020

Nach einer Stunde war der Spuk vorbei, und die Sozialpartner einig: Plus 1,45 Prozent Gehalt und eine Empfehlung von 150-Euro Corona-Prämie für die Beschäftigten der Metalltechnischen Industrie (MTI).
Update: 4.10.2020

Sechs Fachverbände, ein Ergebnis

Seit 2012 verhandeln die sechs WKÖ-Fachverbände bzw. Berufsgruppen auf Wunsch der Arbeitgeber und gegen den Widerstand der Gewerkschaften die Kollektivverträge getrennt. Der Abschluss in der Metalltechnischen Industrie gilt als richtungsweisend und als Vorlage für die weiteren Kollektivverträge in der Metallindustrie und in anderen Branchen.

Ursprünglich hätten die Arbeitgeber die KV-Verhandlungen auf nächstes Jahr verschieben wollen. Umso überraschender, dass dann bereits am 24. September in der ersten Runde, in der die Verhandlungspartner normalerweise nur ihre Forderungen bzw. Angebote austauschen, eine Einigung erzielt wurde. Die Coronakrise hat offenbar beide Verhandlungspartner zu einem schnellen Abschluss bewogen. Die durchschnittliche Lohnerhöhung von 1,45 Prozent gilt für MTI-Beschäftigte ab November 2020 und entspricht exakt der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate. Auch die Lehrlingsentschädigungen und fast alle Zulagen werden um diesen Prozentsatz erhöht, erklärte Arbeitgebervertreter Christian Knill gegenüber der APA.

Weitere Abschlüsse in Rekordzeit

Knapp zwei Stunden nach der Einigung zwischen den Verhandlungsteams um Christian Knill und Rainer Wimmer für die rund 134.000 MTI-Beschäftigten haben sich auch die Vertreter der Nichteisen-(NE-)Metallindustrie mit den Gewerkschaften auf dasselbe Ergebnis geeinigt. Trotz der schwierigen gesamtgesellschaftlichen Lage sei das Gesprächsklima heuer von konstruktivem Austausch über die derzeitige Situation der NE-Metallindustrie geprägt gewesen. „Für beide Sozialpartner konnte ein rascher, tragfähiger Kompromiss erzielt werden“, freut sich Verhandlungsleiter Rob Van Gils, Geschäftsführer der Hammerer Aluminium Industries. Auch im NE-Bereich wurden die Zeitkonten weiter flexibilisiert. Die kollektivvertragliche Nachtarbeitszulage sowie die Schichtzulage für die 3. Schicht werden laut Van Gils ebenfalls erhöht.

Update: Am Ende dieses "historischen Tages" wurde der KV-Abschluss der Metalltechnischen Industrie schließlich auch von allen anderen Verbänden - nämlich Gießerei-Industrie (6.900 Beschäftigte), Fahrzeugindustrie (35.000 Beschäftigte), Bergbau-Stahl (17.000), NE-Metallindustrie (6.700) sowie Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen (4.000) übernommen. Diese sechs Fachverbände verhandeln seit acht Jahren ihre jeweiligen Kollektivverträge getrennt, allerdings auch bisher immer mit praktisch identen Ergebnissen.

Update II: 2.000 Euro Mindestlohn im Metallgewerbe

Auch für die 110.000 Arbeiter*innen und 18.500 Lehrlinge im Metallgewerbe ist am 9. Oktober 2020 der neue Kollektivvertrag ebenfalls bereits in der ersten Runde ausverhandelt worden. Die Lohnerhöhung beträgt hier ebenfalls 1,45 Prozent, und der neue Mindestlohn liegt nun bei 2.000 Euro/Monat – dieser war bereits im Vorjahr für 1.1.2021 vereinbart worden.

Ebenfalls aus dem Vorjahr stammt die mit Jahresbeginn 2021 wirksam werdende Erhöhung der Nachtarbeits- und Schichtzulage für die 3. Schicht auf € 2,39.

Freizeitoption

Lehrlingsentschädigungen, Zulagen und Aufwandsentschädigungen steigen ebenfalls um 1,45 Prozent. Die Nachtarbeitszulage und die Zulage für die dritte Schicht werden um 6,22 Prozent erhöht. Ebenso gibt es die Möglichkeit für Arbeitnehmer*innen, statt der Ist-Lohnerhöhung zusätzliche Freizeit zu vereinbaren. Voraussetzung für diese individuelle Freizeitoption ist eine Betriebsvereinbarung. Anders als bei der metalltechnischen Industrie tritt der neue Kollektivvertrag fürs Metallgewerbe erst mit 1. Jänner 2021 in Kraft. Der Geltungsbereich des Kollektivvertrags betrifft viele verschiedene Berufsgruppen: Unter anderem Elektrotechnik, Metalltechnik, Mechatronik und Kfz-Mechanik sowie die Gruppe der Installateure. Insgesamt umfasst dies 45.000 Unternehmen.

 

 

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