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Die Kunst des Metalldrückens ist ein vom Aussterben bedrohtes Handwerk.

(Wieder)Belebungsversuche

01.12.2018

In einem EU-Projekt entwickeln slowenische, steirische und burgenländische Partner moderne Ausbildungsprogramme für seltene Handwerke.

Slowenien und Österreich blicken auf eine lange gemeinsame Kultur- und Wirtschaftsgeschichte zurück. Das gemeinsame Vermächtnis findet sich auch in der traditionellen, historisch gewachsenen Handwerkskunst, die droht vergessen zu werden. Ein grenzüberschreitendes Projekt hat sich nun die Revitalisierung dieses Erbes zum Ziel gesetzt. Bis ins 20. Jahrhundert wurden die meisten Bauobjekte von Handwerkern hergestellt. Diese waren dann auch für deren Pflege und Erhaltung zuständig. Werkzeuge und Arbeitstechniken waren die gleichen wie bei der Herstellung. Material und Baustoffe waren nachhaltig und wurden von den Handwerkern in der Regel selbst hergestellt. Schindelmacher, Stuckateur, Trockensteinmaurer, Besenbinder, Vergolder, Fassbinder: Wenn alte bäuerliche und gewerbliche Handwerkstechniken in Vergessenheit geraten, droht auch der Verfall von Burgen, Schlössern und Klöstern, die fachgerecht erhalten werden sollten.

„Wichtig ist, dass das Wissen weitergegeben wird. Wir gehen gemeinsam einen Schritt nach vorne, um zusammen die Revitalisierung unseres kulturellen Erbes voranzutreiben“, sagte Branko Meh, Präsident der slowenischen Kammer für Handwerk und Kleinunternehmen, Mitte Oktober bei der Projektpräsentation im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing nördlich von Graz. Die Herausforderung sei jetzt, die „ alten Meister zu finden und jüngere Generationen zu motivieren“.

Bedrohte (Handwerks)Arten

Das dreijährige Interreg-Projekt „ Eurevita“ hat zum Ziel, einige der alten Handwerke durch grenzüberschreitende Ausbildungs- und Vernetzungsmaßnahmen zu revitalisieren. Dem Konsortium, dem auch das Berufsförderungsinstitut (BFI) Burgenland, der Nachhaltigkeitsspezialist Sekem Energy Gmbh und die Arbeitsagentur der Republik Slowenien angehören, stehen dafür bis Mitte 2021 rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung.

„Wir haben bereits eine Liste von 74 seltenen Handwerken in der Region Slowenien und Österreich erstellt. Aus diesen wollen wir die drei wirtschaftlich sinnvollsten für beide Länder herausnehmen und Curricula (Lehrpläne) entwickeln“, erläuterte Paul Olynec, Projektkoordinator und- manager am österreichischen Außenwirtschaftscenter in Ljubljana. Der Auswahlprozess sei gerade am Laufen.

Das BFI Burgenland wird seine Erfahrungen am Trainingssektor einbringen. „Neben den Curricula und der Entwicklung von Schulungsunterlagen sind Trainer heranzubilden“, blickt René Bischof vom BFI Burgenland in die Zukunft. Am Ende sollen 60 Personen dies- und jenseits der Grenze ausgebildet werden. „Es muss den Leuten wieder bewusst gemacht werden, dass ein Handwerk zu erlernen, eine Investition in die Zukunft ist“, betonte Iris Ksenija Brkovic von der slowenischen Kammer.

Das Projekt will speziell Umsteiger, Ältere und Langzeitarbeitslose für die Schulungen gewinnen. Parallel dazu will man das öffentliche Ansehen von altem Handwerk insgesamt verbessern.

Alte Meister in Wien

Eine ganz ähnliche Interessenslage steckt hinter der gegenwärtigen Kampagne der Wiener Wirtschaftskammer: Unter dem Motto „Alte Meister. Junge Helden“ will man mit Porträts altgedienter Handwerker die Lust bei der Jugend wecken, ebenfalls eine Lehre in traditionellen Handwerksberufen zu beginnen.

Wien zählt im Bereich Gewerbe und Handwerk rund 48.000 Betriebe mit etwa 153.000 Beschäftigten. Bürgermeister Michael Ludwig nennt daher die Klein- und Mittelbetriebe das „Rückgrat“ der Wiener Wirtschaft. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer will der neue Stadtchef mehr Lehrstellen schaffen. Und WKW-Chef Walter Ruck merkt an, dass die Weitergabe von Betrieben innerhalb der Familie nicht nur wirtschaftspolitisch, sondern auch sozial und gesellschaftspolitisch wünschenswert sei.

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