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„Derzeit ist das Geschäft einigermaßen stabil. Da wir hauptsächlich im Nichtwohnungsbau unterwegs sind, müssen wir einfach abwarten, wie sich der Markt 2021 entwickelt“, sagt der neue Hueck-Geschäftsführer Wolfgang Thür.

Wolfgang Thür: „Corona als Herausforderung und Chance"

11.09.2020

Im Gespräch mit METALL erzählt der neue Hueck-Geschäftsführer Wolfgang Thür über seinen Start in Krisenzeiten, den künftigen Wachstumskurs des Aluminiumprofil-Herstellers und die derzeitigen Trends bei Fenster, Türen und Fassaden.

METALL: Herr Thür, seit Ende Juni sind Sie neuer Geschäftsführer der Hueck Aluminium GmbH. Welchen ersten Eindruck haben Sie vom Unternehmen?
Wolfgang Thür: Mein erster Eindruck ist wirklich sehr positiv. Ich sehe für Hueck in Österreich nicht nur ein großes Potenzial beim Ausbau des Systemgeschäfts, sondern habe auch ein motiviertes und eingespieltes Team vorgefunden. Trotz des Pandemie-Schocks ist die Stimmung bei den Mitarbeitern gut. Doch müssen wir die Sorgen um die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens weiterhin ernst nehmen. Unsere Kunden haben den Lockdown größtenteils recht gut überstanden, obwohl größere Baustellen ja zwischendurch geschlossen waren. Viele haben noch volle Auftragsbücher, die abgearbeitet werden müssen. Allerdings erleben wir hier bei einigen derzeit noch eine gewisse Zurückhaltung in Bezug auf Termine. In dieser Krise ist übrigens besonders der traditionell enge Kontakt zu unseren Metallbau-Partnern ausgesprochen hilfreich.

METALL: Sie sprechen es bereits an – wir stecken mitten in der Corona-Krise. ­Hätten Sie sich einen einfacheren Start als Geschäftsführer gewünscht?
Thür: Es gibt sicherlich Leichteres. Doch von der Corona-Pandemie ist ja nun einmal jedes Unternehmen betroffen. Ich persönlich sehe das eher als Herausforderung und Chance, das Unternehmen weiterzuentwickeln und interne Prozesse zu überdenken. Schließlich müssen wir der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern gerecht werden und jetzt die richtigen Weichen für die Zukunft stellen. 

METALL: Wie verkraftet das Unternehmen die Krise?
Thür: Derzeit ist das Geschäft einigermaßen stabil. Da wir hauptsächlich im Nichtwohnungsbau unterwegs sind, müssen wir einfach abwarten, wie sich der Markt 2021 entwickelt. Mit einem gewissen Rückgang der Investitionsbereitschaft ist wohl zu rechnen. Um das auszugleichen, arbeiten wir intensiv am weiteren Ausbau des Systemgeschäfts. Erfreulicherweise hat Hueck hier derzeit eine ganze Reihe von erfolgversprechenden Produktentwicklungen vorzuweisen – zum Beispiel die innovative Schallschutzlösung Lambda SA oder das neue Fassadensystem Trigon FS.

METALL: Bis alles zur Normalität zurückgekehrt ist dauert es also noch etwas?
Thür: Bis wir zu der Normalität zurückkehren können, die wir bisher kannten, wird es sicher noch eine ganze Weile dauern. Jetzt ist es für uns erst mal normal, alle derzeit möglichen Infektionsschutz-Maßnahmen einzusetzen, damit unsere Mitarbeiter sicher arbeiten können. Und das funktioniert bisher ganz gut. 

METALL: Viele große Konzerne bauen derzeit aufgrund der Corona-Krise massiv Personal ab. Ist das auch bei Hueck ein Thema?
Thür: Nein, in diese Richtung gibt es derzeit keine Planungen.

METALL: Wie sehen Ihre Pläne als neuer Geschäftsführer aus, und in welchen Bereichen sollen in den nächsten Jahren Entwicklungsschritte gesetzt werden?
Thür: Bis wir zu der Normalität zurückkehren können, die wir bisher kannten, wird es sicher noch eine ganze Weile dauern. Jetzt ist es für uns erst mal normal, alle derzeit möglichen Infektionsschutz-Maßnahmen einzusetzen, damit unsere Mitarbeiter sicher arbeiten können. Und das funktioniert bisher ganz gut. 

METALL: Welche technischen Trends sehen Sie in den nächsten Jahren bei Fenster, Türen und Fassaden?
Thür: Die technische Entwicklung folgt in unserer Branche derzeit drei bestimmenden Megatrends: neben Digitalisierung und Nachhaltigkeit ist das die Urbanisierung. In diesem Zuge steht in den sich verändernden Städten zunehmend die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund. Diese Trends setzt Hueck in Produkte um, die zum Beispiel moderne Bedürfnisse nach Licht, Wärmedämmung, Sicherheit und Komfort erfüllen. Und weil last not least auch der ästhetische Anspruch den modernen Städtebau prägt, bieten wir bei aller Funktion auch filigrane, harmonische Ansichten und zeitloses Design. Dafür haben wir innovative Lösungen, wie unser Schallschutzfenster Lambda SA und unsere Fassade Trigon FS entwickelt. 

METALL: Neben der Urbanisierung haben Sie auch die Bereiche Digitalisierung und Nachhaltigkeit erwähnt. Was ist hinsichtlich Digitalisierung bei Hueck schon Realität, und was ist Zukunftsmusik?
Thür: Ich habe erfreut festgestellt, dass sich Hueck damit schon lange intensiv beschäftigt und hier sehr gut aufgestellt ist. Das war besonders in der Lockdown-Phase sehr hilfreich, denn alle geeigneten Arbeitsplätze ließen sich problemlos auf Homeoffice umstellen.
Bei der Digitalisierung sucht Hueck nach einer sinnvolle Balance aus Nutzen und Invest. Das heißt konkret, dass wir unseren Kunden genau die digitalen Services und Tools bereitstellen, die wirklich einen Mehrwert bieten. So sind beispielsweise nicht nur alle Daten und Informationen zu unseren Systemen online verfügbar, auch die Planungsprozesse für die Elemente sowie die Bestellungen laufen digital. Gleichzeitig halten wir die altbewährten Wege offen, sodass jeder wählen kann, was zu ihm passt. Ganz wichtig ist aber: Bei aller Digitalisierung steht für mich nach wie vor der persönliche Kontakt zu unseren Kunden im Vordergrund, denn nur so kann echtes Vertrauen entstehen.

METALL: Ebenfalls in aller Munde ist das Thema Nachhaltigkeit. Aluminiumerzeugung ist sehr energieintensiv. Wie sehen Sie die Zukunft dieses Materials?
Thür: Durch seine gute Recyclingfähigkeit und die extreme Langlebigkeit wirft Aluminium als Werkstoff bei der Ökobilanz viele andere Alternativen aus dem Rennen. Das ist durch viele mit dem LEED-Platin-Siegel ausgezeichnete Bauprojekte belegt, die mit unseren Fenster- und Fassadenlösungen realisiert wurden. 70 Prozent des jemals verarbeiteten Aluminiums sind bis heute im Umlauf, Recycling ist hier ohne Downgrading möglich. Deshalb bin ich der Meinung, dass Aluminium für die Baubranche nach wie vor ein zukunftsfähiger Werkstoff ist. Selbstverständlich müssen wir uns anstrengen, um Energiebilanzen und Recycling-Kreisläufe weiter zu verbessern. Unter anderem verwertet Hueck den anfallenden Aluminiumschrott zu hundert Prozent und realisiert den größtmöglichen Recycling-Anteil in den Produkten – allerdings steht dem Markt ja leider nur ein begrenzter Anteil an Sekundär-Aluminium zur Verfügung. Dennoch bieten wir auf Wunsch auch Lösungen mit einem Sekundär-Alu-Anteil von 80 Prozent. 
Unabhängig vom Werkstoff achten wir bei der Entwicklung und Herstellung unserer Produkte grundsätzlich auf möglichst geringen Ressourcenverbrauch, gute Recyclingfähigkeit, beste Wärmedämmeigenschaften und lange Lebensdauer – beispielsweise durch gute Nachrüstbarkeit. Diese Anstrengungen spiegeln sich in den Zertifizierungen nach Cradle to Cradle (C2C) und EPD wieder.

METALL: Im Jänner wird die BAU 2021 stattfinden. Zahlreiche Aussteller haben aufgrund von Covid-19 bereits ihre Teilnahme abgesagt. Wird Hueck im Jänner auf der BAU sein?
Thür: Nach dem derzeitigen Stand der Planungen wird Hueck im Januar in München präsent sein, denn diese Messe ist für unsere Branche nun einmal das größte und wichtigste Event. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möchten wir unseren Kunden auf unserem Messestand persönlich begegnen – natürlich unter Beachtung der vorgeschriebenen Hygieneregeln. Ich freue mich schon darauf, unseren Kunden viele interessante Neuheiten zu präsentieren.

 

 

 

 

 

 

Autor/in:
Theresa Kopper
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