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Risiko für Exporteure: Länder mit hohen Zahlungsverzügen.

Zahlungsausfall: Risiken im Export

18.08.2015

Die OeKB Versicherung hat verglichen, in welchen Exportländern heimische Unternehmen am längsten auf ihr Geld warten müssen.

Karolina Offterdinger: "Zahlungsverzüge sind ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung."

Russland steht demnach an der Spitze der Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen, gefolgt von Türkei und Indien. Verglichen wurden die Werte zum Ende des zweiten Quartals mit den Vorjahreszahlen.

In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug Vorläufer eines Schadensfalles und daher laut Kreditversicherer eine wichtige Kennzahl. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern. „Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung. Denn genau in diesen Ländern werden auch die Schäden steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung.

BRIC Staaten: Schäden niedrig, Verzüge steigend

In der Krise sorgten vor allem die so genannten Schwellenländer für einen Aufschwung der Weltwirtschaft. Nach der Hochkonjunktur vergangener Tage sind auch die Schäden durch Forderungsausfälle noch immer auf niedrigem Niveau, so die OeKB. Aktuell melden die Exporteure allerdings in allen BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) steigende Zahlungsverzüge. Dies wird sich auch auf die in den kommenden Monaten eintretenden Schäden auswirken.

Russland und Brasilien rutschen in eine Rezession. Chinas Wachstum verlangsamt sich 2015 auf etwa 6,5 Prozent. Das ist zwar noch immer ein Vielfaches vom österreichischen BIP-Wachstum (0,9 Prozent), aber wenig, wenn man bedenkt, dass China infolge von Bevölkerungswachstum und Landflucht jährlich rund zehn Millionen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft schaffen will. Indien ist der einzige BRIC-Staat, dessen Wirtschaftswachstum mit 4,9 Prozent zuletzt an Dynamik gewonnen hat. Die große Herausforderung des Landes bleibt allerdings die Armutsbekämpfung.

Türkei: Risiko steigt

Einen Anstieg bei Verzügen und Schäden im Vergleich zum Vorjahr haben die Kreditversicherungskunden der OeKB Versicherung im Handel mit der Türkei festgestellt. Im früheren Hoffnungsmarkt nutzten viele Exporteure die neuen Geschäftschancen. Heute ist die Türkei allerdings ein weiteres Schwellenland mit drastisch einbrechenden Wachstumskurven – laut Statistikamt in Ankara von über 9 auf 2,9 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist laut WKO mit 9,9 Prozent auf sehr hohem Niveau, die Inflation beträgt 8,9 Prozent und auch die Wachstumsaussichten sind getrübt. Die geplante Anhebung des Leitzinses der Federal Reserve Bank im kommenden September lässt Experten weitere Turbulenzen in der Türkei erwarten. Einer der Gründe dieser Annahme ist das hohe Leistungsbilanzdefizit des Landes.

Hoffnungsmärkte Lateinamerikas

Die drei Länder Mexiko, Ecuador und Peru scheinen erstmals in der Liste der Top 10 Verzüge der OeKB Versicherung auf. Hier seien laut Kreditversicherer die steigenden Zahlungsverzüge aber ein gutes Zeichen. „In Mexiko, Ecuador und Peru machen unsere Kunden verstärkt Geschäfte. Wir sehen das an der jeweils steigenden Deckungssumme. Das liegt wohl zum Teil daran, dass die BRIC-Länder schwächeln und sich die Exporteure mit unserer Unterstützung jetzt auf neue Märkte wagen“, erklärt Offterdinger den neuen Trend.

Die Zahlen des World Economic Outlook vom Internationalen Währungsfonds (IMF) bestätigen diesen Trend. Die Wachstumsraten von Mexiko (3 Prozent), Ecuador (1,9 Prozent) und Peru (3,8 Prozent) liegen jeweils über dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 0,9 Prozent.

Ukraine: Vom Verzug zum Schaden

In die politisch instabile Ukraine wird derzeit nur noch im bescheidenen Ausmaß exportiert. Durch den anhaltenden Konflikt mit Russland sind die Zahlungsverzüge im ersten Quartal des Jahres um ein Vielfaches gestiegen. Im zweiten Quartal meldeten die Exporteure der OeKB Versicherung vermehrt, dass ihre Forderungen uneinbringlich sind. Aus den Verzügen wurden somit Zahlungsausfälle. Damit ist der aktuell starke Anstieg der Schäden in der Ukraine eine direkte Folge der hohen Zahlungsverzüge aus dem Vorquartal. [red/oekb]

Autor/in:
Redaktion Metall
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