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Der Druck auf alle wächst

29.08.2013

Geschäftsführer Rainer Pethran managt in Österreich derzeit zwei, bald drei Bäder – das Asia Spa Leoben, die Alpentherme Ehrenberg bei Reutte in Tirol und ab Dezember das Narzissen Bad Aussee. Seine Gesellschaft für Entwicklung und Management von Freizeitsystemen (GMF) mit Sitz in Neuried bei München, betreibt Anlagen, „die sie selbst nicht baut". Schwimmbad & Therme sprach mit dem Manager über die Situation der heimischen Thermen im Vergleich mit Deutschland, über den Sinn von Subventionen und die Bedeutung von Standorten.

Wie beurteilen Sie aus Ihrer Sicht die Situation der Thermen und Bäder in Österreich allgemein und im internationalen Vergleich?

Österreich hat einen auf sehr hohem Niveau entwickelten Bäder- und Thermenmarkt und ist damit auch Trendsetter im europäischen Vergleich. Die Thermen sind zu 99 Prozent touristisch geprägt. Das heißt, sie wurden errichtet, um Tourismus zu fördern und Regionen in Sachen Fremdenverkehr zu beleben. Daher sind die Anlagen auch in hohem Maß von der öffentlichen Hand gefördert.

Momentan besteht aber eine gewisse Sättigungsgefahr des Marktes. Es gibt schon eine Tendenz zum Verdrängungswettbewerb, weitere Projekte könnten dies verstärken. Der Druck auf alle wächst.

 

Gibt es einen Unterschied zu der Situation in Deutschland?

Ja, den gibt es, und er ist ganz klar: Die touristisch geprägten Bäder sind in Deutschland in der Minderzahl, in Österreich in der Überzahl. In Deutschland sind die Nutzungsziele ganz anders ausgeprägt, das bedeutet auch einen Riesenunterschied für das Konzept: Die Kommunen bauen Bäder, um Sport und Schulschwimmen zu fördern. Und seltener, um touristische Ziele zu erschließen oder zu verstärken. Daher ist die Höhe der Förderung, die in Österreich in die Thermen floss und fließt, in Deutschland so nicht existent.

 

Ist dieses hohe öffentliche Fördervolumen gut oder schlecht?

Je höher das verfügbare Investitionsvolumen, desto höher ist natürlich die Qualität der Anlage. Und das kommt den Gästen und Betreibern zugute. Es gibt aber auch Gefahren: Zu hohe Förderungen können zu Größenordnungen führen, die mit dem Marktpotenzial nicht mehr übereinstimmen.

 

Apropos Marktpotenzial: Betrachtet man die Zahlen, scheint die Obersteiermark kein gutes Thermenpflaster zu sein. Die Gemeinde Fohnsdorf hat sich mit dem Bau der Aqualux-Therme offensichtlich übernommen und auch im Asia Spa Leoben – das GMF seit 2009 managt – ist nicht alles eitel Wonne.

Für Leoben kann ich diese Einschätzung nicht teilen. Man kann keine Region von vorn-herein als gut oder schlecht, als geeignet oder nicht geeignet bewerten. Alle haben grundsätzlich die gleichen Marktchancen. Natürlich ist der Standort wichtig, aber es kommt auf sehr viel mehr Faktoren an. Es gibt Thermen, die laufen in einsamen Gegenden gut, und Thermen, die laufen in Ballungszentren schlecht.

Zu den Zahlen für Leoben: Anfang 2012 kritisierte der Rechnungshof, dass das Asia Spa seit seiner Eröffnung 2008 jährlich Verluste schreibe. Woran liegt bzw. lag das?

Die Aussagen und Beurteilungskriterien des Rechnungshofes kann ich schlecht kommentieren. Das wirtschaftliche Ergebnis eines Bades ergibt sich aus verschiedenen Faktoren und steht im Zusammenhang mit den Nutzungszielen des kommunalen Investors. Im Asia Spa geht es auch um Infrastruktur wie Schul- und Vereinsschwimmen. Da sind öffentliche Zuschüsse nicht unüblich. Den Wert eines Bades für eine Stadt nur auf die Gewinnerzielung zu reduzieren würde bedeuten, man lässt die politischen und gesellschaftlichen Ziele eines Bäderbaus außer Acht.

Ob nun Gewinn oder nicht: Es wurde Ihnen das Management übertragen, um etwas zu verändern. Was ist passiert, was ist besser geworden?

Die Situation hat sich seit 2009 kontinuierlich verbessert. Wir konnten sowohl die Besucherzahlen steigern als auch das Betriebsergebnis verbessern. Wie alle Mitbewerber leiden aber auch wir unter den hohen Kosten, deshalb schlägt sich die positive Umsatzsteigerung nicht im gleichen Ausmaß im Ergebnis nieder.

 

Was wurde in Leoben konkret investiert und verändert, um die Besucherzahlen zu steigern?

Wir haben keine Riesensummen investiert, aber kontinuierlich Schwachstellen optimiert und Verbesserungen eingeführt. So wurde die Gestaltung modernisiert, die Sauna erweitert und das Gastronomiekonzept verändert. Kurz: Das Betriebskonzept wurde mehr dem Standort und der ersten Zielgruppe – nämlich den Gästen aus Leoben und Umgebung – angepasst.

 

Im Dezember 2013 eröffnet das Narzissen Bad Aussee, das Sie über eine Tochtergesellschaft betreiben werden. Auf welches Angebot wird man sich spezialisieren? Wer sind die Konkurrenten in der Region?

Bad Aussee ist keine Therme wie zum Beispiel in Bad Schallerbach, sondern der Ersatz für das seit rund einem halben Jahr geschlossene – weil veraltete – Kurbad. Nicht weit entfernt liegt die Grimming Therme in Bad Mitterndorf, die als Familienbad angelegt ist. Da beide Bäder vom Staat beziehungsweise Land gefördert werden, wurde von vornherein klar festgelegt, sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen. Die Förderbestimmungen waren somit ausschlaggebend für das Konzept: Bad Aussee hat den Schwerpunkt Kur und Gesundheit und konzentriert sich auf die Zielgruppe Erwachsene.

 

Was haben Leoben, Ehrenberg und Bad Aussee gemeinsam, und was sind die gravierendsten Unterschiede der drei Standorte?

Sie haben mit GMF den gleichen Betreiber mit einer einheitlichen Grundphilosophie und einem erprobten Qualtitätsmanagement. Ihr Investitionsziel ist nicht ausschließlich touristisch. Im Konzept sind sie aber total unterschiedlich. Bad Aussee ist als Kurbad mit „Medical Spa" angelegt. In der Alpentherme Ehrenberg stand die kommunale Versorgung, wie zum Beispiel Schulschwimmen, im Vordergrund. Leoben hat durch das angeschlossene Freibad und die sportlichen Zusatzangebote eine größere Dimension. Allen drei Anlagen ist gemeinsam, dass sie aus kommunalen und örtlichen Zielen entstanden sind und nicht mit einem ausschließlich touristischen Auftrag.


Text: Gudrun Haigermoser

Autor/in:
Redaktion Schwimmbad + Therme
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