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Vorzeige-Schwimmbad

09.10.2012

Das Lippe Bad in Lünen ist ein Sport- und Freizeitbad, das sich als hochmodernes und energieeffizientes Passivhaus-Hallenbad komplett barrierefrei und tageslichtdurchflutet seinen Besuchern präsentiert.

Ein 25-m-Variobecken mit vier Bahnen und Sprunganlagen (1 m, 3 m) und ein 25-m-Sport- und Schwimmerbecken mit fünf Bahnen (durchgehend 1,80 m tief), beide mit einer Wassertemperatur von 28 °C, sorgen für sportliches Schwimmvergnügen. Geruhsamer geht es bei 32 °C wohliger Wassertemperatur im Hubboden-Becken, dem Warm- und Erholungsbecken mit Massagedüsen und dem Kleinkinderbecken mit Breitrutsche zu. Die gesamte Wasserfläche beträgt 800 m2. Der Schallschutz in der Halle ermöglicht neben einer guten Akustik auch Entspannung in ruhiger Atmosphäre.

 

Energieeffizienz auf den Punkt

Mit dem Lippe Bad entstand ein öffentliches Hallenbad mit den Zielen von Passivhaustechnologie und Nachhaltigkeit. Es handelt sich um das erste öffentliche Hallenbad der Bädergesellschaft Lünen, das als Umwelt-Innovationsprojekt mit Konzepten der Passivhaustechnologie realisiert wurde. Mit diesem Ansatz sind erhebliche Einsparungen an Energie, Wasser, Abwasser und den damit verbundenen Umweltbelastungen möglich. Gefördert wurde das Innovationsprojekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (mwme.nrw) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) möglich. Durch eine thermisch hochwertige Gebäudehülle ist es möglich, den Transmissionswärmebedarf gegenüber konventioneller Bauweise sehr deutlich zu mindern. Aus der thermischen Verbesserung der Gebäudehülle, insbesondere der transparenten Bauteile, resultieren höhere innere Oberflächentemperaturen. Dadurch wird die Möglichkeit eröffnet, im Bad höhere relative Luftfeuchten zuzulassen. Dies senkt die Verluste durch Verdunstung von Beckenwasser erheblich.

Für alle Hüllflächen wurden passivhaustaugliche Dämmmaßnahmen realisiert. Eine erhöhte Anforderung besteht in der konsequenten Vermeidung von Wärmebrücken. Die U-Werte der transparenten Flächen (spezielle Dreifachverglasung) betragen um 0,7 W/(m²*K), die der sonstigen Wand-, Boden- und Deckenflächen maximal 0,12 W/(m²*K). Es wurden nicht nur Neubauaufgaben bearbeitet, sondern auch die Aufgaben der Sanierung auf Passivhausqualität, weil das ehemalige Fernheizwerk der Stadtwerke (Baujahr 1968) ressourcenschonend im Gesamtkomplex weitergenutzt wird (25 % der Grundrissfläche, Einbau eines Schwimmerbeckens). Mit der Einbindung eines ehemaligen Fernheizwerkes (Baujahr 1968) in den Neubau wird demonstriert, dass die auch aus ökologischen Gründen würdige Aufarbeitung von Altsubstanz auf Passivstandard möglich ist.

Angepasste Systeme (Infiltration, Luftführung) der mechanischen Belüftung und über Blower-Door-Tests geprüfte Luftdichtheit zur Qualitätssicherung kamen im Lippe Bad zum Einsatz. Luftwechselregelung ist nach Bedarf, Reduzierung von Druckverlusten (Δp kleiner 200 Pa im Auslegungspunkt) und der Einsatz hocheffizienter Ventilatoren und Technologien zur Wärmerückgewinnung. Zur Badewasseraufbereitung des Lippe Bades wird das Ultrafiltrationsverfahren genutzt. Die Hydraulik und die Pumpensysteme wurden ebenso optimiert. Zudem wird das Rückspülwasser zur weiteren Nutzung aufbereitet. Es kommen nur wassersparende Duschen sowie WC- und Urinalspülsysteme zum Einsatz. Niederschlagwasser und das gesondert aufbereitete Rückspülwasser werden aufgrund der günstigen Lage direkt in die Lippe eingeleitet. Es wurde eine konstruktive Optimierung der transparenten Flächen in Richtung solarer Gewinne und Reduzierung des Energiebedarfs für künstliche Beleuchtung vorgenommen. Es wurden Photovoltaikanlagen mit 110 kW Spitzenleistung aufgebaut. Die Strom- und Wärmeversorgung wird über die gekoppelte Erzeugung mittels Blockheizkraftwerk (BHKW) bewerkstelligt. Das BHKW wird mit Biogas betrieben. Zur weiteren Effizienzsteigerung wird die Abgaskondensationswärme des BHKW zur Beckenwassererwärmung genutzt (Brennwerttechnik). Für die Absicherung der Versorgungssicherheit und zur Bedarfsdeckung bei Leistungsspitzen ist das Passivhallenbad an das Fernwärmenetz der Stadtwerke angebunden.

 

Maximale Barrierefreiheit

Der Zuschnitt und die Raumgestaltung wurden mit dem Ziel entwickelt, höchstmögliche Integration gehandicapter Nutzer zu erreichen. Besondere Bauteilkonfigurationen (Verkehrswege, Türsysteme, Wechselkabinen, Garderobenschränke, Duschsäulen) unterstützen dies (universal design). Die Betriebs- und Nutzungsbedingungen sowie die messtechnisch festgestellten Werte der einzelnen Verbrauchspfade werden über ein Monitoring im Betrieb ermittelt. Auf der vierten „Woche der Umwelt" in Berlin zählte die Bädergesellschaft Lünen mbH zu den besten Projekten, die mit innovativer Umwelttechnologie die Vereinbarkeit von Ökologie, Ökonomie und sozialem Engagement verbinden. Das Lüner Vorzeige-Schwimmbad war aus mehr als 550 Bewerbern durch eine unabhängige Jury ausgewählt worden. Stadtwerkechef
Dr. Achim Grunenberg ist erfreut: „Das Lippe Bad ist im September 2011 in Betrieb genommen worden und wurde sehr gut von den Bürgern in Lünen angenommen. Im Februar konnte die Bädergesellschaft Lünen bereits den 50.000 Besucher begrüßen. Das ist mehr als wir erwartet hatten."

Zuletzt wurden im Zuge von Revisionsarbeiten Ausbesserungen und Erweiterungen im Umkleidebereich, ein üblicher Fliesenaustauch, Überprüfung der Beckenfolie sowie Innentüren, Fenster- und Fassadenarbeiten und die Überprüfung und Neujustierung der Regel- und Messanlage vorgenommen.

www.stadtwerke-luenen.de

Autor/in:
Redaktion Schwimmbad + Therme
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