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„Der Bekanntheitsgrad der Kärnten Therme ist durch die vorübergehende Schließung gewaltig gestiegen.“„Der Bekanntheitsgrad der Kärnten Therme ist durch die vorübergehende Schließung gewaltig gestiegen.“

„Wir bieten bewusst das ganze Sortiment“

19.08.2014

Nur ein paar Monate nach der Eröffnung im Juli 2012 musste die Kärnten Therme in Villach wegen eines Baumangels geräumt und vorübergehend geschlossen werden. Mittlerweile ist ein Jahr vergangen, und in Villach blickt man wieder guter Dinge in die Zukunft. „Schwimmbad & Therme“ sprach mit Thermenleiter Manfred Hübel über Vergangenheit und Zukunft, über unvergleichliche Angebote und Wege aus der Krise.

Wie beurteilen Sie aus Ihrer Sicht die Situation in Österreich? Ist der Thermen-Markt ausgeschöpft?

Ich bin schon der Meinung, dass der Markt ausgeschöpft ist. Es kann sicherlich jeder Österreicher innerhalb von einer Stunde Fahrzeit eine Therme erreichen. Um bei dieser großen Konkurrenz erfolgreich zu sein, braucht es mehr als nur warmes Wasser. Ein Konzept wie bei McDonald‘s – egal wo, es gibt das gleiche Angebot – wollen die Gäste in diesem Bereich nicht. Man muss unverwechselbar sein, um langfristig erfolgreich zu sein. Regionaler Bezug, Authentizität und eine sinnvolle Angebotspalette werden immer wichtiger, denn sie machen eine Therme unvergleichlich. 

Was macht also die Kärnten Therme unvergleichlich? 

Wir vereinen mit unserem Ansatz „Fun, Fit und Spa“ Angebote für Ruhesuchende und sportliche Gästen unter einem Dach. Das gibt es in dieser Form und Qualität sonst nicht in Österreich. Ebenso einzigartig ist unser Mitgliederkonzept. „Member“ der Kärnten Therme können für rund 1.500 Euro pro Jahr alle drei Bereiche an 365 Tagen unbegrenzt nutzen. Derzeit halten wir bei rund 550 Mitgliedern, bis Ende 2014 wollen wir auf 700 bis 800 erhöhen. Und noch etwas gibt es nur bei uns: ein 25-Meter-Indoor-Sportbecken. Andere vergleichbare Einrichtungen bieten Sportschwimmbecken zwar im Freien an, aber nicht innerhalb der Therme. 

Dieses „Alles unter einem Dach“-Konzept“ kann aber auch Gefahren bergen. Zum Beispiel, dass es von allem etwas, aber nichts ganz gibt. 

Natürlich gibt es diese Gefahr, aber wir haben uns aus verschiedenen Gründen gegen eine starke Spezialisierung entschieden. Wir bieten bewusst eine sehr breite Angebotspalette: In dieser Region fungiert unsere Anlage nicht als die typische saisonale Therme, sondern wir sind das ganze Jahr über  gefragt. Die Bedürfnisse unserer Gäste sind sehr unterschiedlich, wir wollten niemanden von vornherein ausschließen. 

Ihr Vorteil liegt sicher darin, dass Sie nicht von Konkurrenten „umzingelt“ sind, wie dies in der Steiermark oder im Burgenland zum Teil der Fall ist. 

Genau, wir müssen uns nicht so stark abgrenzen,  das ist ein Bonus. Es gibt in unserer Nähe nur zwei Mitbewerber – das Römerbad in Bad Kleinkirchheim und die Drautaltherme. Beide sind vom Angebot her mit uns nicht vergleichbar. Es gibt also wenig rundherum, weder in Kärnten noch in Italien. In Slowenien sind sehr wohl Thermen  angesiedelt, auch in einem deutlich günstigeren Preissegment. Unser Ziel für nächstes Jahr ist es, auch den slowenischen Markt zu bearbeiten und diese Gäste von der Kärnten Therme zu begeistern. 

Rund ein Jahr ist vergangen, seit die Kärnten Therme wegen eines Risses in der Dachkonstruktion geräumt und vorübergehend geschlossen werden musste. Wie lange war die Anlage insgesamt geschlossen? Wie wirkte sich dieser Schaden auf den Betrieb aus? 

Wir hatten insgesamt vier Wochen geschlossen, vom 13. Februar bis zum 15. März 2013. Natürlich war das ein enormer Imageverlust für das gesamte Thermen Resort Warmbad-Villach. Leider verbreiten sich schlechte Nachrichten immer massiver als gute und bleiben auch viel länger in den Köpfen der Menschen hängen. Es war ein echter Kraftakt, die positive Information von der Wiedereröffnung unter die Leute zu bringen. Wir haben letztes Jahr große Kampagnen in Österreich und Norditalien gestartet, um das gute Image und unserer Gäste zurückzuholen. Dennoch fragen noch heute – ein Jahr später! – Besucher nach, ob die Anlage wieder zur Gänze nutzbar ist. Aber irgendwie kann man das Ganze auch optimistisch sehen: Der Bekanntheitsgrad der Kärnten Therme ist durch die vorübergehende Schließung gewaltig gestiegen. 

Welcher Schaden war für die Schließung verantwortlich? Und kann so etwas wieder passieren? 

Der Schaden – ein Riss in einer Auflagetasche – wurde komplett behoben. Diese Taschen – davon gibt es ja mehrere – halten die Balken der Dachkonstruktion. Die Errichter und Betreiber haben diesen Schaden zum Anlass genommen, die ganze Anlage einem Sicherheitscheck zu unterziehen. So können wir heute sagen, wir sind in Bezug auf Bausubstanz und Statik die sicherste Therme des Landes. 

Bestand wirklich Einsturzgefahr? Oder war die Reaktion der akuten Räumung und der langen Sperre im Nachhinein gesehen überzogen? 

Es herrschte zu keinem Zeitpunkt akute Einsturzgefahr. Da es mehrere Sicherungen gibt, hätte das Dach nicht einbrechen können. Man darf solche Mängel aber keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und Risiken eingehen: So wurde geräumt und genau geprüft. 

Welche Kosten fallen an, und wer haftet für den Schaden? 

Aktuell laufen Gespräche mit den Verursachern und ihren Versicherern. Wir sind sehr optimistisch, dass der gesamte  Bausanierungsaufwand und der Betriebsunterbrechungsschaden ersetzt werden. Die genaue Höhe steht noch nicht fest, da noch nicht alle Gutachten vorliegen. 

Der Standort ist ein zentrales Kriterium für Erfolg oder Misserfolg einer Therme. Wie sind Sie mit der Lage zufrieden? Und woher kommen Ihre Gäste? 

Wir liegen perfekt inmitten des Alpe-Adria-Raums im Dreiländereck und sind verkehrstechnisch gut erreichbar. Unser Gäste kommen zu dreißig Prozent aus Italien, fahren zum Beispiel sogar von Udine aus eine Stunde zu uns nach Kärnten. Vor allem im Sommer, bei 35 Grad, bevorzugen die  Italiener die Ruhe in der Therme, während die österreichischen Touristen deren Strände bevölkern. 70 Prozent sind Besucher aus der Region. Dazu zählen Einheimische und Kärnten-Urlauber. 20 bis 25 Prozent davon nächtigen in Hotels der Umgebung, die Mitglieder unseres Partnerprogramms sind.

Welche Gäste möchten Sie in noch größerem Maße anziehen?

Die Summe aller Gäste macht es aus. Es ist uns wichtig, dass die Therme gut ausgelastet ist. In jedem Fall wollen wir den Anteil der Einheimischen weiter erhöhen, und – wie erwähnt – auch den der Besucher aus Slowenien. Genaue Zahlen dazu gibt es noch nicht, denn bis jetzt war es uns nicht möglich, die Gästestatistiken entsprechend auszuwerten. Allerdings haben wir in Sachen Datenerfassung nachgerüstet. Mit dem neuen System werden wir in Zukunft solche Details filtern können. 

Eine Therme ist ein sehr energieintensiver Betrieb. Wie sparen Sie in Villach Energie?

Mittels Energiemonitoring – ein Stromund Wärmezähler zeichnet den Verbrauch im 15-Minuten-Takt auf – können wir bei signifikanten Abweichungen sofort reagieren. Eine Besonderheit gibt es im Außensaunabereich: Hier wird die Wärme der finnischen Sauna genützt, um die Gehflächen im Winter eis- und schneefrei zu halten. Durch Abdeckungen der Außenbecken minimieren wir den Wärmeverlust, auch der Beckensauger kommt dadurch weniger zum Einsatz. 

Die Kärnten Therme ist erst eineinhalb Jahre alt. Gibt es trotzdem schon Ausbaupläne für die Zukunft?

Abwarten und Tee trinken und gute Zahlen genießen, ist nicht unser Ding. Gerade haben wir in Sachen Datenerfassung aufgerüstet, und natürlich gibt es Ideen zu Erweiterungen und Investitionen. Diese sind allerdings noch nicht spruchreif, auch sind noch keine Summen definiert. Aber in den nächsten fünf Jahren wird es sicher viel Neues geben. 

Autor/in:
Gudrun Haigermoser
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